06.03.2019 06:00 |

Teil 3 der Serie:

„Kinderbetreuungsstätten fehlen flächendeckend“

Jedes Jahr am 8. März wird der Weltfrauentag gefeiert. Doch: Braucht es so einen Tag in Österreich überhaupt noch? Vor welchen Herausforderungen stehen Frauen im Jahr 2019? Und wie ist es, als Frau in männerdominierten Bereichen zu arbeiten und zu wirken? Darüber hat krone.at in einer Serie zum Weltfrauentag mit spannenden Frauen aus Politik und Wirtschaft gesprochen. Zu Gast im krone.tv-Studio war Eveline Steinberger-Kern, promovierte Betriebswirtin und international erfolgreiche Unternehmerin im Energiesektor.

2018 wurden beinahe 60% der neu gegründeten Einzelunternehmen von Frauen gegründet. Und doch meint Eveline Steinberger-Kern, auch in ihrer Branche sei Gleichstellung noch ein Thema. „Gerade meine Domäne, die der High-Tech-Startups, ist nach wie vor sehr männerdominiert.“ Das führt Steinberger-Kern einerseits auf eine geringere Risikobereitschaft bei Frauen zurück, andererseits auch darauf, dass Frauen seltener MINT-Ausbildungswege wählen würden (Mathematik Informatik Naturwissenschaften Technik, Anmk.), die im Zeitalter der Digitalisierung am relevantesten sind. „Wir bereiten Mädchen von klein auf darauf nicht vor“, sagt Steinberger-Kern. In ihrem Unternehmen werden oft Humanressourcen aus Osteuropa oder Israel geholt, weil dort auch Frauen diese Ausbildungen mitbringen würden, erzählt sie. 

Ob das eigentlich als hochqualifizierte Führungskraft frustrierend sei, wenn Google einen als „Christian Kern‘s wife“ anführt? „Ganz und gar nicht“, lacht Steinberger-Kern. „Der kurze Ausflug in die Politik“ ihres Mannes dürfte wohl zu solchen Suchergebnissen beigetragen haben. 

„Wir haben immer noch keine Gleichberechtigung“
Den Weltfrauentag brauchen wir auch in Österreich noch, meint Frau Steinberger-Kern, und zitiert eine noch unveröffentlichte Statistik der Boston Consulting Group, die erstmals einen Gender Diversity Index herausgibt. Die Anzahl der weiblichen Führungskräfte sei demnach rückläufig, die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen ginge wieder auseinander. „Das ist im Jahr 2019 eine sehr schockierende Nachricht“, so das Fazit. 

„Kinderbetreuungsstätten fehlen flächendenkend“
Als größten frauenpolitischen Hebel sieht Steinberger-Kern die Kinderbetreuung, die in Österreich immer noch großteils in Frauenhänden liegt. „Davon hängt sehr früh in der Karriere einer Frau die Entscheidung ab, ob man nach der Geburt in einen Ganztagsjob wiedereinsteigen kann oder sich von Teilzeitjob zu Teilzeitjob rettet und frustriert im Karriereweg zurückbleibt.“, meint sie. Besonders ginge es hier um Frauen, die nicht in Top-Jobs sind und sich keine private Kinderbetreuung leisten können. Das führe schnell zu einer Abwärtsspirale aus Teilzeitarbeit und niedrigeren Gehältern.

Großes Vorbild Oma
Als Vorbilder nennt Frau Steinberger-Kern zunächst die US-amerikanische Richterin Ruth Bader-Ginsberg und Michelle Obama - dann aber betont sie, wie wichtig starke weibliche Vorbilder auch in der Familie seien. Ihre Großmutter sei in der Kriegszeit aufgewachsen, in jungen Jahren mit den Kindern zurückgeblieben und habe sich durchgekämpft - das war für sie prägend. 

Sonntag vormittags um 10 Uhr kommt Eveline Steinberger-Kern gerade vom Jogging zurück und frühstückt. 

Damita Pressl
Damita Pressl

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