22.04.2019 06:00 |

Gewagte Theorie

Keine Auferstehung: Hat Jesus Kreuzigung überlebt?

Jesus als Erlöser, der den Tod besiegte und am dritten Tag nach der Kreuzigung auferstand - das feiern Milliarden Christen am Ostersonntag. Doch was, wenn alles ganz anders war? Wenn Jesus von Nazareth seine grausame Tortur überlebt hat? Ein deutscher Forscher stellt nun genau diese Frage - inklusive einer gewagten, aber medizinisch nicht unmöglichen Theorie.

„Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf“, heißt es im Evangelium nach Johannes (19,30). Doch was, wenn alles ganz anders war? Ist Jesus wirklich am Kreuz gestorben? Oder könnte es gar sein, dass er die Kreuzigung überlebt hat? Es wäre zumindest möglich gewesen, meint der deutsche Historiker Johannes Fried in seinem Buch mit dem durchaus provokanten Titel „Kein Tod auf Golgatha“.

Soldaten brachen Jesus nicht die Beine
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit steht fest, dass Soldaten zum Berg Golgatha kamen, um die Leichen der Hingerichteten abzunehmen. Der Evangelist Johannes schreibt dazu, dass die Soldaten Jesus bereits für tot hielten, weshalb sie ihm nicht die Beine brachen, wie den anderen beiden Männern, die links und rechts von Jesus gekreuzigt worden waren. Durch das Brechen der Beine sackte der Körper nach unten, die Verurteilten starben oder wurden zumindest ohnmächtig. Dass ihm der Soldat Longinus die Lanze in den Brustkorb stieß, war nicht mehr als eine beiläufige Geste, die bestätigen sollte, was ohnehin jeder sehen konnte: In diesem Körper war kein Leben mehr.

Doch genau das könnte Jesus das Leben gerettet haben, mutmaßt Fried. Aus der Wunde im Brustkorb Jesu seien Blut und Wasser geflossen, heisst es bei Johannes. So detailliert wird das bei keinem anderen Evangelisten beschrieben. Und genau das könnte dafür sprechen, dass die geschilderte Beobachtung authentisch ist. Ein Detail wie dieses erfindet man schließlich kaum, wenn man es nicht beobachtet hat. In der kirchlichen Überlieferung gilt Johannes als einer der zwölf Apostel, er soll bei der Kreuzigung auch anwesend gewesen sein.

Ein Lanzenstoß als Lebensrettung?
Warum also könnte Jesus, wenn auch mit schweren Verletzungen, die Kreuzigung überlebt haben? Der römische Soldat habe das getan, was jeder Notarzt heute täte, schreibt Johannes Fried: Er punktierte die Pleurahöhle von Jesus und entlastete so die Lunge. Das Sekret aus Wasser und Blut konnte abfliessen, und das linderte die Atemnot. Es wäre also durchaus möglich, dass Jesus nach der neunten Stunde gar nicht tot war. Ob er allerdings die schweren Verletzungen der Auspeitschung, den Blutverlust sowie die inneren Verletzungen überlebt haben könnte - noch dazu in einer Zeit, in der die medizinische Versorgung weit von der heutigen Notfallmedizin entfernt war - , lässt der Autor offen.

Aber: Zumindest theoretisch unmöglich ist es nicht. Fried geht sogar noch weiter, berichtet die „Neue Zürcher Zeitung“. Hätte Jesus überlebt, wäre er geflohen und seine Anhänger hätten die Auferstehungslegende gesponnen, um ihn zu schützen. Bevor es allerdings zu stark in Richtung „Da Vinci Code“ abtrifftet, räumt der Historiker ein, dass das nur eine These sei. Ob Jesus also wirklich zur neunten Stunde am Berg Golgotha starb - oder als alter Mann viele Jahre später -, wird wohl für immer eine Sache des Glaubens bleiben. Und der steht ja bekanntermaßen jedem frei.

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