Do, 23. Mai 2019
24.04.2019 12:59

Emotionen kochen hoch

„Stürmer“-Vergleich im ORF sorgt für Polit-Beben

Es war der TV-Aufreger schlechthin am Dienstagabend: FPÖ-EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky lieferte sich in der „ZiB 2“ mit ORF-Moderator Armin Wolf einen heftigen Schlagabtausch. Auslöser war ein Anti-Ausländer-Plakat der FPÖ-Jugend Steiermark, das der ORF-Moderator wegen angeblicher optischer Ähnlichkeiten einer Darstellung aus der Nazi-Zeitung „Der Stürmer“ gegenüberstellte (siehe Video oben). In den sozialen Medien kochen die Emotionen mittlerweile hoch, die Meinungen über Sinn und Unsinn der Gegenüberstellung gehen weit auseinander.

Kein gutes Haar an Wolfs Interviewführung ließ wenig überraschend eine Reihe von FPÖ-Politikern. „Der ,Stürmer‘-Vergleich zeigt, wie unterirdisch der ORF mittlerweile ist“, schrieb etwa Generalsekretär Christian Hafenecker.

„Vergleich verharmlost mörderische NS-Ideologie“
In dieselbe Kerbe schlug der Wiener Landtagsabgeordneter Leo Kohlbauer: „Wolf ist untragbar! Der falsche und inflationäre NS-Vergleich verharmlost die mörderische NS-Ideologie!“ Für den freiheitlichen Klubobmann in Wien-Döbling, Klemens Resch, gebe es im ORF „nicht einmal mehr den Versuch der ausgewogenen Berichterstattung“.

„Besser kann man Vilimsky nicht vorführen“
Andere Twitter-User wiederum verteidigten den ORF-Moderator vehement. „Wolf ist großartig!!! Geliebt!!!! Besser kann man Vilimsky nicht vorführen!“, schrieb die Journalistin Isabella Klausnitzer. „Vilimsky versuchte Wolf einzuschüchtern. Wolf ließ sich davon nicht beeindrucken und blieb beim Nazi-Thema, das Vilimsky damit wegdrücken wollte. Danke, Armin Wolf“, lobte Bruno Rossmann, Klubomnann der Liste Jetzt, den ORF-Moderator. Und PR-Berater Rudi Fussi meinte: „Vilimsky hat Unwahrheiten und Halbwahrheiten von sich gegeben, der Faktencheck in Videoform würde ein episches Format brauchen.“

„Plakat ist nicht die aktuellste Baustelle der FPÖ“
Andere Polit-Beobachter fanden kritische Worte zur Themenauswahl Wolfs. So gebe es genug andere Themen, für die Vilimsky wirklich verantwortlich sei. „Das Plakat ist nicht die aktuellste Baustelle der FPÖ und wie wichtig ein ,Stürmer‘-Vergleich ist, ist Geschmackssache“, schrieb User Rosi Rosinger.

„Falter“-Chef mit gewagtem Tweet
„Falter“-Chefredakteur Florian Klenk sorgte unterdessen mit einem gewagten Tweet für Empörung bei FPÖ-Mandataren. „Ich fände es gut, wenn Vilimsky für seine Frechheiten gegenüber Wolf nochmal den Taser-Selbsttest macht, diesmal aber ohne Polizisten, die ihn auffangen“, schrieb Klenk. Vilimsky bezeichnete Klenks Tweet als „jenseitig“, FPÖ-Pressesprecher Lukas Brucker schrieb von „linksjournalistischem Hass“. Klenks Tweet ist mittlerweile gelöscht.

Steger: „Halte Vergleich für pervers“
ORF-Stiftungsratschef Norbert Steger schoss sich wiederum auf den Moderator ein. „Ich finde den ,Stürmer‘-Vergleich empörend. Mein Vater war im KZ, meine Großeltern sind da umgebracht worden. Ich halte das für pervers, dass man solche lauen Lüfterl immer mit Nazis vergleicht“, sagte der blaue Stiftungsrat gegenüber dem „Kurier“.

Wolf: „Ich will niemanden zerlegen“
Wolf selbst rechtfertigte am Mittwoch seine Vorgehensweise beim Interview. „Ich will niemanden zerlegen. Ich will, dass die Zuseher*innen nach dem Gespräch mehr über den Gast und seine politischen Ansichten wissen“, schrieb er auf Twitter. Er selbst hätte sich mit dem Plakat ohnehin nicht so lange beschäftigen wollen, aber Vilimsky sei es offenbar ein Anliegen gewesen, aus der Frage ein großes Thema zu machen, so Wolf.

Vilimsky vs. Wolf: Auch krone.at-User diskutieren intensiv
Auch auf krone.at ist der Schlagabtausch Thema Nummer eins bei den Usern. Bis Mittwochmittag gab es weit mehr als 1000 Kommentare.

Viele unserer Leser zeigen sich mittlerweile genervt von den „Ausrutschern“ der FPÖ. Leser Crawler etwa stellte sich die Frage, „Warum ausgerechnet die Regierungspartei FPÖ in der heutigen Zeit mit solchen Sujets arbeitet, die verschiedene Auslegungen zulassen?“ Auch die Schimpftirade von Vilimsky auf die von Wolf angesprochene Zeichnung wurde kritisch hinterfragt: „Warum soll über die Präsentation von Wahlplakaten berichtet werden?“

Es gibt jedoch auch zahlreiche User, die sich hinter den FPÖ-EU-Spitzenkandidaten stellen. „In einer Sendung, in welcher es vermeintlich um Europapolitik gehen sollte, keine einzige relevante Frage zur Europapolitik zu stellen, ist erstaunlich. Wie genau soll sich da ein Wähler ein objektives Bild machen können?“, lautet eine Reaktion. Auch wurde von einigen Usern die Art der Interviewführung von Wolf als zu aggressiv kritisiert. Dies sei ein „ganz schlechter Stil für Reporter“.

Franz Hollauf
Franz Hollauf

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