Feier im Stephansdom

Amt übernommen: Grünwidl Wiens neuer Erzbischof

Wien
24.01.2026 15:44

Für die Erzdiözese Wien und überhaupt der katholischen Kirche in Österreich hat eine neue Ära begonnen: Der gebürtige Niederösterreicher Josef Grünwidl ist der neue Erzbischof Wiens und somit der Nachfolger von Kardinal Christoph Schönborn. Dabei hatte Grünwidl doch lange gezögert, das Amt anzunehmen. 

Nach der Pensionierung von Kardinal Christoph Schönborn hatte Bischofsvikar Josef Grünwidl die interimistische Leitung der Erzdiözese übernommen, dann monatelang gezögert, das Amt des Erzbischofs anzunehmen. Doch „nach dem ersten Schrecken“, wie er sagt, ist er jetzt offiziell „mit Zuversicht und Respekt vor dem Amt“ der Oberhirte der Wiener Erzdiözese.

3000 Teilnehmer haben sich im Stephansdom eingefunden, um bei der Weihe von Josef Grünwidl zum ...
3000 Teilnehmer haben sich im Stephansdom eingefunden, um bei der Weihe von Josef Grünwidl zum Erzbischof von Wien dabei zu sein.(Bild: schoenlaub 2026)

Im Beisein aller heimischen Bischöfe, Vertreter von Ökumene, anderen Religionsgemeinschaften, aus der Politik, dem öffentlichen Leben und vielen Gläubigen empfing Grünwidl die Weihe. Rund 3000 Menschen hatten sich dazu im Stephansdom eingefunden, mit den Zuschauern daheim vor dem Fernseher feierten zahlreiche weitere mit. 

Vor Ort dabei waren Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) – seine Partei gratulierte als Erste per Aussendung – sowie Vertreter anderer Religionsgemeinschaften. Nicht nur der Besucherandrang, auch die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Stephansdom und in der Kirche waren enorm.

Und so wurde Grünwidl, bisher ein Mann der leisen Töne und des Dialogs, der nie im Rampenlicht stehen wollte, in sein neues Amt eingeführt: 

Zu Beginn wurde der gebürtige Weinviertler, der auch als Jugendseelsorger tätig war, von etwa 60 Jugendlichen und einer Blasmusikkapelle beim Erzbischöflichen Palais abgeholt. Unter dem Klang der Pummerin wurde er dann vom Domkapitel vor dem Riesentor begrüßt und in seine Kathedrale, der Kirche mit seinem Bischofsitz – der „Kathedra“ – geführt.

Josef Grünwidl (li.) folgt Kardinal Christoph Schönborn (re.) als Wiener Erzbischof nach. Für ...
Josef Grünwidl (li.) folgt Kardinal Christoph Schönborn (re.) als Wiener Erzbischof nach. Für Schönborn war Grünwidl ein Wunschkandidat.(Bild: APA/TOBIAS STEINMAURER)

Start in der Mitte, statt ganz vor
Die Bischofsweihe ist mitunter eines der beeindruckendsten Rituale, die die Katholische Kirche kennt. Grünwidl, der „möglichst schlicht“ auftreten will, hat dabei neue Akzente gesetzt: So startete die eigentliche Feier nicht beim Altar, sondern in der Mitte des Doms mit einer Tauferneuerung.

Auch das Verlesen der Ernennungsurkunde des Papstes nahm nicht der Ordinariatskanzler, sondern eine Seelsorgerin aus dem Weinviertel (NÖ) vor: „eine Frau aus dem Gottesvolk“, wie Grünwidl im Vorfeld der Weihe erklärt.

Auf dem Boden liegend
Der erste Teil der Weihe begann mit der Bitte um „das Wirken des Geistes“: „Während der Erwählte ausgestreckt auf dem Boden liegt, vereint sich die Kirche der Gegenwart mit der Kirche der Vergangenheit, den Heiligen, und bestürmt ,litaneiartig‘ den Himmel mit ihren Bitten für die Welt, die Kirche und den Erwählten.“

Danach legten die Bischöfe Grünwidl die Hände auf: allen voran der Hauptkonsekrator, Kardinal Christoph Schönborn OP, die beiden Mit-Konsekratoren, Erzbischof Franz Lacknner und der Leitmeritzer Bischof Stanislav Přibyl, und danach alle anwesenden Bischöfe. Das erfolgt in Stille, ein Augenblick, dem nur die Pummerin noch stärkere Bedeutung zukommen zu lassen vermag.

„Das Auflegen der Hände ist das biblische Zeichen der Geistbegabung“, so die Erzdiözese: „Indem die Bischöfe als Nachfolger der Apostel tun, was schon jene getan haben, schreiben sie die Zukunft der Kirche durch die Generationen fort.“

„So sei es!“
Dann folgte ein Weihegebet aller Bischöfe für den neuen Amtskollegen, der unterdessen vor einem geöffneten Evangelienbuch kniete, „das von einem Priester, einem Diakon, einer Pastoralassistentin und einer Religionslehrerin gehalten wird. Das feierliche Amen aller Anwesenden bestätigte das Gebet der Bischöfe und machte es zum gemeinsamen Gebet der Kirche: ,So sei es!‘“

Damit war Grünwidl geweiht. Dann folgten die Erklärung des Bischofsamts, Aufgaben und Pflichten, und die Übergabe seiner Insignien, also seiner Amtszeichen.

Übergabe der Insignien
Dazu erwartete Grünwidl an der Kathedra mit seinem Wappen den Bischofsstab: Dieser wurde „von Hand zu Hand in der Mitte des Domes weitergegeben, bis sein Vorgänger ihm den Stab übergibt und der neue Erzbischof erstmals auf seiner Kathedra zum Sitzen kommt“, erklärt die Erzdiözese: „Das Sitzen hat eine symbolische Bedeutung und verweist auf den sitzend lehrenden Christus bei der Bergpredigt (Mt 5,1-2). Mit diesem Akt hat die Erzdiözese Wien ihren 33. Bischof.“

Seine Insignien hat Grünwidl übrigens ebenfalls recht bescheiden gewählt:  Der Hirtenstab ist der schlichte Holzstab des verstorbenen Wiener Weihbischofs Helmut Krätzl, nur mit einer versilberten Krümme am Ende, als Bischofsring wird er einen versilberten Konzilsring und sein Kreuz ist eine Kopie des Kreuzes von Papst Franziskus. Nur die Bischofsmütze, die „Mitra“, ist extra angefertigt worden: „Die muss einfach passen“, hatte Grünwidl vor der Feier dazu erklärt.

In aller Kürze

  • Josef Grünwidl wurde 1963 in Hollabrunn geboren und wuchs in Wullersdorf auf. 1988 empfing er die Priesterweihe. Seelsorglich tätig war er in Wien und Wiener Neustadt, später als Pfarrer im südlichen Niederösterreich und in Perchtoldsdorf.
  • Von 1995 bis 1998 war er Sekretär von Erzbischof Schönborn, 2023 wurde er zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd ernannt.
  • Seit der Emeritierung von Kardinal Schönborn am 22. Jänner 2025 leitete er die Erzdiözese interimistisch als Apostolischer Administrator der Erzdiözese Wien.

Erster Segen als Erzbischof
Im Stephansdom folgen dann noch die Eucharistiefeier, Fürbitten und Co., bevor Grünwidl die Gläubigen zum Abschluss das erste Mal in seinem neuen Amt segnen wird, aber zuvor segnet die Gemeinde ihn: „Segnen und gesegnet werden – ein Zeichen wechselseitiger Obsorge und des gemeinsamen Wohlwollens – das gilt auch über die Grenzen der eigenen Konfession hinweg.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt