FACC-Prozess in Ried:

„Das Vier-Augen-Prinzip gab es nur auf dem Papier“

„Ich wollte alles richtig machen“, sagt die Zeugin im FACC-Prozess in Ried. Sie hat im Zuge eines betrügerischen Cyberangriffs gesamt 50 Millionen Euro ins Ausland überwiesen. Flugzeugteilehersteller FACC fordert nun in einem Zivilprozess vom seinem Ex-Vorstandsvorsitzenden  10 Millionen Euro Schadenersatz.

Seit 5. April taucht Richter Nikolaus Steininger in die Buchhaltung des Unternehmens ein. Zwei Tage lang wurde der beklagte Ex-Vorstand befragt. Ihm wirft sein früherer Arbeitgeber vor, kein ausreichendes Kontroll- und Sicherheitssystem installiert zu haben. Der 64-Jährige verwies auf ein Vier-Augen-Prinzip, das bei Geldgeschäften geherrscht habe.

Vier-Augen-Prinzip
Das Vier-Augen-System habe nur auf dem Papier bestanden, sagte dagegen die ehemalige Buchhalterin am Dienstag aus. In der Praxis habe sie Überweisungen alleine durchgeführt. Mit TAN-Codes, die in einem unversperrten Rollwagen aufbewahrt wurden.

Angriffswelle
„Sicher hat man da ein ungutes Gefühl“, erinnert sie sich etwa an den 4. Jänner 2016. Sie hat allein an diesem Tag 23 Millionen Euro überwiesen. Aufgrund einesFake-President-Mails, in dem stand, dass der Geldfluss streng vertraulich sei.„Gedanken darüber habe ich mir nicht gemacht. Ich weiß, das ist schwer zu verstehen.“ Warum sie nicht doch Rücksprache gehalten habe, wollte der Richter wissen. „Ich wollte alles richtig machen. Das war mein Fehler“, wiederholte die 30-Jährige, die nach einer „Angriffswelle“, wie sie es nennt, mit 100 Mails insgesamt 50 Millionen Euro auf ausländische Konten in China und in der Slowakei überwiesen hat. Der Prozess in Ried wird fortgesetzt.

Claudia Tröster, Kronen Zeitung

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