29.03.2019 17:19 |

Verdächtiges Quartett

Wiener IS-Fall: Jetzt ganze Terrorgruppe im Visier

In Verhören behauptet Qaeser A., vier Anschläge auf deutsche Züge „im Alleingang“ durchgeführt zu haben. „Ich bin harmlos, ich wollte mit den Taten bloß auf das Leid in meinem Heimatland aufmerksam machen“, gab er im Verhör zu Protokoll. Aber laufend verdichten sich die Hinweise, dass er führendes Mitglied einer Terrorgruppe gewesen sein könnte. Seine Frau und ein in Wien lebendes Ehepaar aus dem Irak sollen ihm bei den Taten geholfen haben.

Die Polizei habe in seiner Wohnung in Wien unter anderem ein Nachtsichtgerät und eine Drohne gefunden. Die Fahnder gehen davon aus, dass Qaeser A. noch mehr Attentate geplant haben dürfte. Auch seine Ehefrau steht unter Terror-Verdacht. Ihre DNA war auf einem Drohbrief und einem Klebeband, das bei einem Anschlag verwendet wurde.

„Aufgabe war, den Haushalt zu führen“
Zudem wird die 32-Jährige durch den SMS-Verkehr mit ihrem Mann belastet: Er soll ihr dabei die Anweisung zum Kopieren von Bekennerschreiben gegeben haben. Qaeser A. dazu: „Unsinn, ich habe sie bloß zum Magistrat geschickt.“ Und weiters behauptet er: „Ihre Aufgabe war, unsere fünf Kinder aufzuziehen, zu kochen und den Haushalt zu führen. Sie ist so, wie eine Frau sein muss - unschuldig wie eine Lilie.“

Mögliche Komplizen gefasst
Am Donnerstag wurden zwei mutmaßliche Komplizen des Paars am Prager Flughafen verhaftet: Amar M. (30) und seine Frau Riján (27). Auch sie stammen aus dem Irak, auch sie leben in Wien - bis Mitte der Woche sollen sie in ihrem Heimatland gewesen und dort Spenden für den Krieg gegen den Westen eingesammelt haben. Qaeser A.: „Ich kenne die beiden nicht persönlich, sie sind bloß Facebook-Freunde von mir.“ Sie sollen nun nach Österreich ausgeliefert werden.

Polizei ermittelt bereits in vier Fällen in Bayern und Berlin
Dem Terrorverdächtigen werden inzwischen vier Taten vorgeworfen - es gehe um drei Fälle in Bayern sowie einen in Berlin, sagte ein Sprecher des bayrischen Landeskriminalamts. Bei zwei Anschlägen im Oktober und Dezember in Bayern und Berlin hätten quer über die Schienen gespannte Stahlseile Züge zum Entgleisen bringen sollen. Verletzt wurde niemand. Dem Sprecher zufolge gehen die Ermittler auch zwei Fällen mit Holz- und Eisenteilen nach. Dabei soll der Täter Keile gebaut haben.

Letztlich habe er aber wohl Konstruktionsfehler begangen, weswegen die Züge nicht entgleist seien, hieß es. Kriminaltechnische Untersuchungen deuteten darauf hin, dass es sich um denselben Täter handeln könnte, sagte der Sprecher.

Drohbrief in Copyshop vergessen
Auf die Spur kam die Polizei dem 42-Jährigen, nachdem dieser ein Drohschreiben in einem Copyshop in Wien vergessen hatte. Der Fingerabdruck auf dem Papier führte laut „Spiegel“ über einen Treffer im österreichischen Ausländerregister zu Qaeser A. Seine DNA stimmte mit DNA-Spuren überein, die Fahnder an den Tatorten in Deutschland gefunden hatten. An den für die Anschläge verwendeten Stahlseilen wurden auch DNA-Spuren der Ehefrau festgestellt.
Das heimische Innenministerium wollte das aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht kommentieren.

Dem Paar droht in Österreich eine Anklage wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Eine Steuerung der Tat durch den IS halten Ermittler allerdings für unwahrscheinlich. Qaeser A. war vor seinen mutmaßlichen Attacken den Behörden nicht als Extremist bekannt.

Der 42-Jährige zeigte sich geständig, einen terroristischen Hintergrund seiner Handlungen oder einen Tötungsvorsatz bestreitet er laut Gericht aber. In der Nähe des Tatorts wurden damals Schriftstücke in arabischer Sprache sowie eine IS-Flagge gefunden. Er hatte seine Flucht nach Mekka geplant.

M. Prewein, C. Budin, G. Brandl und J. Krupka, Kronen Zeitung/krone.at

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