Di, 11. Dezember 2018

„Schlechtes Blut“

05.12.2018 15:48

Eigene Mutter halb tot geschlagen: Einweisung

Mit einer Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ist der Prozess gegen einen 35 Jahre alten Wiener am Mittwoch zu Ende gegangen. Der psychisch kranke Mann hatte Ende Juni seine Mutter, die auf Besuch war, halb tot geprügelt, die 58-Jährige musste zwei Wochen auf der Intensivstation behandelt werden. Die Entscheidung ist bereits rechtskräftig.

Die Frau hatte ihren Sohn, der an paranoider Schizophrenie leidet, am 26. Juni in dessen Wohnung in der Denisgasse im Bezirk Brigittenau besucht, weil sie sich Sorgen machte und nach dem Rechten sehen wollte. Der 35-Jährige hatte am Vortag depressiv gewirkt, auch geäußert, nicht mehr leben zu wollen. Seine Mutter sei jedoch zu früh in seine Wohnung gekommen, was ihm nicht gepasst habe, so der Angeklagte vor Gericht. Sie habe das bemerkt und sei deshalb „angefressen in der Tür gestanden“. Dabei habe sie die Arme gehoben: „Vielleicht habe ich grimmig dreingeschaut.“ In diesem Augenblick habe ihn die Erinnerung an seine Kindheit und Jugend eingeholt. „Ich hab mich immer eine Stunde hinstellen und mir ihre Vorträge anhören müssen.“ Das habe er diesmal nicht hinnehmen wollen: „Wahrscheinlich sind wir beide mit dem falschen Fuß aufgestanden.“

Mutter minutenlang traktiert
Daraufhin ging der Sohn auf die Mutter los und traktierte sie nach Angaben des Gerichtsmediziners Wolfgang Denk offenbar minutenlang mit Fäusten und Füßen. Er brach der 58-Jährigen dabei auf der rechten Seite sämtliche Rippen, auf der linken vier. Sie erlitt außerdem einen Bruch zweier Brustwirbel, mehrere Lendenwirbelbrüche sowie einen Bruch eines Halswirbels, eine Fraktur des Schulterblattes sowie eine Schädelprellung und acht Rissquetschwunden am Kopf, berichtete der Experte.

Als der Sohn von der 58-Jährigen abließ, rief er seinen Vater an und berichtete, dass die Mutter gestürzt sei und Hilfe brauche. Als der Vater am Ort des Geschehens eintraf, verständigte er sofort die Rettung. Die lebensgefährlich verletzte Frau wurde sofort ins AKH eingeliefert und danach zwei Wochen lang auf der Intensivstation behandelt.

Mutter „vom Teufel besessen“
„Er ist gegen uns nie aggressiv geworden. Also keine Handgreiflichkeiten“, schilderte der Vater des 35-Jährigen als Zeuge. Aufgrund von Drogenkonsum sei bei seinem Sohn mit 17 Jahren „die Krankheit durchgebrochen“. Als er seine Frau übel zugerichtet vorfand, habe ihm sein Sohn erklärt, diese habe „schlechtes Blut“ und sei „vom Teufel besessen“. 
Da der 35-Jährige aufgrund seiner Erkrankung als unzurechnungsfähig erachtet wurde, wurde er nicht wegen versuchten Mordes angeklagt. Vielmehr wurde ein Antrag auf Einweisung in eine Anstalt gestellt, dem schließlich entsprochen wurde.

Ihrem Sohn hat die Mutter übrigens bereits verziehen, wie der Ehemann vor Gericht erklärte: „Sie macht sich schon wieder Sorgen um ihn.“

 krone.at
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