Österreichs Schulsystem ist nicht mehr zeitgemäß, findet die Bevölkerung. 74 Prozent halten unser Bildungssystem für „eher“ oder „sehr schlecht“ an gesellschaftliche, technologische und wirtschaftliche Entwicklungen angepasst. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) verteidigt indessen seine Reformpläne.
Die Kritik am österreichischen Bildungssystem kommt nicht nur aus der Politik – sie kommt vor allem aus der Bevölkerung selbst, wie eine IFDD-Umfrage mit 2600 Beteiligten zeigt. Eine deutliche Mehrheit (74 Prozent) der Befragten sieht unser Schulsystem kritisch, nur 21 Prozent halten es für „gut“ oder „sehr gut angepasst“ an die aktuellen Herausforderungen.
„Unser Bildungssystem ist angesichts der digitalen und technologischen Umbrüche ein bildungspolitisches Trümmerfeld“, attestiert auch Meinungsforscher Christoph Haselmayer: „Der Lateinunterricht sollte neuen Zukunftsfächern weichen.“ Das findet auch knapp mehr als die Hälfte der Österreicher: 54 Prozent sprechen sich für eine Reduktion aus, 30 Prozent wollen den Umfang zumindest beibehalten.
„Die Gesellschaft hat sich verändert, das Bildungssystem aber nicht. Unter Kreisky wurde in den 70er-Jahren Altgriechisch als Pflichtfach abgeschafft, heute stehen wir wieder vor so einer Zäsur“, verteidigt Bildungsminister Christoph Wiederkehr in der Nationalratssitzung, in der über die Bildungsreformen debattiert wurde, seine Vorstöße.

„Nicht nur Veränderung, sondern Verbesserung“
Für die FPÖ sind die Reformen „eine einzige pinke PR-Show“, die Grünen orten „viele Schlagzeilen, wenig Substanz“. Rückendeckung gab es zumindest von den Koalitionspartnern SPÖ und ÖVP. Heinrich Himmer (SPÖ) betonte die Wichtigkeit von Chancengleichheit: „Kostenfreiheit ist ein zentraler Begriff für uns. Wenn Chancengerechtigkeit ermöglicht wird, dann ist es eine gute Reform.“ Die ÖVP stellte sich einmal mehr schützend vor die Gymnasien, die sie als bedroht ansieht. „Das Gymnasium ist beliebt. Und hat Zukunft, gehört also weder geschwächt noch abgeschafft!“, so Nico Marchetti (ÖVP). Die unterschiedlichen Schultypen seien eine Stärke unseres Schulsystems: „Nicht nur Veränderung, sondern Verbesserung“, wolle man laut Marchetti erreichen.
Einig war man sich jedenfalls, dass fehlende Deutschkenntnisse zu den größten Problemen im Schulalltag zählen: „Solange Kinder in der Schule sitzen, die kein Deutsch können, braucht man nicht Lehrpläne reformieren“, meinte etwa der FPÖ-Abgeordnete Hermann Brückl. Auch Wiederkehr und Marchetti thematisierten die Probleme rund um Sprachbarrieren in der Schule.
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