04.07.2019 09:16 |

Schönbrunn-Highlight

Best Of Austria: Großer Aufmarsch der Pop-Elite

Rund 7.500 Fans versammelten sich Mittwochabend im Ehrenhof des ehrwürdigen Schloss Schönbrunn, um bei „Best Of Austria Meets Classic“ den größten Austropop-Stars aus mehreren Generationen beizuwohnen. Ein exklusives Konzept, das kaum Wünsche offenließ.

Was als einmalige Sache zum 60. Geburtstag der Wiener Stadthalle geplant war, nahm ungeahnten Fahrtwind auf. Die Grundidee von „Best Of Austria Meets Classic“ ist so simpel wie erfolgsversprechend: Man nehme die bekanntesten Gesichter aus mittlerweile rund vier Generationen Austropop, lasse sie ihre größten Hits spielen und veredle diese mit einem 70-köpfigen Orchester unter der Leitung des renommierten Christian Kolonovits. Nach dem überbordenden Erfolg des Vorjahres war schnell klar, dass es ein da capo geben müsse. Dieses Mal aber Open-Air und dann auch noch Wiens mit Abstand schönster Szenerie - dem Ehrenhof vor dem Schloss Schönbrunn. Wäre die Bürokratie in Österreichs Bundeshauptstadt nicht dermaßen unerbittlich (um 23 Uhr wird der Strom abgedreht), hätte man in einer sommerlichen, aber gottlob nicht tropisch heißen Nacht auch noch freudvoll weiterfeiern können, doch 29 Songs von insgesamt 14 Interpreten ergeben auch keine schlechte Bilanz.

Totenhuldigung
Die gänzlich bestuhlte Szenerie begrüßt rund 7.500 Fans und aufgrund der zeitlichen Begrenzung ist Pünktlichkeit das wichtigste Gut. Wie sehr auch den Toten gedacht wird, zeigt sich schon zum Einstieg. Noch bevor der erste Künstler die Bühne betritt wird dem Allergrößten der vielen Größen mit einem Medley gehuldigt - Falco sollte im Laufe des Abends aber noch bei einem weiteren Medley und im Posthum-Duett „Flying High“ mit seinen alten Freunden Opus auftreten. In deren steirischer Heimat Judendorf-Straßengel ließ er sich einst gar zu Proben nieder, wie die Legende heute erzählt. Ebenfalls nicht fehlen durfte Ludwig Hirsch, dessen legendäres „Komm großer schwarzer Vogel“ auf der Bühne von Johnny Bertl an der Gitarre begleitet wird, während sich die Austropop-Erfinderin Marianne Mendt („Wia a Glock’n“) beim Duett „Bleib da“ mit dem unvergessenen Georg Danzer sogar genau zurückerinnert. „Ich bin vor zwölf Jahren hier als Fan beim Konzert von Barbra Streisand gesessen - wenige Stunden zuvor hab ich von Georgs Tod erfahren. Die Streisand spielte zwei Stunden Balladen unter einem finsteren Himmel und ich habe zwei Stunden geweint.“

Doch für große Trauer bleibt am restlichen Abend wenig Platz, schon eher für gehobene Nostalgie. Die erste Konzerthälfte fällt im Endresümee etwas schwächer aus als die zweite. Bei den „Älteren“ überzeugt vor allem das erste „S“ der steirischen Kultband STS, Gert Steinbäcker. Einem melancholischen „Mach die Augen zua“ folgt die Jahrhundertballade „Großvater“, die so manchem auf die Tränendrüse drückt. Powerfrau Stefanie Werger zeigt sich ob der Megakulisse geradezu euphorisch, versingt sich bei „Ich zeig dir meinen Himmel“ aber deutlich. Dennoch reißt es das Publikum beim Hit „Stoak wia Felsen“ das erste Mal von den Sitzen. Jungstar Lemo teilt beim politischsten Lied des Abends, „Gegen den Wind“, entgegen aller Ankündigungen nicht die Bühne mit der EAV, sondern nur mit deren Mitglied Thomas Spitzer. Klaus Eberhartinger führt lieber launig und mit manch seichtem Witz moderierend durch den Abend, warum er am geplanten Gemeinschaftssong nicht teilnahm, bleibt offen. Das Nachwuchsduo Edmund zeigt sich souverän, aber nervös und bei Pizzera und Jaus überzeugt vor allem Otto Jaus mit eindringlicher Stimme zu „Jedermann“. Paul Pizzeras Dankesrede hingegen kommt hastig und emotionslos rüber.

Nationalheiligtum
Der kurzen Umbaupause folgt ein ganzes Stakkato an großen Highlights. Nach dem bereits erwähnten Hirsch/Bertl-Duo geht Conchita für ihren Superhit „Rise Like A Phoenix“ ein zweites Mal auf die Bühne und verzaubert mit elegantem Kurzhaarschnitt, frivolem Kleid und einer unheimlichen stimmlichen Brillanz die Massen. Dass an diesem Abend die Steirer das Heft in der Hand haben, beweisen nach Steinbäcker zuerst Opus und danach vor allem das zweite STS-„S“ Schiffkowitz. Opus haben mit „Life Is Life“ natürlich den schwungvollsten Austropop-Hit der gesamten Historie im Köcher, Schiffkowitz hingegen räumt mit seinen zwei Songs den Tagessieg ein. Für die beiden Stücke bleiben seine alten Freunde von Opus gleich als Instrumentalbegleitung auf der Bühne. Dass er als einziger ohne Orchester-Unterstützung spielt, kommentiert er launig mit „der Christian war mir schlichtweg zu teuer“. Mit den langen Haaren und dem weißen Stirnband ist der 72-jährige Grazer ungebrochen juvenil, seine Version von „Fürstenfeld“ ist mit seiner herzerfrischenden Leichtigkeit der Höhepunkt des qualitätsvollen Abends. „Wien hot mi gor net verdient“, tönt es aus den Kehlen Tausender… Wiener! Dieses Lied ist eben grenzübergreifendes Nationalheiligtum.

Chartstürmerin Ina Regen hat es nach dem flotten Feuerwerk natürlich schwer mit ihren sanften Balladen „Wie a Kind“ und „Paris“ zu reüssieren, das erst 20-jährige Küken Mathea atmet vor dem größten Auftritt seiner noch kurzen Karriere ordentlich durch und gibt mit dem Ö3-Hit „2x“ eine mehr als gelungene Talentprobe ab. Problem - ihr fehlt es als einziger Künstlerin des Abends am Dialekt, wodurch sie deutlich aus dem Rahmen fällt. Fast handzahm geben sich die derzeit erfolgreichsten „Jung-Austro-Popper“ Seiler und Speer, denen als einzige Künstler sogar drei Songs eingeräumt werden. Mit „I kenn di von wo“, „Alla bin“ und „Soits lebn“ setzt man bewusst auf die ruhige Note und agiert zuweilen etwas hüftsteif. Der Mann, der Austropop erst überhaupt als solchen definiert hat, kommt ganz zum Schluss. Wolfgang Ambros muss sich beim Gang auf die Bühne am Stock stützen und verplappert sich bei der Dankesrede, bevor er dann auch noch Textzeilen zu „Langsam wochs ma zam“ vergisst. Spätestens beim kultigen „Zentralfriedhof“ öffnet er aber die Herzen aller Anwesenden, bevor die gesamte Schar sich zum Beatles-Klassiker „All You Need Is Love“ noch einmal auf der Bühne versammelt. Wie sehr die Zeiten vergangen sind, merkt man nicht zuletzt daran, dass Schiffkowitz gerne „aufs Rennbahn-Express-Titelblatt“ möchte, während Mathea ihre „Tinder-Matches“ checkt. Doch die Conclusio des Abends ist sowieso eine andere: Der Austropop ist so fit und vital wie schon lange nicht mehr - und hat den Übergang von alt auf jung mit einer ungemeinen Souveränität geschafft.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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