04.12.2019 07:29 |

„Ziemlicher Schock“

Eisbär mit Graffito erzürnt Tierschutzexperten

Sein gelbliches-weißes Fell ist für die Jagd im Eis essenziell - nun jedoch sorgen Aufnahmen eines mit Lackspray besprühten Eisbären unter Tierschützern für Empörung. In einem im Internet kursierenden und von einem russischen WWF-Mitarbeiter veröffentlichten Video ist eines der Tiere beim Umherstreifen in der Wildnis Russlands zu sehen - an seiner rechten Körperseite prangt groß in schwarzer Farbe „T-34“. Eine Untersuchung läuft.

Dass der Eisbär von Forschern auf diese Weise gekennzeichnet worden sei, schließt WWF-Mitarbeiter Sergej Kawri nahezu aus. Er selbst wisse nichts Näheres darüber, in welcher Region das Video tatsächlich aufgenommen wurde und erklärte, dieses über Ureinwohner der Region Tschukotka im Fernen Osten Russlands via soziale Medien erhalten zu haben.

Was es mit dem Schriftzug auf sich hat, ist ebenfalls bislang Interpretations- und Spekulationssache. „Wenn das ein militärischer Schriftzug ist ... dann ist das eine perverse Respektlosigkeit gegenüber der Geschichte“, wird der WWF-Mitarbeiter von BBC zitiert. T-34 ist der wohl bekannteste sowjetische Panzer und kam im Zweiten Weltkrieg im Einsatz. Die Rote Armee bot diesen - aufgrund seiner einfachen Bauweise in Massenproduktion gefertigt - im Kampf gegen Nazi-Deutschland auf. Der T-34 gilt als meistgefertigter Panzer der Geschichte.

„Ein ziemlicher Schock“
Für den Eisbären könnte der Schriftzug einen ähnlich schützenden Effekt wie ein Panzer haben, nämlich vor einer erfolgreichen Jagd, so die Sorge der Tierschutzexperten. Die schwarze Farbe im weißen Fell könnte das Tier bezüglich Tarnung beim Jagen behindern, auch dauere es Wochen, bis die Farbe verschwunden sei. Daria Buyanova, Pressesprecherin des WWF Russland, erklärte im Gespräch mit der BBC, dass das Betrachten der Aufnahmen „ein ziemlicher Schock“ sei. Bezüglich der Inschrift sprach sie von „einem schlechten Scherz“.

Anatoli Kotschnew vom Institut für biologische Probleme des Nordens hielt es jedenfalls für unwahrscheinlich, dass das Tier in wachem Zustand besprüht worden sei. Da der Schriftzug gut lesbar sei, dürfte der Eisbär wohl betäubt gewesen sein, so seine Vermutung.

„Spray-Angriff“ aus Wut?
Derzeit versuchen Experten herauszufinden, wo genau die Aufnahmen gemacht wurden. Laut Kotschnew könnten sie auf der Inselgruppe Nowaja Semlja entstanden sein, wo Forscher zuletzt Eisbären, die in bewohnte Gebiete vorgedrungen waren, betäubt hatten. Auch wurde seitens russischer Medien die Vermutung laut, dass der „Spray-Angriff“ auf den Eisbären aus Wut einiger Einwohner der Gegend geschehen sein könnte, weil die Tiere zu nahe an die Dörfer herankamen.

Auf der Inselgruppe war bereits Anfang des Jahres der Notstand ausgerufen worden, weil sich rund 50 Eisbären über Wochen hinweg in der Nähe der besiedelten Gebiete aufgehalten hatten. In der Folge wurden die Tiere vertrieben, doch bereits im Sommer kamen sie den Menschen erneut gefährlich nahe.

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Christine Steinmetz
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