08.04.2019 19:55 |

Tausende auf Flucht

Kampfjets bombardieren Flughafen von Tripolis

In Libyen hat der Kampf um die Hauptstadt Tripolis am Montag auch den einzig verbliebenen Flughafen der Stadt erreicht. Kampfjets bombardierten den militärischen Teil des Flughafens Mitiga, sagte ein Sprecher der libyschen Einheitsregierung. Der Flugbetrieb sei eingestellt und der Flughafen evakuiert worden. Flüge würden bis auf Weiteres ins 200 Kilometer entfernte Misrata umgeleitet. Etwa 3400 Menschen seien bereits vor den neuerlichen Kämpfen im Süden der Hauptstadt geflohen, teilte die UNO mit.

Bilder in den sozialen Netzwerken zeigten Rauchsäulen über dem Rollfeld. Nach Angaben von Flughafenvertretern wurde eine Landebahn beschädigt, Menschen kamen nicht zu Schaden. Passagiere seien aber in Panik geraten, berichteten Augenzeugen. Der Flughafen Mitiga ist der einzig verbliebene funktionierende Airport der libyschen Hauptstadt.

Dutzende Tote bei Kämpfen um Hauptstadt
Insgesamt wurden bei den erneuten Kämpfen um Tripolis seit vergangenem Donnerstag mindestens 49 Menschen getötet. Wie viele Zivilisten unter den Opfern sind, teilte das mit der international anerkannten Einheitsregierung verbundene Gesundheitsministerium nicht mit. Ein Sprecher der Richtung Tripolis marschierenden Truppen des abtrünnigen Generals Khalifa Haftar hatte am Wochenende von 14 getöteten Soldaten in den eigenen Reihen gesprochen.

Haftars Truppen rücken auf Tripolis vor
Seit Donnerstag rückt die sogenannte Libysche Nationalarmee (LNA) von General Haftar auf Tripolis vor. Haftar gilt als mächtigster Gegenspieler von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj. Dessen Regierung der nationalen Einheit in Tripolis wird international anerkannt. Das libysche Parlament hat seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2014 seinen Sitz im ostlibyschen Tobruk. Im Osten und Süden des Landes kontrolliert der mit dem Parlament verbundene General Haftar die größten Gebiete, darunter auch zahlreiche Ölförderanlagen. Er bezeichnet seinen Vormarsch als „Anti-Terror-Kampf“.

Die Kampfgeräusche waren am Montag in der ganzen Stadt zu hören. Kampfflugzeuge flogen über der Stadt, Maschinengewehrfeuer war zu hören, ebenso Einschläge von Granaten und Bomben. Augenzeugen berichteten von Hamsterkäufen.

UNO will Libyen-Konferenz trotzdem durchziehen
Die Vereinten Nationen pochen auf die Durchführung der seit Langem geplante Libyen-Konferenz. Dort soll ein Plan zur Vorbereitung von Wahlen in dem seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 zerrissenen Land erarbeitet werden. Die Konferenz ist für den 14. bis 16. April in der Stadt Ghadames angesetzt.

Das ölreiche Libyen ist ein wichtiges Transitland für Flüchtlinge, die Europa erreichen wollen. Gegner Haftars werfen dem 75-jährigen vor, er wolle sich als neuer Diktator in Libyen etablieren.

EU rief zu humanitärer Waffenruhe auf
Die EU rief die Kriegsparteien in Libyen zu einem Waffenstillstand auf. Dieser sei dringend nötig, um die humanitäre Situation zu verbessern, sagte EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini (Bild oben) am Montag. Die libysche Bevölkerung wolle „echten Frieden“, niemand sei mit den aktuellen Entwicklungen glücklich. Es gebe einen „klaren Konsens“ der EU-Staaten, dass alle Militäraktionen in Libyen gestoppt werden müssten, so Mogherini.

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