07.01.2019 11:48 |

Pistenpräparierung

Mit „510 Pferden“ durch die Nacht

Hat der letzte Skifahrer die Piste verlassen, beginnt die Arbeit der Raupenfahrer. Mit 510 Pferden unter der Haube geht es durch die Nacht.

Es ist finster geworden auf der Turracher Höhe, die Wintersportler stärken sich beim Abendessen oder feiern in den Skibars. Unterdessen haben Mathias, Hubert, Herbert, Florian, Christopher sowie Michael und Markus ihre Arbeitsgeräte gestartet. „Baggerfahren ist cool, aber eine Pistenraupe zu steuern ist genial, das Allerhöchste, das es in der Land- und Bautechnik gibt“, schwärmt Mathias Trippl. Der 26-Jährige leitet den Raupentrupp auf der Turracher Höhe. Heute Nacht sitzt er im hochmodernen Cockpit eines Pistenbully Polar 600. „Was wir heute Nacht machen? Das, was wir den ganzen Winter machen. Wir bringen den Schnee wieder auf den Berg hinauf, den Skifahrer tagsüber runter schieben.“ Bei jedem Wind und Wetter, oft bis in die frühen Morgenstunden. Feiertage? „Kennen wir in der Wintersaison nicht“, sagt Mathias: „Ganz schlimm ist unser Job im Nebel, da sieht man oft gar nichts mehr, die Augen schmerzen dann nur noch vor Anspannung und bei Windspitzen von knapp 200 km/h glaubt man, die Kabine hebt ab. Der Sturm hat schon öfters die Spiegelverkleidung weggerissen“, schildert Mathias die Härten seines Jobs.

Die Orientierung nicht zu verlieren, ist bei solchen Wetterverhältnissen das Wichtigste. „Man muss den Berg und das Gelände einfach kennen, sonst hat man im Winter keine Chance.“ 125 Hektar Piste gilt es jede Nacht zu präparieren. Bis zu 300 Kilometer werden dabei zurück gelegt. „Wenn wir mit sieben Maschinen voll fahren, dann verbrauchen wir pro Nacht 1000 Liter Sprit.“ Doch nicht nur die Nacht und das Wetter fordern von den Raupenfahrern einiges ab. Denn neben dem Steuern des Pistenbullys müssen noch das Schild und die Fräse mittels Joystick bedient werden. Mathias: „Mit dem Schild kann ich Schnee fassen und mitnehmen oder wegdrücken. Mit der Fräse wird bei bis zu 1600 Umdrehungen der Schnee gehäckselt, gelockert und gleichmäßig auf den Skipisten verteilt. Danach wird mit dem ,Finisher‘ das typische Muster einer frisch präparierten Piste in den Schnee gepresst.“

Wer einen Raupenfahrer zur Weißglut bringen will, der fährt nachts über eine gerade erst bearbeitete Strecke. „Skitourengeher sind deshalb nicht unsere Freunde!“, so der Raupenfahrer, denn „ein einziger Skitourengeher kann unsere stundenlange Arbeit mit nur wenigen Schwüngen vernichten und wir müssen die betroffene Piste danach wieder völlig neu präparieren.“ Nachts abfahren kann aber auch lebensgefährlich sein. „Steile Pisten müssen wir mit einem speziellen Pistengerät bearbeiten. Die tonnenschwere Maschine wird dabei an einem elf Millimeter dünnen Stahlseil befestigt, das bis zu 1,4 Kilometer lang ist und in beide Seiten bis zu 60 Meter ausschwingen kann. Wir Raupenfahrer sind junge Männer, aber auch Familienväter und niemand von uns will einen toten Tourengeher aufklauben, weil dieser vom Stahlseil getroffen wurde.“

Doch nicht nur die Skitourengeher, auch die Maschinen selbst bereiten den Raupenfahrern Sorgen. „Es gibt wohl keine Nacht, wo nicht irgendeine Maschine ein technisches Problem hat. Das reicht von einer kaputten Birne bis hin zum geplatzten Hydraulikschlauch. Wir Mechaniker haben jedenfalls das ganze Jahr zu tun. Und man kann sich vorstellen, wie anstregend die Arbeit ist, wenn eine Raupe auf der Piste eine 1100 Kilogramm schwere Kette verliert.“ Für Elke Basler von der Turracher Höhe und auch die Skifahrer sind die Raupenfahrer zweifellos die „Helden der Nacht“. Dankeschön.

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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