11.02.2020 17:52 |

„Super Spreader“

Corona: Brite steckte in Skihütte 11 Landsleute an

Von Singapur über die Alpen bis nach England und Mallorca: Ein inzwischen vollständig genesener Brite hat das Coronavirus in einem französischen Skiort an elf Landsleute weitergegeben, ohne jemals China betreten zu haben. Die britische Presse nennt ihn einen „Super Spreader“, einen „Superverbreiter“. Gesundheitsexperten sehen darin einen Modellfall für die Ausbreitung des Virus, von dem Professor Gabriel Leung, Hongkongs führender Epidemiologe und weltweit anerkannter Experte, sagt, 2019-nCoV könnte 60 Prozent der Menschen infizieren, wenn nicht entschieden dagegen vorgegangen würde.

Infiziert hat sich der britische Geschäftsmann, dessen Name nicht öffentlich bekannt gegeben wurde, von den britischen Medien aber genannt wird, nach bisherigen Erkenntnissen bei einer Konferenz in Singapur. Daran nahmen vom 20. bis 22. Jänner mehr als hundert Menschen teil, unter ihnen mindestens ein Chinese aus der Provinz Hubei, wo die meisten der inzwischen mehr als 1000 Toten gemeldet wurden.

„Gedanken bei jenen, die angesteckt wurden“
Steve W., der inzwischen vollständig genesen sei, aber noch auf einer Isolierstation liege, ließ demnach über Medien ausrichten, dass seine Gedanken bei jenen seien, die mit dem Virus angesteckt worden seien. Seine Familie sei gebeten worden, sich als Vorsichtsmaßnahme ebenfalls zu isolieren, wie die BBC schreibt.

Von Singapur mit Virus „im Gepäck“ in Skiort in Frankreich
Der rund 40 Jahre alte Brite reiste dann von Singapur nach Frankreich weiter, wo er vom 24. bis 28. Jänner einige Urlaubstage mit Landsleuten in dem Skiort Contamines-Montjoie westlich des Mont Blanc verbrachte. Als er bei seiner Rückkehr nach England Fieber bekam, suchte er ein Ärztezentrum der Küstenstadt Brighton auf. Dort wurde das Coronavirus bei ihm diagnostiziert. Am 6. Februar wurde er in eine Spezialabteilung der Londoner Klinik St. Thomas verlegt.

In Skihütte elf weitere Briten angesteckt
Daraufhin stellten die britischen Behörden bei fünf weiteren Menschen, die in dem französischen Skiort mit dem Mann Kontakt hatten und bereits nach England zurückgekehrt waren, das Coronavirus fest. Die französischen Gesundheitsbehörden schlugen ebenfalls Alarm: Sie testeten fünf weitere Briten, die in derselben Alpen-Skihütte wie der Mann übernachtet hatten und sich noch in dem Land aufhielten, positiv auf das Coronavirus. Unter den Infizierten ist ein Kind. Weitere Touristen sind unter Beobachtung, niemand zeigte bisher jedoch Symptome.

Auch Passagiere eines Flugs von Genf nach England, den der Brite zur Rückkehr in sein Heimatland nahm, wurden untersucht. Bevor der Mann Krankheitssymptome verspürte, ging er unter anderem in Brighton in ein Pub. Mitarbeiter dieses Lokals wurden vorsorglich isoliert, das Lokal selbst blieb allerdings geöffnet.

Britischer Familienvater auf Mallorca im Spital
Inzwischen ist auf der spanischen Ferieninsel Mallorca ein weiterer Fall aufgetaucht, der mit dem Briten in Verbindung steht: Ein Familienvater habe sich Ende Jänner offenbar in Frankreich angesteckt, hieß es. Der Mann sei „nahezu ohne Symptome“, betonten die Gesundheitsbehörden in Madrid. Seine Angehörigen haben sich laut bisherigen Tests nicht infiziert.

Noch sieht Weltgesundheitsorganisation keine Pandemie
Gesundheitsexperten sehen in dem Briten einen Modellfall. Der Medizinprofessor Paul Hunter von der Universität East Anglia in Norwich nennt den Fall „beunruhigend, aber nicht unerwartet. Die Übertragung ist nicht mehr nur auf China beschränkt.“ Es sei aber zu früh, um zu beurteilen, ob das Coronavirus wirklich zur Pandemie werde. Auch die Weltgesundheitsorganisation geht derzeit noch von einer Epidemie mit „mehreren Brennpunkten“ aus.

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