Große Verunsicherung herrscht in der Bevölkerung, nachdem bei Proben in drei burgenländischen Gemeinden ein hoher Anteil an Asbest nachgewiesen wurde. Gleichzeitig warnen Experten vor der Gefährlichkeit der hochgiftigen Faser.
„Mir ist nicht gut bei der Sache“, sagt Georg Rosner, Bürgermeister von Oberwart. Seine Stadtgemeinde ist eine von drei Orten, an denen – wie berichtet – Greenpeace Proben genommen hat, um sie auf den krebserregenden Asbest zu überprüfen. Sämtliche Proben wiesen deutliche Belastungen auf. Er sei kurz vor der Veröffentlichung der Ergebnisse davon informiert worden, meint Rosner. Man nehme die Sache sehr ernst, könne aber derzeit nicht viel unternehmen.
Warten auf Fachleute
„Ich bin kein Mediziner. Wir sind auf die Expertise der Fachleute angewiesen“, verweist der Stadtchef auf die vom Land einberufene Taskforce, welche sich näher mit dem Thema befassen soll. Das Wichtigste sei, dass die Bevölkerung nicht zu Schaden komme.
Rosner schätzt, dass das gesamte Südburgenland von der Sache betroffen ist. Es gebe wahrscheinlich keine Gemeinde, wo kein asbestbelastetes Material hingelangt sei – in Form von Schotter oder Streusplitt. „Als Auftraggeber dürfen wir davon ausgehen, dass Baufirmen ausschließlich geprüftes, reines Material verwenden, das allen vorgeschriebenen Normen entspricht“, meint er weiter. Wenn man alle kontaminierten Flächen sanieren müsste, wäre dies ein „Wahnsinn“, so Rosner.
Folgen erst in Jahrzehnten
Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei Global2000, warnt unterdessen vor der Gefährlichkeit der krebserregenden Substanz: „Asbest ist kein Gift, das man riecht oder schmeckt – gefährlich wird er, wenn winzige Fasern eingeatmet werden. Diese können sich in der Lunge festsetzen und oft erst 20 bis 40 Jahre später schwere Krankheiten wie Lungenkrebs oder das sogenannte Mesotheliom auslösen.“ Gerade beim Bohren, Schneiden oder Abreißen könnten große Mengen freigesetzt werden.
Nach wie vor viele Todesfälle
Nach Einschätzung der Europäischen Umweltagentur sei deshalb auch langfristig noch mit Hunderttausenden asbestbedingten Krebstodesfällen in Europa zu rechnen. Bei Asbest gebe es auch keinen sicheren Grenzwert. „Jede Faser kann relevant sein“, so Burtscher-Schaden.
Auch Salzburg und Ungarn betroffen
Laut Greenpeace wurde das Material aus den vier geschlossenen Steinbrüchen sogar bis Salzburg und Ungarn transportiert. Pro Jahr seien rund 700.000 Tonnen wahrscheinlich asbestbelasteter Serpentinit abgebaut worden, dabei sei die Asbestbelastung des Gesteins seit rund 100 Jahren bekannt. Die Umweltschutzorganisation ortet daher ein Behördenversagen.
Luftqualität unter der Lupe
Das Land geht aktuell von keiner Gesundheitsgefährdung aus, da der beprobte Asbest gebunden war. Mehr Klarheit sollen Untersuchungen der Luftqualität bringen. Am Montag wird zudem die Taskforce vorgestellt.
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