Endlich darf er das Objekt seiner größten Begierde in Händen halten. Von den Emotionen übermannt, streckte Manuel Feller die Goldene Gams für den Gewinn des Kitzbühel-Slaloms in den Himmel. „Jetzt könnte ich es lassen“, schmunzelte der Tiroler.
„Das ist der größte Moment meiner Karriere“, jubelte Feller über den im Vorfeld kaum für möglich gehaltenen Coup. „Kämpfen, immer weiterkämpfen“, gab er den Skifans am Hahnenkamm mit auf den Weg. Für ihn stand fest: „Das war es alles wert.“
Seit 2013 hatte er fast schon verzweifelt versucht, in seinem Heimrennen das Podest zu erklimmen, gleich mehrmals war er als Topfavorit an diesem Ziel gescheitert. „Es werden immer weniger Chancen, die ich kriege“, bekundete er im Vorjahr nach dem zehnten gescheiterten Versuch.
Nun griff der 33-jährige Fieberbrunner zu – ausgerechnet, als die erträumte Gams weit weg schien. „Es ist die schwierigste Saison für mich, allgemein ein sehr schwieriger Abschnitt von meinem Leben. Ich möchte nicht wirklich darüber reden, aber es waren keine einfachen Zeiten“, sagte Feller. „Ein großes Dankeschön an meine Frau, sie hat mir sehr geholfen.“
Rücktrittsgedanken
Sportlich war dem Slalom-Ass im laufenden Olympia-Winter lediglich ein fünfter Platz gelungen. „Ich war heuer ein paar Mal kurz davor, dass ich sage, es geht nicht mehr. Aber Aufgeben war in meiner ganzen Karriere noch nie Devise. Jetzt könnte ich es lassen“, sagte Feller halb im Scherz und lachte. „Aber es steht ja noch was an. Ein bisschen was habe ich noch am Plan und solange der Körper mitspielt, werde ich weiter mein Bestes geben.“
Die Kinder wurden schon langsam ungeduldig. „Ich habe fast jeden Preis, den man als Slalomfahrer haben will, daheim. Nicht immer aus Gold, aber ein Podium. Die Kinder haben schon gefragt, was es noch gibt.“ Sein Sohn Lio habe sozusagen die Devise vorgegeben. „Er hat gesagt, dann holen wir uns nächste Woche halt die Gams.“ Fellers Antwort: „So leicht ist es nicht, aber ich werde es probieren.“
„Die größte Genugtuung“
Zum Abschluss der 86. Ausgabe der Hahnenkammrennen preschte er als Halbzeit-Vierter ganz nach vor. Die letzten Sekunden, bevor sein Sieg feststand, wähnte sich Feller wie in einer „Bubble, alles andere ist Nebengeräusch. Ich werde ein paar Tage brauchen, bis ich das realisiert habe“. Vor drei Jahren lag er zur Halbzeit vorne, ehe ihm die Nerven einen Streich spielten. Auch dieses Mal habe er „fast ein bisschen die Schweinelähmung“ gefühlt. „Aber ich habe meinen Plan gehabt und es versucht, simpel zu halten. Auf diesem Hang ist präzises Skifahren einfach Gold wert.“
In der Stunde des Erfolges stufte Feller den Kitz-Sieg auch höher ein als den Gewinn der Slalom-Kugel in der Saison 2023/24. „Vom Moment, den Emotionen und vom Druck her, die größte Genugtuung.“ Der Sieg vor heimischer Kulisse, auf dem 15 Minuten von Zuhause entfernten Berg, bedeute ihm einfach alles. An diesem Tag passte endlich alles zusammen – auch das Material.
Suche nach der Feile
Man habe auf alte Ski zurückgegriffen, schilderte Fellers Servicemann Richard „Richie“ Weißenbacher. „Vier Paar, mehr gibt‘s von denen nicht mehr. Ganz dünne Kanten und brutal schwer herzurichten.“ Er habe am Vortag acht Stunden vergeblich die richtige Feile dafür gesucht.
„Ich war schon kurz vorm Aufgeben, als ich in meine Kiste reinschaue und ein Packerl sehe mit der Aufschrift: ‘Kitzbühel brutal‘. Nach acht Stunden habe ich die Feile gehabt“, sagte Weißenbacher, dem die Rührung ebenfalls ins Gesicht geschrieben stand. „Kitzbühel zu gewinnen, eine goldene Gams, das war sein Traum.“ Nachsatz: „Schladming fehlt uns noch.“
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