25.12.2018 07:30 |

Überlebenskampf

Die ersten Weihnachten: Atme weiter, kleiner Tim!

Im Haus der Ronald McDonald Kinderhilfe beim LKH Graz finden Familien eine Bleibe, deren Kinder schwer krank im Spital liegen. Wir erzählen vom kleinen Tim aus Kärnten, der den ersten Teil seines Lebens auf der Grazer Intensivstation verbringen musste. Kurz vor Weihnachten durfte der noch kleine, aber dennoch schon so große Kämpfer nach Hause.

Schwangerschaft, Geburt, die ersten Tage im Krankenhaus: Alles war normal, als der kleine Tim Skofitsch am 15. Oktober auf die Welt kam. Bald durften Mama Marion (30), Papa Michael (37) und Schwester Lena (6) das jüngste Familienmitglied im trauten Heim in Kühnsdorf (Bezirk Völkermarkt) willkommen heißen.

Tim lief plötzlich blau an
„Die erste Woche verlief wunderbar“, erinnert sich Marion Skofitsch an ihr neues Mutterglück. Bis Tim eines Tages plötzlich blau anlief und bewusstlos wurde. „Das waren drei, vier Sekunden. Ich hab ihm auf den Rücken geklopft, und er ist wieder aufgewacht.“ Die Rettung brachte Tim ins Klagenfurter Spital, wo sofort ein Röntgen gemacht wurde: „Der rechte Lungenflügel war viel zu groß, ganz überbläht. Der linke Flügel viel zu klein.“

„Er kann jederzeit sterben“
Tim wurde auf die Grazer Kinderklinik verwiesen, wo eine Computertomographie den Grund seiner Beschwerden enthüllte: Im Bronchus befand sich eine Segelklappe, die dort nicht sein sollte. Sie verschloss beim Ausatmen die Lunge. „Die Ärzte haben mir klipp und klar sagen müssen, dass er jederzeit sterben kann“, erinnert sich Mama Marion unter Tränen. Es gelang, die Segelklappe wegzulasern. „Wir waren guter Hoffnung, dass wir heim können.“

Doch dann kam die Nachuntersuchung - und die nächste Hiobsbotschaft. Im Bronchus fehlt eine Knorpelspange. Das weiche Gewebe fällt zusammen und verschließt den Atemweg.

Eingriff war zu riskant
Bronchomalazie heißt diese seltene Krankheit. „Die Ärzte haben gerätselt. Ein Eingriff ist zu riskant, haben sie gesagt.“ Ergebnis: Tim braucht zusätzlichen Luftdruck, der die Atemwege offen hält. „Deshalb muss er jetzt ein Atemgerät tragen, rund um die Uhr.“

Kein Arzt kann sagen, wie lange es dauern wird, bis der Bronchus des kleinen Buben stark genug ist, dass er ohne Hilfe atmen kann: Zwei Jahre? Fünf Jahre? Zehn? „Die Maschine, die ihm beim Atmen hilft, ist nicht mobil“, erklärt Marion Skofitsch - und fragt sich: „Wie wird das sein, wenn er anfängt zu krabbeln? Werden wir spazieren gehen können?“

Es wird einfach geholfen
Fast sein ganzes bisheriges Leben hat der kleine Tim auf der Intensivstation verbracht, seit Ende Oktober. Gott sei Dank gab es fernab der Heimat eine wunderbare Lösung für die Familie: Mama Marion fand im Grazer Haus der Ronald McDonald Kinderhilfe Unterschlupf, gleich neben der Klinik. Da wird nicht gefragt im Notfall, sondern einfach geholfen: Es gibt Privatsphäre, eine freundliche Umgebung - und Familien, die ein ähnliches Schicksal teilen. Auch Papa Michael und Tochter Lena konnten dort wohnen, wenn sie aus Kärnten auf Besuch kamen.

Marion ist dankbar für die einfühlsame und respektvolle Fürsorge. „Sonst hätten wir in ein Hotel ziehen müssen, um Tim nahe zu sein.“ Und das wäre unleistbar gewesen. Denn immer wenn die Familie dachte, er dürfte bald nach Hause, kam die nächste Untersuchung - und es hieß: noch nicht.

Die achte Vollnarkose
So auch Anfang Dezember. Da entdeckten die Ärzte einen Polypen an der gelaserten Stelle. Wieder ein Eingriff. Wieder Vollnarkose - die achte in Tims jungem Leben. Dann das Bangen vor der nächsten Untersuchung am 20. Dezember, der letzten vor Weihnachten. Und die brachte endlich eine gute Nachricht in dieser schweren sorgenvollen Zeit: Tim ist so weit stabil. Er darf seine erste Weihnacht daheim verbringen! Ein schöneres Christkind hätten sich Marion, Michael und Lena nicht wünschen können.

Matthias Wagner
Matthias Wagner
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