12.07.2010 14:26 |

Schiri-Schelte

"Oranje"-Stars und Teamchef sauer auf "Webb der Depp"

Mark van Bommel schaute bitterböse, Bert van Marwijk hob drohend den Zeigefinger und Wesley Sneijder sprach von einer "Schande für den Fußball". Nach dem WM-Turnier mit den schlimmsten Schiedsrichter-Fehlern der Geschichte ging die hitzige Referee-Debatte auch nach dem Endspiel weiter, und Konsequenzen durch die FIFA scheinen unumgänglich. Für die Niederländer war der englische Schiedsrichter Howard Webb nur noch "Webb der Depp".

Der getadelte Unparteiische stand nach dem Abpfiff niedergeschlagen im Mittelkreis des Soccer-City-Stadiums von Johannesburg. Im Spiel seines Lebens hatte der Polizist aus Yorkshire viel zu viele falsche Entscheidungen gefällt. Zwölf Gelbe Karten und eine Gelb-Rote waren Rekord für ein WM-Finale - und ein Bärendienst an seiner ohnehin schon viel gescholtenen Zunft. Dabei war das Problem gar nicht die Webb'sche Kartenflut, sondern die falsche Farbe des Kartons. Der Engländer agierte sogar zu milde.

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Ein Ausschluss von Kung-Fu-Treter Nigel de Jong wäre schon in der ersten Hälfte zwingend gewesen und hätte das rüde Spiel vielleicht gerade noch rechtzeitig beruhigt. Paradoxerweise maulten dann die harten Holländer über Webb. Kurz vor dem Tor durch Andres Iniesta verweigerte der 38-Jährige ihnen einen klaren Eckball, ein angebliches Foul an Eljero Elia blieb ungeahndet.

"Der Mann war auf Spaniens Seite"
"Oranje" kochte vor Wut. "Das hätte sogar ein Blinder gesehen", ereiferte sich Torwart Maarten Stekelenburg, der gegen den goldenen Schuss von Andres Iniesta in der 116. Minuten chancenlos gewesen war. Teamchef van Marwijk war um Fassung bemüht, äußerte aber einen schlimmen Generalverdacht: "Der Mann war auf Spaniens Seite." Die Niederlande hatten ihren Buhmann gefunden, einige ganz schwer Enttäuschte sprachen sogar von "Webb der Depp".

Die englische Presse, selten um drollige Vergleiche verlegen, versuchte ihren Landsmann gnädig zu behandeln. Aber: Im Polizeieinsatz in Yorkshire hätte Sergeant Webb die Niederländer nicht so leicht davonkommen lassen dürfen, sondern wegen versuchter Körperverletzung festnehmen müssen, bilanzierte der "Daily Telegraph" treffend. Das niederländische "Algemeen Dagblad" nannte Webb schlicht und einfach eine "Schlafmütze".

Laute Pfiffe gegen Webb
Pfiffe der Fans bei der Ehrung nach dem Spiel gegen den Referees sind schon obligatorisch, doch so laut wie gegen den Webb waren sie selten. In der Enttäuschung der Fans kulminierte sich auch der Ärger über die schwachen und uneinheitlichen Leistungen der Unparteiischen in Südafrika in zu vielen der 64 WM-Spiele. Die FIFA wird an einer Debatte über eine grundlegende Reform des Schiedsrichter-Wesens nur schwer vorbeikommen.

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