27.06.2019 11:27

Legenden in Wien

Als Nurmi auf der Hohen Warte im Dunkeln lief

Es ist wahrhaft einmalig, dass Marathon-Olympiasieger Eliud Kipchoge im Oktober in Wien läuft! Der Superstar ist jedoch nicht der erste Wunderläufer, der bei uns startet. Aber wenig bekannt ist, dass viele Große des Laufsports in der österreichischen Hauptstadt zu Gast waren. Die Tradition reicht zurück bis Paavo Nurmi, ihm folgten später Henry Rono mit einem Jahrhundert-Weltrekord, Emil Zatopek (mehrmals zu Besuch), Haile Gebrselassie, Paula Radcliffe und Dennis Kimetto beim Vienna City Marathon. Jetzt also sogar Eliud Kipchoge in Wien. Sagenhaft.

Ein Streifzug durch diese Laufgeschichte beginnt in den 20er-jahren bei Paavo Nurmi. Der neunmalige Olympiasieger und 25-malige Weltrekordler lief 1926 und 1928 jeweils zweimal auf der Hohen waren. Sein erster Auftritt fand vor 40.000 Zuschauern im Rahmen eines Fußballspiels Österreich gegen Ungarn (2:3) statt. Alles drehte sich um Nurmi, der 8000 m lief - und seine Gegner in einem Vorgaberennen besiegte. Bei einem weiteren Start lief Nurmi eine inoffizielle Weltbestzeit über drei englische Meilen, worüber die „Illustrierte Kronen-Zeitung“ damals staunte: „Sein Lauf liegt außerhalb aller Schablonen. Oh Wunder - die Fahrt wird noch schneller.“

„Drei Stunden Pfuirufe“
Zwei Jahre später gab es bei seinem letzten Wiener Antritt einen Eklat. Das Nurmi-Meeting sollte auf der Hohen Warte erstmals bei „künstlichem Licht“ stattfinden. Die Flutlichtanlage aber klappte nicht. Mit fünf großen Fackeln wurde die Laufbahn fürs 5000-m-Rennen spärlich beleuchtet. Die Fans, so hieß es in den damaligen Berichten, sahen Nurmi nur vorbeihuschen. Die „Illustrierte Kronen-Zeitung“ titelte tags darauf: „Drei Stunden Pfuirufe auf der Hohen Warte!“

Rono-Weltrekord auf dem Cricketer Platz
Die nächste ganz große Sensation im Langstreckenlauf sollte lange auf sich warten lassen. Am 11. Juni 1978 lief Henry Rono auf dem Cricketer Platz im Prater einen sensationellen Weltrekord über 10.000 m. In 27:22,4 verbesserte er vor 750 Zuschauern die Bestzeit seines kenianischen Landsmannes Samson Kimobwa, der ein Jahr ein zuvor in Helsinki 27:30,5 gelaufen war. 1978 war dies der dritte Weltrekord von Henry Rono (ein vierter sollte wenig später folgen). Detail am Rande: In jenem 10.000-m-Rennen, das vor allem ORF-Mann Kurt Schmid und der deutsche Fachjournalist Robert Hartmann auf die Beine gestellt hatten, war Jos Hermens einer der Tempomacher. Hermens, damals Stunden-Weltrekordler, ist heute Chef der Agentur Global Sports Communication, die Eliud Kipchoge so glänzend betreut.

Emil Zatopek beim Vienna City Marathon
Ein anderer der größten Läufer, Emil Zatopek, ist zwar nicht in Wien gelaufen, aber er war häufig zu Besuch in Österreich. So war der viermalige Olympiasieger und 18-malige Weltrekordler auch beim ersten Vienna City Marathon Ehrengast. Der Tscheche, wegen seines unorthodoxen Laufstils „Lokomotive“ tituliert, gab 1984 zusammen mit Bürgermeister Dr. Helmut Zilk der Startschuss.

Dreimal Haile Gebrselassie im Halbmarathon
Der Vienna City Marathon sollte dann zwei weitere Lauf-Legenden nach Wien bringen. Gleich dreimal ist Haile Gebrselassie, zweimal Olympiasieger und 26-maliger Weltrekordler, im Rahmen des VCM gelaufen. Und zwar jeweils im Halbmarathon von 2011 bis 2013. Einmal (2012) bestritt er dabei auch ein Verfolgungsrennen gegen Paula Radcliffe, die immer noch regierende Weltrekordlerin im Marathonlauf ist. Und schließlich gab auch ein regierender Weltrekordler dem Vienna City Marathon die Ehre. Dennis Kimetto lief 2018 in Wien, gab das Rennen aber auf.

Im Zehnkampf Sternstunde in Götzis
Und jetzt also läuft auch Eliud Kipchoge in Wien! Allein sein Start ist schon eine Sensation. Durchbricht er die Schallmauer im Marathon, ist dies eine der größten Sternstunden im Sport auf Österreichs Boden. In der Leichtathletik nur vergleichbar mit der Zehnkampf-Sensation von Götzis, als Roman Sebrle als erster Athlet der Welt am 26./27. Mail 2011 in Vorarlberg mit 9026 Punkten die 9000-Punkte-Barriere übertraf. Jetzt soll in Österreich auch die Traummarke im Marathon fallen!

Olaf Brockmann, Kronen Zeitung

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