Mi, 15. August 2018

Visumzwang beendet

21.06.2018 12:12

Bereits Tausende Iraner nach Serbien eingereist

Seit Serbien im Herbst 2017 die Visumpflicht für iranische Staatsbürger aufgehoben hat, ist der Balkanstaat zu einer der beliebtesten Destinationen für Iraner geworden. Mindestens 6600 Menschen kamen laut der in Belgrad angesiedelten NGO Info Park seit Jahresbeginn nach Serbien, Handels- und Tourismusminister Rasim Ljajic nannte am Donnerstag sogar die Zahl 15.000 seit dem Ende des Visumzwangs! Die meisten von ihnen kamen mit Direktflügen aus Teheran und fanden in Flüchtlingsunterkünften Unterschlupf. Ihr eigentliches Reiseziel ist jedoch die EU.

Auf der einen Seite will Serbien unbedingt in die Europäische Union und gelobt, die Außengrenzen zu schützen - auf der anderen Seite öffnet die Regierung mit der erteilten Visafreiheit für Iraner die Tore zu Europa. Man wolle so den Tourismus fördern und potenziellen Investoren die Einreise erleichtern, so die offizielle Begründung. Wie Urlauber oder Geschäftsleute sehen jedoch kaum Iraner in Serbien aus.

„Sie wissen über Serbien nur, dass sie kein Visum benötigen“
Der Großteil davon hat keinen Rückflug gebucht. Was der Trend in Sachen Asylanträge in Serbien bestätigt: Hatten im November 2017 noch 290 iranische Staatsbürger um Asyl angesucht, waren es im März 2018 bereits 431. „Über Serbien wissen die Iraner kaum etwas. Sie wissen nur, dass sie kein Visum benötigen“, so Stevan Tatalovic von Info Park. „Sie sind aber gut darüber informiert, wie sie sich präsentieren müssen, um Asyl zu bekommen.“

In den Straßen Belgrads warten Schlepper auf Kunden
Tatalovic erklärte weiter: „Sie kommen als Touristen und versuchen, Kontakt zu Schmugglern herzustellen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass in den Straßen Belgrads sehr viele Schlepper unterwegs sind. Die ihre ,Kunden‘ dann an ihr gewünschtes Ziel Richtung Nordwesteuropa bringen sollen.“ Wo sich die hauptsächlich männlichen Migranten ein besseres Leben als in ihrer Heimat erhoffen. Was auch verständlich ist: Die Arbeitslosigkeit im Iran liegt laut Internationalem Währungsfonds bei über zwölf Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit ist geschätzt mehr als doppelt so hoch. Auch die sozialpolitische Unterdrückung in der Islamischen Republik löst große Unzufriedenheit aus - besonders bei der jungen Generation.

Iraner bereits drittgrößte Gruppe in Serbiens Flüchtlingszentren
Info Park hatte bereits im Februar berichtet, dass Iraner mittlerweile die drittgrößte Gruppe in den serbischen Flüchtlingszentren ausmachen. Kürzlich hatte sich der bosnische Sicherheitsminister Dragan Mektic besorgt über die Visaliberalisierung für den Iran geäußert. Serbiens Außenminister Ivica Dacic stellte die neuerliche Einführung des Visazwangs für einzelne Staaten in Aussicht, wenn die Migrantenzahl weiter steigen sollte.

Laut Informationen aus diplomatischen Kreisen plant Serbien allerdings auch, bald auch für Pakistan und Nigeria die Visumpflicht abzuschaffen. „Dies wäre flüchtlingspolitisch ein Wahnsinn“, sagte dazu ein Ermittler zur „Krone“ ...

Klaus Loibnegger, Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.