13.11.2018 06:00 |

Folgen bei uns spürbar

So veränderte der Terror unser Leben

Paris gedenkt am Dienstag der 130 Toten und mehr als 350 Verletzten der IS-Anschläge (siehe Video oben) vor genau drei Jahren. Die Folgen sind noch immer zu spüren - auch in Österreich …

„Wir lassen uns nicht unterkriegen. Dieser Hass kann uns nicht besiegen.“ Die Botschaft, die vor drei Jahren auf dem Place de la République stand, war klar - und dennoch hat der Terror das Stadtbild verändert.

Paris lebt nach wie vor im Soge des monatelangen Ausnahmezustandes. Polizei, deren Sicherheitsetat seither um rund 425 Millionen Euro aufgestockt wurde, und Militär patrouillieren rund um die Uhr in der Seine-Metropole.

Grazer entwickelte Schutz für Eiffelturm
Mitte September wurde der Eiffelturm „eingezäunt“. Er ist von einer 70 Millimeter dicken Glasmauer umgeben, die der Grazer Architekt Dietmar Feichtinger entwarf. „Diskret und hochtransparent, um die Sichtperspektive zu wahren.“ Schließlich soll das Foto der Touristen trotz Terrorschutz passen - jene aus Japan, Russland und Italien kamen nach den Anschlägen um bis zu 40% weniger.

Dass neben der Videoüberwachung „auch die Sensibilität“ zunahm, merkte Elena Wibmer. Die Lienzerin war in Paris als Au-pair tätig und am 13. November „fünf Gehminuten vom Bataclan entfernt“, in dem der Hauptanschlag stattfand. Mittlerweile lebt die Studentin in Graz. „Jetzt, wenn die Weihnachtsmärkte öffnen, wird noch mehr auf Sicherheit geachtet.“ Längst wurden hier, genauso wie in vielen anderen österreichischen Städten, Poller installiert.

Barrieren erinnern an die latente Gefahr
Davon gibt es alleine auf dem Wiener Rathausplatz 78 Stück - nicht nur zu Weihnachten, sondern an 365 Tagen im Jahr. Die Barrieren vor den Adventständen erinnern latent an jene Gefahr, der viele Europäer ausgesetzt sind.

Für die Wienerin Marion Kulunschic - sie war während des Anschlags in Paris und studiert aktuell dort - gehören Sicherheitsaspekte längst zum Alltag. Sie fühlt sich in der Stadt der Liebe aber sicher. Auch in Massen wie auf der Prachtmeile Champs-Élysées, wenn diese sonntags für Spaziergänger freigegeben wird. „Da werden Taschen kontrolliert. Mal genauer, mal weniger. Das ist hier schon normal.“

„Krone“ in Paris: Trauertage in der Stadt der Liebe
Kerzen brennen, beleuchten die vielen Blumen und spenden im November-Wind etwas Wärme. Hier vor dem Bataclan tut das besonders gut. Es ist der Hauptanschlagspunkt. „Monsieur, trauern Sie auch?“, fragt ein Herr den „Krone“-Reporter, der am Tag danach vor der Konzerthalle innehält.

Drinnen hatten in der Nacht davor rund 1500 Rockfans der US-Band Eagles of Death Metal zugehört, als vier IS-Attentäter mit Kalaschnikows in die Menge feuerten, in einem Blutbad 90 Menschen töteten - darunter einen Freund der Tiroler Vorband White Miles oder die Cousine des französischen Ex-Teamfußballers Lassana Diarra. Das Bataclan sollte zum Inbegriff des Terrorangriffs werden, der vor dem Stade de France begann, dann im 10. bzw. 11. Arrondissement vor Restaurants und Bars weiterging. Bilanz: 130 Opfer.

Paris weinte, teils privat, teils öffentlich. Auf Plätzen bildeten Menschen Kreise, stießen aus Lust am Leben mit Rotwein an und hielten sich an den Händen. Nichts, schien es, sei stärker als der Zusammenhalt. Die Solidarität ging gar so weit, dass viele für die Verletzten Blut spendeten. In der Stadt der Liebe, die auch durch den (Internet-)Slogan „Je suis Paris“ weltweite Anteilnahme erfuhr, war das Herz getroffen. Aber nicht gebrochen …

„Das wird mich ewig prägen“
Salim Toorabally, der am Terrorabend beim Stade de France kontrollierte, verwehrte einem Attentäter den Eintritt - die „Krone“ befragte ihn.

Krone“: Kam Ihnen IS-Terrorist Hadfi verdächtig vor, als er beim Test gegen Deutschland am Eingang L war?
Salim Toorabally: Er wirkte nervös, sagte, dass Freunde im Stadion seine Tickets hätten. Ich ließ ihn nicht hinein. Dann sprengte er sich in die Luft.

Sie wurden später in Paris als Held gefeiert.
Die Zeit danach war intensiv. Mit vielen Medienanfragen. Die „Daily Mail“ bot mir eine Reise in meine Heimat Mauritius an, um dort mit mir exklusiv reden zu können.

Welche Anerkennung gab’s von offizieller Seite?
Der damalige Staatschef Hollande lud mich ein, betonte: Nicht ich solle stolz auf das Treffen sein, sondern er sei es. Dazu empfing mich das Fußballteam herzlichst - und vieles mehr.

Warum arbeiten Sie noch immer als Security?
Für mich ist das eine Form der Therapie. Und ich will Paris etwas zurückgeben.

Wie sehr hat Sie dieser Tag mitgenommen?
Ich habe versucht, ihn zu verdrängen. Aber er wird mich wohl ein Leben lang prägen.

Text und Interview: Christian Mayerhofer

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