Mit „Körper“ in Wien

Romano: „Man muss selbst die Wunderkerze sein“

Musik
18.02.2026 06:00

Romano, der beliebte „Hauptmann von Köpenick“, meldet sich am Freitag mit seinem Konzeptalbum „Körper“ tatkräftig zurück. In zwölf Songs verknüpft er Science-Fiction, Poesie und Autobiografisches mit verschiedenen Körperteilen – humorig und doppeldeutig. Bevor er damit ins Wiener Flucc kommt, erzählt er der „Krone“, wie es dazu kam, welches Lied besonders herausfordernd war und warum er Tabuthemen aufbrechen möchte.

kmm

Mit Liedern wie der „Metalkutte“ oder „Klaps auf den Po“ hat sich der Berliner Roman Geike aka Romano vor gut zehn Jahren ins Rampenlicht katapultiert. Seine Musik vermischt gerne Rap, Metal und Schlager, optisch brilliert er mit frecher Schnauze und den markanten blonden Zöpfchen und textlich kann man den 48-jährigen Köpenicker durchaus als brillanten Wortpoeten beschreiben. Der etwas andere Musiker hatte mit Drum&Bass schon in den 90ern eine erste Karriere, arbeitete dann jahrelang in einem Copyshop und kann sich mittlerweile voll auf die Musik konzentrieren. Dabei ist die Gegenwart mehr als stressig für den sympathischen und redseligen Menschenfreund. Ein Wasserschaden in seinem Keller hielt ihn in den letzten Wochen ebenso auf Trab, wie das Bestellen des Tourbusses und ausreichend Merchandise-Artikel. Romano geht – inklusive Wien-Konzert – mit seinem neuen Album „Körper“ auf Tour. Ein Konzeptalbum, das in elf Liedern verschiedene Körperteile behandelt und im zwölften den „Geist“. Eine Idee, auf die eigentlich nur er kommen kann.

Fiktion statt Biologie
„Mein Produzent und ich haben uns bei der Geburtstagsfeier von Jakob Grunert getroffen, der auch die ersten Romano-Videos gedreht hat“, erinnert sich der Künstler im Gespräch mit der „Krone“, „wir haben was gezwitschert und mir fiel mein bereits geschriebener Song ,Zunge‘ ein. Ich finde das Wort Zunge im ausgesprochenen Zustand geil, außerdem ist sie so schlangenartig und ein recht verrücktes Körperteil. Die Idee fanden alle cool, also meinten sie, ich soll in die Richtung weiterschreiben. Eineinhalb Jahre später sind es zwölf Songs, die auf einem Album gelandet sind. Ich wollte sogar noch weitermachen mit Organen, das wäre ein Doppelalbum geworden, aber das wäre jetzt vielleicht zu viel des Guten.“ Schlussendlich hat er für die Erzählungen der Körperteile aber keinen biologischen, sondern lieber einen fantastischen Ansatz genommen. Zwei Lieder sind vorgetragene Sprechgedichte und die Inhalte pendeln zwischen Science-Fiction, Horror, Militärgeschichten und autobiografischen Bezügen. „Würde ich den Leuten wie ein Biologielehrer erklären, wie viele Nervenenden jeder Finger hat, wären sie wohl auch schnell gelangweilt gewesen.“

Doch keine Angst, wo Romano ist, dort befindet sich auch immer ein ausgiebiges Maß an positivem Wahnsinn – und dem lässt er auf „Körper“ freien Lauf. „Ich fand etwa das Thema ,Ohren‘ ganz interessant. Die können einem leidtun. Sie hängen passiv dran, können sich nicht äußern und müssen alles hören. Ich habe dann die introspektive Sicht dazu gewählt, wie man für Dinge verantwortlich ist und nicht nur alles nach außen schieben kann. Das wird hier aufs Korn genommen. Oder das Lied ,Augen‘. Ich habe mich viel mit Gangsta-Rap beschäftigt und gelernt, dass es in Los Angeles den Begriff ,Mad-Dogging‘ gibt. Da schaut man jemanden so böse an, wie man nur kann, damit man der Stärkste, Krasseste und Wildeste ist. Vielleicht gab es das so ähnlich früher auch in Wiener Jugendgangs. Die Augen sagen einem schon vor einem Kampf, dass man sich nicht mit einem anlegen soll. Augen können dich ausziehen, kontrollieren, überwachen, degradieren und bewerten. Ich habe versucht, all diese Punkte humorvoll in die Texte einfließen zu lassen.“

Der Schwund der Menschlichkeit
Etwas aus dem Rahmen schlägt - musikalisch wie thematisch – das „Polyesterherz“. „Ich habe darin ein bisschen die Rolle des kalten Herzens des deutschen Schriftstellers Wilhelm Hauff interpretiert und dann weiter an die schnelllebige Gesellschaft der Moderne gedacht. Wo man, wie in Dating-Apps, nur mehr links und rechts wischt und rein nach dem Äußerlichen geht. An jeder Ecke könnte jemand Besseres warten. Menschen werden zunehmend wie austauschbare Teile wahrgenommen. Aber wir sind auch überfordert. Durch das Internet wissen wir in Sekunden, was gerade in Costa Rica oder El Salvador ist, aber kein Mensch hat je gelernt, wie er wirklich damit umgehen soll. Wir technisieren die Gesellschaft immer mehr, aber es mangelt zunehmend am gegenseitigen Austausch. Wir verlernen ihn. Ich finde es wichtig, in diesen Zeiten immer wieder die Frage aufzuwerfen, wo das menschliche Miteinander bleibt. Wo sich verschiedene Bevölkerungsschichten wieder treffen können. Ein Mann im Maybach muss genauso weinen wie ein Obdachloser. Wir glauben immer, wir wären so verschieden, aber eigentlich sind wir das gar nicht.“

Romano liebt die Menschen und ist überzeugter Pazifist. Für ihn fangt Veränderung bei sich selbst an. „Man muss selbst die Wunderkerze sein, die eine Form von Liebe in das Leben anderer bringt. Ich glaube sehr an die Form der Gemeinschaft und der Liebe im Kleinen, in der direkten Umgebung.“ Militärisch wird es bei „Beine“, einem Lied, das direkt von seinem verstorbenen Vater inspiriert ist. „Er war Sprengmeister, Pyrotechniker und Leiter der Waffenkammer im damaligen Fernsehfunk der DDR, im Adlershof. Als Kind bin ich da oft mit ihm mit und habe mir eine viel zu große Husarenjacke angezogen, einen Topfhelm aufgesetzt oder bin mit einem Säbel durch die Gänge gelaufen. Ich hatte eine spannende Kindheit, mich dann aber im jungen Erwachsenenalter für den Zivildienst entschieden und nicht für die Bundeswehr. Ich wollte mir nichts sagen lassen von einem, der ähnlich alt ist, aber einen Stern oder Streifen mehr auf seiner Uniform hat. So landete ich bei der Charité, der Universitätsmedizin Berlin, auf der Krebsstation. Einmal kam ich nach Hause und mein Vater sagte mir: ,Lieber Menschen helfen, als Panzer putzen‘. Krieg ist furchtbar, das wusste auch mein Vater. Und er hörte oft so Schlager-Militärmärsche, die ich jetzt hier bei ,Beine‘ rhythmisch eingeflochten habe.“

Tabuthema Erschlaffung
In „Arsch“ lässt es sich Romano nicht nehmen, sich mit „Klaps auf den Po“ selbst zu zitieren, richtig freispielen konnte er sich beim Lied „Penis“, wo der Berliner einen Bogen von Dick-Pics über Erektionsprobleme bis hin zu Goethes „Faust“ zieht. „Ich bin großer Fan von H.P. Lovecraft und Edgar Allan Poe, was man hier sehr gut heraushört. Da geht es oft um das Überirdische, Große, Intergalaktische. Dann komme ich aus dem Hip-Hop, wo es meist auch darum geht, wer den Längsten, Dicksten und Besten hat. Man muss aber auch den Mut haben zu sagen, dass es gerade mal nicht geht. Das kennt, glaube ich, jeder Mann und es ist kein Grund, sich zu schämen. Unfassbar, dass das noch immer so ein Tabuthema ist. Auch in meinem Freundeskreis unterhalten wir uns aber eher über Musik oder Oldtimer, als darüber, dass er wieder mal schlaff war. Ich überlegte mir anfangs, wie ich das Thema Penis beschreiben soll und dann kam mir dieser Ansatz. Das hat unheimlich Spaß gemacht.“

Romano ist mit seinen Körperteilen sehr zufrieden, dass die – auch besungenen – Zöpfe an vorderster Stelle stehen, ist relativ klar. „Ich bin dankbar dafür, was mir die Natur gegeben hat und das alles soweit vorhanden ist, was ein männlicher Mensch haben sollte. Bei mir hat sich über die Jahre auch der Zugang zum Körper verändert – ich sehe ihn heute viel spiritueller und philosophischer. Wie viel Körper bin ich? Bin ich überhaupt der Körper? Oder ist er nur eine Jacke, den man bei der Geburt anzieht und nach dem Tod wieder auszieht?“ Auf dem Album hat sich Romano auch wieder die Liebe zum Kindlichsein bewahrt. „Da ist auch ganz viel Pipi-Kacka. Es geht um eine riesige Scheißrakete, die vom Erdmagneten angezogen wird. Abseits all der moralischen Vorstellungen in der Welt ist es sehr befreiend, dass man in der Kunst auch mal wieder wie ein Acht- oder Neunjähriger quatschen kann. Ich war Kind zur Zeit des Mauerfalls, dort war viel Chaos und Anarchie und das habe ich mir bis heute bewahrt.“ 

Live in Wien
Wer sich von den Live-Qualitäten Romanos und seinem kongenialen neuen Album „Körper“ selbst überzeugen will, hat am 18. März im Wiener Flucc die Gelegenheit dazu. Unter www.oeticket.com gibt es noch Karten und alle weiteren Informationen zur Show.

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