Sa, 17. November 2018

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13.09.2018 13:36

1649 Euro für ein iPhone: „Ja, geht‘s denn noch?“

1649 Euro für ein Smartphone. Nicht irgendein Smartphone zwar, sondern das neue iPhone XS Max. Und auch nicht in der Einstiegs-, sondern in der Spitzenversion mit 512 Gigabyte. Dennoch: Die Bekanntgabe der neuen iPhone-Preismarke hat selbst viele Apple-Fans am Mittwochabend erst einmal kräftig schlucken lassen. „Geht’s denn noch?“, war nur eine von vielen empörten Reaktionen im Netz. Die Debatte darüber ist jedoch müßig.

Denn nur allzu gerne wird vergessen, wofür Apple eigentlich bereits seit Jahren steht, nämlich teure „Luxus“- oder „Premium“-Produkte. Michael Krammer, damals noch Chef des Mobilfunkers Orange, rechnete bereits 2012 vor, dass ein Apple iPhone mit rund 300 Euro gestützt wird - wodurch es Marktanteile habe, die es ohne Stützung nie erreichen würde. Es wäre ohne Subventionierung dort, „wo es hingehört, im Luxussegment“, so Krammer. Und bei einem Luxus-Sportwagen regt sich schließlich auch niemand darüber auf, dass er mehr kostet als ein Kleinwagen.

Man muss die Kuh melken
Ist es nun „dreist“, dass Apple die Preise für sein iPhone XS neuerlich anhebt? In der freien Marktwirtschaft bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Und Letztere scheint bei Apple zu stimmen - nicht umsonst knackten die Kalifornier Anfang des Monats als erstes US-Unternehmen den Börsenwert von einer Billion Dollar. So lange es also genügend Käufer gibt, die bereit sind, derartige Preise zu zahlen, wäre Apple schlicht blöd, nicht noch einen draufzulegen. Man muss die Kuh schließlich melken, solange sie Milch gibt.

Den Käufern kann man allerdings auch keinen Vorwurf machen, wenngleich das Android-Lager dies oft tut und die Apple-Käuferschaft gerne als versnobbt und dergleichen mehr abstempelt. Denn materieller Wert hat immer auch mit persönlicher Wertigkeit zu tun. Der eine legt Wert auf ein schmuckes Auto, der andere auf ein Smartphone.

Sind andere Hersteller bloß zu günstig?
Was man sich angesichts der neuen iPhone-Preise allerdings fragen könnte, ist, ob diese gerechtfertigt sind. Auch Apple lässt schließlich günstig unter teils prekären Arbeitsbedingungen in Fernost fertigen - wie übrigens alle anderen Hersteller auch. Möglicherweise sind deren Smartphones aber einfach bloß zu günstig.

Womit wir bei der noch immer viel zu selten diskutierten Frage nach Nachhaltigkeit und fairen Arbeitsbedingungen im Bereich der IT bzw. Unterhaltungselektronik wären. Und vor allem: Braucht es angesichts zunehmend kleinerer Innovationssprünge wirklich jedes Jahr ein Modell-Upgrade?

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle

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