Erstmals seit August wieder die ganz langen Latten an den Füßen. Die ultimative Abfahrerin war Anna Veith ja nie. Auch nicht damals, als sie noch Fenninger hieß. In das Thema Abfahrt sei sie eigentlich nur so hineingerutscht, meint sie: „Weil ja, weil ich gut war.“
Im Herzen ist die 29-Jährige Riesentorläuferin - und wird das auch bleiben. Aber als dann beim ersten Training in Lake Louise die langen Brettln Fahrt aufnahmen, dann ging Anna doch das Speed-Herz auf: „Cool, wenn es endlich so richtig dahingeht. Und erstmals wieder über 100 Sachen - ich liebe diesen Kick!“ Neun Abfahrten hat Veith seit ihrem fatalen Trainingsunfall im Oktober 2015 bestritten, mit einem fünften Platz in Garmisch im Februar dieses Jahres als bestes Comeback-Resultat.
Da scheint das Stockerl durchaus in Griffweite zu sein. Vielleicht gelingt ihr ja im zweiten Teil ihrer Karriere das, was ihr im sagenhaften Erfolgslauf vor dem Unfall skurrilerweise versagt geblieben ist: ein Sieg in einer Abfahrt! Achtmal war sie im Weltcup auf dem Downhill-Podest, dreimal Dritte und fünfmal Zweite, einmal gar nur 15 Hundertstel hinter Andrea Fischbacher (2014, Crans Montana), aber ein Sieg war trotz allem nie drinnen gewesen. Geht’s jetzt? Anna zuckt die Achseln: „Es wurmt mich nicht, dass mir der Sieg in der Abfahrt noch fehlt. Da ist bei mir eben nicht so viel Herzblut drinnen wie beim Riesentorlauf. Ich müsste einfach mehr investieren. Ein Training im August in Zermatt ist nicht viel. Und das sagt alles.“
„Taste mich heran“
Das Unmögliche möglich machen - das war und ist Annas Devise. Und eine Kämpferin ist die 1,66 Meter große Rennfahrerin vom Scheitel bis zu Sohle.
„Wenn’s kommen sollte, nehme ich’s mit Freude“, lächelt sie. Vielleicht in Lake Louise. Obwohl die schnelle, recht einfache Piste ihr nicht entgegenkommt. „Aber ich taste mich heran.“ 1,83 (23.) Rückstand im ersten, 1,29 (7.) im zweiten Trainingslauf. Schnellste bei schlechter werdendem Wetter: Kira Weidle (D) - Nici Schmidhofer gleich dahinter.
Georg Fraisl/ Lake Louise, Kronen Zeitung
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