Di, 25. September 2018

Lemawork Ketema (32)

13.08.2018 17:46

Ehemaliger Flüchtling holte Bronze für Österreich

Im Frühjahr 2013 hat Lemawork Ketema seine Heimat Äthiopien auf der Suche nach einem sicheren Leben verlassen - und ist in Österreich gelandet! Nach seiner Ankunft in Traiskirchen wartete er als Flüchtling in Greifenstein an der Donau auf den positiven Asylbescheid. Im Dezember 2015 wurde die Einbürgerung durch den Ministerrat beschlossen. Zweieinhalb Jahre später gewann Ketema mit seinen Kollegen EM-Bronze im Marathon für Österreich.

Platz acht in der Einzelwertung der Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin mit der persönlichen Bestzeit von 2:13:22 Stunden war die mit Abstand beste eines ÖLV-Athleten in einem Marathon-EM-Rennen überhaupt. Gemeinsam mit Peter Herzog und Christian Steinhammer bedeutete das für den 32-jährigen Ketema Team-Bronze. Sportminister Heinz-Christan Strache freute sich mit, er sieht „diese Leistungen als Hinweis für neue Impulse im Österreichischen Leichtathletikverband“. Es war das zweite Bronze in Berlin nach jenem im Diskuswurf von Lukas Weißhaidinger.

Sportlich gesehen war in beiden Fällen der Weg an die Spitze hart erarbeitet. Menschlich betrachtet ist jener von Ketema schicksalsbehaftet. Bereits 2011 war er einmal für den Wien-Marathon in Österreich gewesen, hatte einen ersten Eindruck vom Land gewonnen, das später seine neue Heimat werden sollte. Seine nächste Reise in die Alpenrepublik wurde dann zum Ende einer Flucht. Im Mai 2013 wurde Lemawork Ketema Weldearegaye zunächst für den Salzburg-Marathon eingeladen. Er kam dann aber Hals über Kopf nach Salzburg. Man hatte ihn vorher eingesperrt, weil er politisch verfolgt wurde.

„Wenn ein Schwarzer in dieser Geschwindigkeit durch den Wald hirscht„
“Er kaufte sich das Ticket selbst, kam, lief in Salzburg (Platz drei/Anm.) und traute sich nicht mehr heim. In seiner Familie waren Leute umgekommen, auch Freunde waren verschwunden. In Äthiopien ist man da nicht zimperlich. Lemawork hatte Angst und blieb hier„, erzählte sein Trainer und Manager Harald Fritz.  Ketema sprang Fritz förmlich ins Auge. “Wenn in den Stockerauer Auen ein Schwarzer in dieser Geschwindigkeit durch den Wald hirscht, fällt er auf“, erinnerte sich Fritz an die erste Begegnung.

Er sammelte Laufschuhe und Gewand für den Flüchtling aus Afrika und lud ihn in seine Trainingsgruppe ein. Er begleitete ihn durch das Asylverfahren. Nach seiner Asyl-Zeit nahm Ketema nie Mindestsicherung in Anspruch, erwähnte Fritz. „Er sagt immer, ich habe einen Job, ich bin Läufer. Er hat nie einen Euro aus dem Sozialtopf genommen. Er lebt von den mageren Förderungen. Und die sind heuer aber noch weniger geworden, weil er vergangenes Jahr verletzt war.“ 2017 betrug das Jahresbudget des mittlerweile gut Deutsch sprechenden Wahl-Wieners 20.000 Euro. „Nach der Vorbereitung auf den Linz-Marathon im Frühjahr waren wir pleite. Wir haben uns überlegt, wie wir die Vorbereitung auf die EM schaffen können.“

Ketema hat nur ein Ziel: „Schnell laufen!“
Fritz stellte etwas Geld auf und fand für das fünfwöchige Höhentrainingslager in St. Moritz ein „unpackbar billiges Quartier“, das 23 Euro am Tag kostete. „Es war sehr schön dort, mein Training war gut“, war Ketema zufrieden. Für Physio und Massage war allerdings kein Geld mehr da. „Wir sind jetzt wieder pleite. Wie wir uns auf die WM im nächsten Jahr vorbereiten können, wissen wir noch nicht“, sagte Fritz und hofft, dass die Berlin-Leistung Interesse bei weiteren Sponsoren weckt. Der ÖLV wird sich für ein finanziertes Olympia-Projekt für Österreichs Marathon-Team starkmachen. Denn nach der Katar-WM soll es auch für Ketema zu den Sommerspielen 2020 nach Tokio gehen. Olympia ist der Traum, für den er lebt. „Er arbeitet akribisch, sehr fokussiert, er ist kein großer Feierer, hat es auch gestern nicht getan“, sagte ÖLV-Sportkoordinator Hannes Gruber. Und Ketema hat ohnehin nur ein Ziel: „Schnell laufen. Meine Bestzeit verbessern.“

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