Krimi in Oberstdorf

Österreichs Adler verpassen WM-Gold um 9,6 Punkte

Ski Nordisch
25.01.2026 18:12
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Die ÖSV-Skispringer haben den ersten Skiflug-WM-Teamtitel seit 2012 erneut verpasst und wie vor zwei Jahren am Kulm Silber geholt. Stephan Embacher, Stefan Kraft, Manuel Fettner und Jan Hörl mussten sich am Sonntag in Oberstdorf um 9,6 Punkten Japan beugen.

Bronze ging 85,9 Zähler zurück an Norwegen. Titelverteidiger Slowenien fiel nach einem kuriosen Zwischenfall um den überlegenen Einzelweltmeister Domen Prevc im ersten Durchgang chancenlos zurück und wurde Sechster.

(Bild: Krone KREATIV/Screenshot ORF)

Beide Ski von Prevc rutschten während der vierten Startgruppe am abfahrbereiten Norweger Marius Lindvik vorbei vom Absprungturm über die Anlaufspur talwärts. Eines der Sprunggeräte gelangte mit hoher Geschwindigkeit bis in den Schanzenauslauf. Weil die Ski nach dem Zwischenfall nicht rechtzeitig zu Prevc zurück an den Start gebracht wurden, durfte der Seriensieger nicht antreten.

„Schock“, aber keine Disqualifikation nach Fauxpas
Laut den FIS-Verantwortlichen machten sich die von Prevc bei der Vorstartmaterialkontrolle an einem nicht dafür vorgesehenen Platz abgestellten Ski plötzlich selbstständig. „Das war ein großer Schock. So etwas haben wir seit Jahrzehnten nicht erlebt, dass so etwas passiert. Es war Eigenverschulden, aber das wünscht man natürlich auch dem Athleten nicht“, sagte FIS-Materialchef Andreas Bauer. Er betonte, dass Prevc keinen Regelverstoß begangen hätte und deshalb im zweiten Durchgang starten dürfe.

(Bild: GEPA)

Die vor dem Fauxpas deutlich hinter Österreich und Japan drittplatzierten Slowenen schieden durch den Prevc-Nuller aus dem Medaillenkampf aus. Das ÖSV-Quartett hingegen lag auch schon nach dem ersten Durchgang 3,9 Punkte hinter Japan auf Rang zwei. Im Finale drehten die Österreicher den Spieß zwischenzeitlich um. Das Duell um Gold gipfelte letztlich bei 0,4 Punkten Vorsprung für Österreich in einen Zweikampf von Hörl mit Ren Nikaido, in dem der Einzelvierte aus Salzburg (216 m) gegen den Bronzenen vom Samstag (229) deutlich den Kürzeren zog.

Hörl nach verlorenem Duell um Gold geknickt
„Es war sehr eng, für das war ich heute einfach das Eitzerl zu unlocker. Ich wollte zeigen, dass ich schon sehr gut fliege, aber es hat nicht ganz so geklappt. Es war sehr spannend, mir ist ein bisserl das Herz in den Arsch gerutscht“, sagte Hörl zum ORF und lobte die erstmals in der WM-Historie auf dem Podest gelandeten Japaner. „Sie haben echt einen richtig guten Job gemacht, deswegen sind die verdient Weltmeister.“ Trotz der verpassten Goldmedaille sei die WM für ihn gelungen, betonte er.

Jan Hörl
Jan Hörl(Bild: GEPA)

Auch seine Teamkollegen konnten mit Silber gut leben. „Voll cool, eine Medaille bei meiner ersten WM ist etwas ganz Besonderes“, sagte Embacher. Japan sei jedenfalls ein würdiger Sieger. „Sie haben einen brutal guten Job gemacht und verdient gewonnen.“ Routinier Fettner war ebenfalls nicht besonders enttäuscht. „Es ist sicher eine gewonnene Silberne, keine verlorene Goldene, da war heute definitiv nichts zum Abholen“, sagte der Tiroler. Vor den Japanern könne man nur den Hut ziehen, ergänzte Fettner.

Kraft auch mit Silber zufrieden
Der von Prevc am Vortag entthronte Weltmeister Kraft konnte die „Niederlage“ ebenfalls verschmerzen. „Es ist natürlich schade, aber Silber ist auch sehr schön. Wenn es blöd ausgeht, kann man auch Vierter werden. Es ist ein Zweier-Fight geworden, der sehr, sehr spannend war, wo die Japaner einfach brutal einen nach dem anderen rausgelassen haben“, sagte Kraft und bekräftigte: „Mit einer Medaille wegfahren, ist immer schön.“ Seit dem WM-Titel 2012 war Österreich in Teambewerben dreimal leer ausgegangen, 2016 am Kulm gab es Bronze, zuletzt 2024 neuerlich in Bad Mitterndorf hinter Slowenien Silber.

Stefan Kraft
Stefan Kraft(Bild: GEPA)

Vor den Olympischen Spielen, für die am Montag mit großer Wahrscheinlichkeit Hörl, Kraft, Embacher und Daniel Tschofenig nominiert werden, steht kommendes Wochenende noch ein Weltcup von der Großschanze auf dem Programm. Tschofenig war nach Einzel-Rang 27. nicht für das Skiflug-Team aufgeboten worden.

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