08.10.2019 16:05 |

Faszination Wüste

Mehr Sandkörnchen als Sterne im Universum

Lebensfeindlich, aber von der Natur oder vom Menschen schon vor Jahrtausenden teilweise zurückerobert. Ein atemberaubender Bildband zeigt nun, wie Wasser und Pflanzen endlos kargen Landschaften trotzen. Mehr als 70 Trilliarden Sandkörner fügen sich allein in der Sahara zum großen Ganzen, der Wüste Nordafrikas, zusammen. Das sind - wie uns auch der „Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry erahnen lässt - mehr mikrokosmische Teilchen, als im gesamten Universum Sterne funkeln.

Von dort oben - aus 600 Kilometer Höhe - haben Satelliten der neuesten Generation jetzt gestochen scharfe Bilder zur Erde geschickt. „Den legendären Fennek, den Wüstenfuchs also, können wir auf unseren Fotos nicht erkennen, wohl aber Spuren jahrtausendealter Besiedelung und historische Stätten“, schildern Gerald Mansberger und Markus Eisl in ihrem faszinierenden, 256 Seiten starken, neuen Bildband!

Dieser erlaubt Einblicke in bisher Verborgenes wie etwa in die Dascht-E-Kavir-Wüste südöstlich der iranischen Hauptstadt Teheran. Dort fiel zum letzten Mal vor 3000 (!) Jahren Monsunregen. Stürme schliffen die Sedimente ab und verwandelten den ehemaligen See in ein geradezu magisches Auge.

Mensch verursacht der Natur Wunden
Doch die Aufnahmen enthüllen auch von Menschen verursachte Wunden der Natur. Besonders dramatisch sind diese in der Salar de Uyuni in Bolivien, wo die Schattenseiten der Elektromobilität ersichtlich werden. Denn der mit 10.500 Quadratkilometern größte Salzsee der Welt wird zum Abbau von Lithium für die angeblich so umweltfreundlichen E-Fahrzeuge ausgebeutet. Zurück bleibt eine schmutzig-braune Mondlandschaft gigantischen Ausmaßes. Im typischen Rot der italienischen Autoikone wiederum leuchtet die „Ferrari World“ bei Abu Dhabi ins All.

Auf den Satellitenfotos tauchen aber auch kleinere Zivilisationsinseln im endlosen Sandmeer auf. In vielen dieser Oasen wehren sich die Bewohner verzweifelt gegen die von Stürmen befeuerten Wanderdünen, die vieles wieder verschlingen, was dereinst der Wüste abgerungen wurde.Ein Lebensraum der Extreme mit Temperaturen oft von weit über 50 Grad Celsius

Luxus in den Sand gesetzt
Etwa 330 Meter vor der Ostküste des Emirats Katar liegt eine einzigartige, 400 Hektar große künstliche aufgeschüttete Insel. Auf vier Quadratkilometer Wüstensand und Stein stehen 8000 (!) Villen, Reihenhäuser und Appartements mit Meerblick, drei Luxushotels, Schulen, Kindergärten und Moscheen. Auf der „Perle“ leben mehr als 30.000 Menschen.

Grünes Band im Wüstental
Nur ein dünner Streifen mitFeldern entlang des Quebrada Camina istso weit begrünt, dass hier überhaupt Menschen siedelnkönnen. Die meiste Zeit behält die Wüste die Oberhand, der Fluss trocknet regelmäßig völlig aus. Wegen der reichen Salpeter-Vorkommen brach in diesem tiefen Wüstental der Atacama-Wüste zwischen Peru und Chile anno 1883 sogar ein Krieg aus.

Kreisrunde Felder um Oasenstadt
Wie mit einem Riesenzirkel gezogen, reihen sich rund um dieOasenstadt Ha‘il in Saudi-Arabien grüne Kreiseaneinander. Doch einige Flächen haben bereits wieder die Farbe der Wüste angenommen. Denn der Grundwasserspiegel ist so weit gesunken, dass das kostbare Nass knapp wird. Die Produktion von Weizen für Viehfutter wurde eingestellt.

Millionen Datteln dank Grundwasser
Als fast 100 Kilometer langes Schachbrett zieht sich die Oase Liwa unweit der Grenze zu Saudi-Arabien am Nordrand der Rub al-Khali hin. Dass es hier 50 Dörfer gibt, liegt am leicht erreichbaren und reichen Grundwasserschatz. Dieser ermöglicht den Anbau von Millionen Datteln. Traditionell arbeiteten viele Männer der Oase im Sommer als Perlentaucher am Persischen Golf.

Der Bildband „Wüsten - Lebensraum der Extreme“ (Verlag eoVision) von Markus Eisl und Gerald Mansberger rückt mit den Wüsten die lebensfeindlichsten und zugleich mythisch besetzten Landschaften unseres Planeten in den Mittelpunkt und zeigt auf großformatigen Doppelseiten ausdrucksstarke Aufnahmen, die von Satelliten der neuesten Generation aus rund 600 Kilometern Höhe gemacht wurden.

Mark Perry, Kronen Zeitung/krone.at

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