Di, 11. Dezember 2018

Skoliose

22.07.2018 06:00

„Ich lasse mich nicht unterkriegen!“

Über viele Jahre lang quälten Daniela Hohenwarter heftige Skoliose-Beschwerden. Doch sie hat nie aufgegeben und ihre Schmerzen nun dank zahlreicher Therapien und Operationen im Griff.

Als die heute 42-Jährige im Alter von sechs Jahren wegen Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) zu Kontrolluntersuchungen auf die Kinderklinik Graz musste, fiel den Ärzten auf, dass auch etwas mit der Wirbelsäule nicht passte. Der Krümmungsgrad war zunächst nicht dramatisch, verschlechterte sich jedoch im Laufe der Jahre. Außerdem ist Daniela vorbelastet durch Skoliose in der Familie. Im Alter von elf stand gezieltes Wirbelsäulentraining auf dem Plan. Doch auch die zweimal wöchentlichen Einheiten und tägliches Trainieren zu Hause brachten nicht den gewünschten Erfolg.

Inzwischen hatte sich die Krümmung auf über 20 Grad verstärkt, der jungen Dame blieb ein Korsett nicht erspart. „Zunächst wurde ein Gipsabdruck angefertigt und ich musste mich 10 Tage lang im Spital an das Kunststoff-Korsett gewöhnen. Es fühlte sich wie eine zweite, aber harte Haut an. Nur zum Duschen und Turnen durfte ich den ’Panzer‘ ausziehen.“ In der Teenagerzeit war das natürlich besonders schlimm. „Jeder hat mich angeschaut, und gefragt: ,Was hast Du da?‘. Ich trug weite Kleidung, ging nicht mehr gerne ins Schwimmbad, und das Korsett musste ständig neu angepasst werden, was wieder Beschwerden verursachte.“ Im Sommer empfand sie den „Panzer“ überhaupt als Katastrophe. All das nagte am Selbstbewusstsein, sie zog sich immer mehr zurück.

Endlich, mit 17 Jahren, durfte sie die „Kunststoffhülle“ schrittweise weglassen. Zuerst für Stunden, dann über Nacht. „Es war ein super Gefühl, ohne Korsett einzuschlafen.“ Muskelaufbau und Übungen musste sie weiter durchführen. Doch die Krümmung verstärkte sich langsam wieder. Im Alter von 21 Jahren wurde Daniela Hohenwarter schwanger. „Darunter hat die Wirbelsäule sehr gelitten, die Krümmung verschlechterte sich rapid. Im Brust- und Lendenbereich zeigte das Röntgen 58 bzw. 40 Grad Krümmung. Es bildete sich ein regelrechter Rippenbuckel.“

Schließlich blieb nur ein Ausweg: Die Wirbelsäule zu versteifen. Inzwischen war sie 27, ihre Tochter sechs Jahre, und sie steckte mitten im Hausbau. Mit Unterstützung der Familie entschloss sie sich 2003 zu diesem Eingriff. „Es war nicht einfach von heute auf morgen mit einer steifen Wirbelsäule zu leben, ich fühlte mich wie ein Käfer, der auf dem Rücken liegt und nicht aufkommt. Viele Tätigkeiten musste ich neu lernen“, sagt sie rückblickend. „Aber ich beschloss zu kämpfen und mich nicht unterkriegen zu lassen.“ 10 Jahre ging alles gut. Danach zeigten sich Abnützungserscheinungen, die sie beim Aufstehen und Bücken beeinträchtigten. Meine Familie half mir so gut es ging.

Massagen, Elektrotherapie, Infiltrationen brachten nur leichte Besserung. Die Behandlungsmöglichkeiten schienen ausgeschöpft. „Dann suchte ich die Wirbelsäulenambulanz auf der Stolzalpe auf. Zehn Tage stationäre Schmerztherapie bescherten mir zwei Jahre fast Beschwerdefreiheit. Danach musste noch einmal ein Bereich der Lendenwirbelsäule versteift werden. Mit tollen Übungen, die mir meine Physiotherapeutin gezeigt hat und die ich nun täglich durchführe sowie Schwimmen und Radfahren, habe ich die Schmerzen im Griff.“ Daniela Hohenwarter lässt auch einen positiven Nebeneffekt nicht unerwähnt: „Mein Körper ist dadurch gut geformt und durchtrainiert.“

Heute sieht man ihr die schwere Bürde nicht an. „Ich habe gelernt, mit meiner Krankheit zu leben. Mich nicht gehen lassen, schön anziehen, ein bisschen schminken - das tut meinem Gemüt gut. Jammern ist nicht meine Stärke.“ Deshalb gründete sie eine Selbsthilfegruppe Skoliose, um andere Menschen in ähnlicher Situation zu unterstützen und zu motivieren, nie aufzugeben.

Was bedeutet Skoliose?
„Es handelt sich dabei um eine seitliche Verbiegung mit Verdrehung der Wirbelsäule“, erklärt Prim. Doz. Dr. Gerd M. Ivanic, Ärztlicher Leiter des OK-Institutes der Privatklinik Graz-Ragnitz. In schweren Fällen ist eine Operation angezeigt. „Und zwar üblicherweise ab 50 Grad seitlicher Verbiegung der Brust- und ab 40 Grad der Lendenwirbelsäule. Ab diesem Krümmunswinkel wird im Brustbereich die Lungenfunktion eingeschränkt, im Lendenbereich kann es zu starken Schmerzen kommen und die Sitzfähigkeit könnte verloren gehen. Außerdem verschlimmert sich die Krümmung im Laufe der Zeit.“

Ziel des Versteifens von Segmenten der Brust- bzw. Lendenwirbelsäule ist die Korrektur der Verbiegung und ein Funktionserhalt der restlichen Wirbelsäule. Die Haltung sollte so sein, dass der Kopf gerade über dem Becken steht. „Wenn rechtzeitig behandelt wird, lassen sich gute Erfolge erzielen. Die Patienten sind in den häufigsten Fällen bald nach dem Eingriff wieder belastungsfähig und können meistens wieder ihrem Beruf nachgehen“, so Prim. Ivanic.

Info: hohenwarter@chronischkrank.at; www.chronischkrank.at

Eva Rohrer, Kronen Zeitung

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