Feier im Stephansdom

Neuer Wiener Erzbischof: So wird er heute geweiht

Wien
24.01.2026 10:26

Für die Erzdiözese Wien und überhaupt der katholischen Kirche in Österreich beginnt eine neue Ära: Der gebürtige Niederösterreicher Josef Grünwidl wird am frühen Nachmittag im Stephansdom offiziell zum neuen Erzbischof und somit zum Nachfolger von Kardinal Christoph Schönborn geweiht. Dabei hatte Grünwidl doch lange gezögert, das Amt anzunehmen. 

Nach der Pensionierung von Kardinal Christoph Schönborn hatte Bischofsvikar Josef Grünwidl die interimistische Leitung der Erzdiözese übernommen, dann monatelang gezögert, das Amt des Erzbischofs anzunehmen. Doch „nach dem ersten Schrecken“, wie er sagt, wird er heute offiziell „mit Zuversicht und Respekt vor dem Amt“ der Oberhirte der Wiener Erzdiözese.

Im Beisein aller heimischen Bischöfe, Vertreter von Ökumene, anderen Religionsgemeinschaften, aus der Politik, dem öffentlichen Leben und vielen Gläubigen wird Grünwidl am Nachmittag im Stephansdom die Weihe empfangen.

Insgesamt werden rund 4000 Teilnehmer erwartet, mit den Zuschauern daheim vor dem Fernseher werden unendlich viele mitfeiern. 

Und so wird Grünwidl, bisher ein Mann der leisen Töne und des Dialogs, der nie im Rampenlicht stehen wollte, in sein neues Amt eingeführt: 

Zu Beginn wird der gebürtige Weinviertler, der auch als Jugendseelsorger tätig war, von etwa 60 Jugendlichen und einer Blasmusikkapelle beim Erzbischöflichen Palais abgeholt. Unter dem Klang der Pummerin wird er dann vom Domkapitel vor dem Riesentor begrüßt und in seine Kathedrale, der Kirche mit seinem Bischofsitz – der „Kathedra“ – geführt.

Josef Grünwidl (li.) folgt ab heute Nachmittag Kardinal Christoph Schönborn (re.) als Wiener ...
Josef Grünwidl (li.) folgt ab heute Nachmittag Kardinal Christoph Schönborn (re.) als Wiener Erzbischof nach. Für Schönborn war Grünwidl ein Wunschkandidat.(Bild: APA/TOBIAS STEINMAURER)

Start in der Mitte, statt ganz vor
Die Bischofsweihe ist mitunter eines der beeindruckendsten Rituale, die die Katholische Kirche kennt. Grünwidl, der „möglichst schlicht“ auftreten will, hat dabei neue Akzente gesetzt: So wird die eigentliche Feier nicht beim Altar starten, sondern in der Mitte des Doms mit einer Tauferneuerung.

Auch das Verlesen der Ernennungsurkunde des Papstes nicht der Ordinariatskanzler, sondern eine Seelsorgerin aus dem Weinviertel (NÖ) verlesen: „eine Frau aus dem Gottesvolk“, wie Grünwidl im Vorfeld der Weihe erklärt.

Auf dem Boden liegend
Der erste Teil der Weihe beginnt mit der Bitte um „das Wirken des Geistes“, erklärt die Erzdiözese Wien: „Während der Erwählte ausgestreckt auf dem Boden liegt, vereint sich die Kirche der Gegenwart mit der Kirche der Vergangenheit, den Heiligen, und bestürmt ,litaneiartig‘ den Himmel mit ihren Bitten für die Welt, die Kirche und den Erwählten.“

Danach legen die Bischöfe Grünwidl die Hände auf: allen voran der Hauptkonsekrator, Kardinal Christoph Schönborn OP, die beiden Mit-Konsekratoren, Erzbischof Franz Lacknner und der Leitmeritzer Bischof Stanislav Přibyl und danach alle anwesenden Bischöfe. Das erfolgt in Stille, ein Augenblick, dem nur die Pummerin noch stärkere Bedeutung zukommen zu lassen vermag.

„Das Auflegen der Hände ist das biblische Zeichen der Geistbegabung“, so die Erzdiözese: „Indem die Bischöfe als Nachfolger der Apostel tun, was schon jene getan haben, schreiben sie die Zukunft der Kirche durch die Generationen fort.“

„So sei es!“
Dann folgt ein Weihegebet aller Bischöfe für den neuen Amtskollegen, der unterdessen vor einem geöffneten Evangelienbuch kniet, „das von einem Priester, einem Diakon, einer Pastoralassistentin und einer Religionslehrerin gehalten wird. Das feierliche Amen aller Anwesenden bestätigt das Gebet der Bischöfe und macht es zum gemeinsamen Gebet der Kirche: ,So sei es!‘“

Damit ist Grünwidl geweiht. Dann folgen die Erklärung des Bischofsamts, Aufgaben und Pflichten, und die Übergabe seiner Insignien, also seiner Amtszeichen.

Übergabe der Insignien
Dazu erwartet Grünwidl an der Kathedra mit seinem Wappen den Bischofsstab: Dieser wird „von Hand zu Hand in der Mitte des Domes weitergegeben, bis sein Vorgänger ihm den Stab übergibt und der neue Erzbischof erstmals auf seiner Kathedra zum Sitzen kommt“, erklärt die Erzdiözese: „Das Sitzen hat eine symbolische Bedeutung und verweist auf den sitzend lehrenden Christus bei der Bergpredigt (Mt 5,1-2). Mit diesem Akt hat die Erzdiözese Wien ihren 33. Bischof.“

Seine Insignien hat Grünwidl übrigens ebenfalls recht bescheiden gewählt:  Der Hirtenstab ist der schlichte Holzstab des verstorbenen Wiener Weihbischofs Helmut Krätzl, nur mit einer versilberten Krümme am Ende, als Bischofsring wird er einen versilberten Konzilsring und sein Kreuz ist eine Kopie des Kreuzes von Papst Franziskus. Nur die Bischofsmütze, die „Mitra“, ist extra angefertigt worden: „Die muss einfach passen“, hatte Grünwidl vor der Feier dazu erklärt.

In aller Kürze

  • Josef Grünwidl wurde 1963 in Hollabrunn geboren und wuchs in Wullersdorf auf. 1988 empfing er die Priesterweihe. Seelsorglich tätig war er in Wien und Wiener Neustadt, später als Pfarrer im südlichen Niederösterreich und in Perchtoldsdorf.
  • Von 1995 bis 1998 war er Sekretär von Erzbischof Schönborn, 2023 wurde er zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd ernannt.
  • Seit der Emeritierung von Kardinal Schönborn am 22. Jänner 2025 leitete er die Erzdiözese interimistisch als Apostolischer Administrator der Erzdiözese Wien.

Erster Segen als Erzbischof
Im Stephansdom folgen dann noch die Eucharistiefeier, Fürbitten und Co., bevor Grünwidl die Gläubigen zum Abschluss das erste Mal in seinem neuen Amt segnen wird - aber zuvor segnet die Gemeinde ihn: „Segnen und gesegnet werden – ein Zeichen wechselseitiger Obsorge und des gemeinsamen Wohlwollens – das gilt auch über die Grenzen der eigenen Konfession hinweg.“

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