Do, 13. Dezember 2018

Frühgeburten

19.11.2018 06:00

Wenn es Babys eilig haben

In Österreich kommt etwa jedes 12. Neugeborene zu früh auf die Welt. Dank moderner Medizin und liebevoller Betreuung (auch die Eltern werden intensiv miteinbezogen) können diese „Frühstarter“ später meist ein ganz normales Leben führen. 

Die vorzeitige Geburt stellt für Eltern einen Schock dar. „Der neue Erdenbürger wiegt oft nicht einmal 1000 Gramm und muss meist wochenlang auf einer Intensivstation bleiben. In dieser Zeit ist es wichtig, die Eltern zu unterstützen und sie möglichst früh in die Pflege ihres Kindes einzubeziehen. Auch der regelmäßige Körperkontakt zum Baby, soweit möglich auch Stillen, ist für die Bindung und Entwicklung des Neugeborenen ganz entscheidend“, betont Prim. Dr. Roland Berger, Abteilungsvorstand St. Josef Krankenhaus Wien.

Welche Folgeschäden können auftreten, wenn ein Kind zu früh auf die Welt kommt?
Prim. Berger: „Das Überleben der Frühgeborenen und ihre Prognose hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Generell gilt: Je früher ein Neugeborenes zur Welt kommt, desto häufiger treten Komplikationen auf. Man unterscheidet zwischen kurzfristigen, wie z. B. Atemnot, Infektionen, Temperaturinstabilität, Gelbsucht oder auch Schwierigkeiten bei der Essensverwertung. Die Verdauung ist noch unreif, daher wird die Nahrung oft schlecht toleriert, und die Kinder bekommen etwa einen geblähten Bauch. Langfristige Folgen können neurologische Störungen wie Entwicklungsverzögerungen, aber auch Sehbehinderungen sein.“

Was steckt hinter einer Frühgeburt?
Prim. Berger: „Ein häufiger Grund ist das Platzen der Fruchtblase und vorzeitiges Auftreten von Wehen. Meist steckt eine Infektion dahinter. Zwillinge haben es ebenfalls oft besonders eilig. Zudem kann eine Schwangerschaftsvergiftung Auslöser sein.“

Eine wichtige Maßnahme, um dem „Frühstarter“ und seinen Eltern zu helfen, ist das „Känguruhing“. Dabei wird das nackte Baby auf den unbekleideten Oberkörper gelegt. Der direkte Hautkontakt zwischen dem Baby und seinen Eltern fördert die Bindung. Bei der Mutter erfolgt dabei die Ausschüttung des Hormons Oxytocin. Dieses spielt eine Schlüsselrolle für die Liebe und die Entwicklung der Mutter-Kind-Beziehung. Der frühe Aufbau dieser Bindung ist für die psychosoziale und emotionale Entwicklung des Babys wichtig. Zusätzlich werden alle Sinne positiv angeregt. Der Nachwuchs wird durch die Stimme der Mutter oder des Vaters akustisch stimuliert, es hört den Herzschlag der Eltern und kann ihren Körpergeruch wahrnehmen. Der Säugling riecht die Muttermilch und saugt bei Bedarf an der Brust. So wird das Stillen gezielt gefördert.

Das regt auch die Gehirn- und Sinnesentwicklung an: Im letzten Drittel der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr findet der größte Reifungsschub des Gehirns statt. Die normale Entwicklung setzt die Vermehrung der Nervenzellen und deren Vernetzung voraus. Dies ist jedoch nur bei Reizung der Sinnesorgane möglich. Es bedarf also einer Umgebung, in der Zellen diese Signale aufnehmen, über die Nervenbahnen weiterleiten und sich vernetzen. Daraus entsteht ein Netzwerk aus Milliarden von Neuronen und Synapsen. In der Gebärmutter herrschen dafür ideale Bedingungen. Ziel einer entwicklungsfördernden Betreuung ist es, die Wärme und den Schutz der Gebärmutter so gut wie möglich zu simulieren und damit die optimale Reifung frühgeborener Kinder zu fördern.

Karin Rohrer-Schausberger, Kronen Zeitung

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