25.02.2020 15:27 |

In Menge gerast

„Sah mein blutendes Mädchen auf dem Boden liegen“

Betroffenheit herrschte am Dienstag in Deutschland nach dem schockierenden Zwischenfall, bei dem der 29 Jahre alte Maurice P. mit seinem Mercedes während eines Rosenmontagszugs absichtlich in eine Menschenmenge gerast war. Fest steht mittlerweile: Der Fahrer, der unmittelbar nach der Auto-Attacke festgenommen wurde, war nicht alkoholisiert. Die Anzahl der Verletzten hat sich indessen auf fast 60 erhöht. Das jüngste Opfer ist laut Polizei erst drei Jahre alt. „Ich habe mich gefühlt wie in einem Horrorfilm“, schilderte die ältere Schwester einer Vierjährigen, die bei der Auto-Attacke verletzt wurde, die dramatischen Momente.

Betrunken war Maurice P., der mit seinem silberfarbenen Mercedes am Montagnachmittag in der nordhessischen Ortschaft Volkmarsen bei einem Faschingsumzug absichtlich in eine Menschenmenge gerast war, laut aktuellen Erkenntnissen nicht, allerdings steht noch nicht fest, ob der 29-Jährige deutsche Staatsbürger unter Drogeneinfluss stand, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag erklärte.

„Ein ganz ruhiger, unauffälliger und immer höflicher Mensch“
Das Motiv des Mannes liegt weiter im Dunkeln. Maurice P. sei vor knapp zehn Jahren gemeinsam mit seiner Großmutter und seiner Schwester nach Volkmarsen gezogen, berichtete der Vermieter. Der 29-Jährige habe eher zurückgezogen gelebt. „Ein ganz ruhiger, total unauffälliger und immer höflicher Mensch“, wird der Hauseigentümer in Lokalmedien zitiert. Probleme habe es bislang nie gegeben.

Am Tag der Tat soll der 29-Jährige noch zu seiner Nachbarin gesagt haben: „Bald stehe ich in der Zeitung.“ In der Wohnung von Maurice P. konnte ein Flyer sichergestellt werden, auf dem die genaue Strecke des Festumzugs abgebildet ist. Außerdem fand die Spurensicherung im Wagen des Mannes ein Handy, ein Tablet und eine Dashcam. Es besteht der Verdacht, dass er seine Tat mitfilmen wollte. In der Vergangenheit war der Deutsche wie berichtet durch Beleidigung, Hausfriedensbruch und Nötigung aufgefallen.

Gestiegen ist indes die Zahl der Opfer. Nachdem sich weitere Verletzte nach dem als „versuchten Tötungsdelikt“ eingestuften Zwischenfall gemeldet haben, korrigierte die Polizei die Anzahl der Verletzten auf fast 60 Personen. Das jüngste Opfer ist demnach drei Jahre alt, unter den Verletzten sind insgesamt 18 Kinder. Unter ihnen ist auch die vier Jahre Emilia, die als Ladybug aus der beliebten Zeichentrickserie „Miraculous - Geschichten von Ladybug und Cat Noir“ verkleidet an dem Umzug teilnahm, als Maurice P. mit seinem Mercedes dem Faschingsspaß ein jähes Ende bereitete.

Sah mein blutendes Mädchen auf dem Boden liegen
Der Vater des Mädchens war selbst nicht bei dem Umzug dabei, er wurde telefonisch von seiner Frau über den dramatischen Zwischenfall informiert. „Sie rief mich an, ich lief sofort los, sah mein blutendes Mädchen auf dem Boden liegen. Es waren entsetzliche Bilder, die sich da abspielten“, schilderte der Mann gegenüber der „Bild“-Zeitung die bangen Momente. Emilia wurde ins Krankenhaus eingeliefert, hatte eine Gehirnerschütterung, Abschürfungen im Gesicht und eine Prellung am Fuß erlitten. Es hätte weitaus schlimmer ausgehen können, denn laut Angaben ihres Vaters wurde das Mädchen von dem Wagen „überrollt“.

Die zehnjährige Schwester des Mädchens: „Ich habe mich gefühlt wie im Horrorfilm. Ich war auf der anderen Straßenseite, der fuhr voll in meine Schwester rein. Meine Schwester hat Gummiknochen.“ Am Donnerstag soll das Mädchen aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Zu der Auto-Attacke sind mittlerweile auch zahlreiche Handyvideos von Zeugen bei der Polizei eingegangen. „Das hilft natürlich für die Ermittlungen der Gesamtsituation“, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Georg Ungefuk. Ein sogenanntes Gaffervideo führte allerdings noch am Montag zu einer zweiten Festnahme. Gegen den Festgenommenen werde wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen“ ermittelt, sagte der Sprecher. Ob es darüber hinaus einen Zusammenhang zur Tat gegeben habe, müsse noch ermittelt werden.

Bundespräsident Steinmeier „tief erschüttert“
Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigt sich „tief erschüttert“ über den Vorfall. „Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Ich wünsche den Verletzten von Herzen eine vollständige Genesung“, schrieb er auf Facebook.

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