25.02.2020 12:44 |

Tickende Zeitbombe

Bombenanschlag auf „Ex“: Verdächtiger schuldfähig

Dramatisch ist das psychiatrische Gutachten über den mutmaßlichen Paketbomber von Guttaring in Kärnten: Der 28-Jährige wird als tickende Zeitbombe dargestellt, mit einer schweren psychotischen Störung, die Schlimmes befürchten lässt. Noch gilt er aber als zurechnungsfähig - was dem Verdächtigen selbst gar nicht passt.

Auf 22 Seiten listet Gerichtspsychiater Peter Hofmann auf, warum der mutmaßliche Attentäter brandgefährlich sei: Der junge Mann hätte noch nicht „das Vollbild einer schweren Psychose“, sei aber geistig und seelisch abartig. Daher plädiert der Sachverständige aufgrund der Gefährlichkeitsprognose für eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Eine solche Einweisung nach §21/2 wird immer zusätzlich zu einer Haftstrafe ausgesprochen, kann den Aufenthalt im Strafvollzug also empfindlich verlängern, aber nicht verkürzen.

Nochmalige Begutachtung beantragt
Dass er als zurechnungsfähig eingestuft wird, scheint dem Mann nicht recht zu sein. „Wir beantragen eine nochmalige Begutachtung“, sagt Anwalt Hans Gradischnig. „Auch ich habe das Gefühl, dass die Zurechnungsfähigkeit nicht gegeben ist.“ So habe sein Mandant dem erfahrenen Strafverteidiger vorgejammert, dass ihm „niemand zuhört, keiner glaubt. Schon in der Schule war das so; und auch beim Bundesheer“.

Als Motiv für den Anschlag auf seine Ex-Frau - die junge Mutter hätte durch die Paketbombe getötet werden können - nannte er: „Was mit meinen Kinder passiert ist (Sorgerechtsstreitigkeiten, Anm.), bewog mich dazu, Aufmerksamkeit zu erregen, um das mir angetane Unrecht aufzuzeigen.“

Ungeachtet der Frage der Zurechnungsfähigkeit dürfte es eine Anklage wegen Mordversuchs geben. Denn die Bombe war professionell und von enormer Sprengkraft. Das Schwarzpulver dafür sollen der Mann und sein potenzieller Komplize im Darknet bestellt haben.

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
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