Pflegenotstand

Viel Arbeit, wenig Fachkräfte - und die Lücke wird größer...

Tirol
23.11.2009 11:09
Darüber, ob in Tirol schon der Pflegenotstand ausgebrochen ist oder nicht, gehen die Meinungen der zuständigen Politiker im Land weit auseinander. Fakt ist: Schon jetzt können nicht alle offenen Stellen in Tirols Krankenanstalten, Heimen und bei den mobilen Diensten besetzt werden. Selbst wenn man die neuen Absolventen dieses Herbstes schon miteinrechnet. Auch das Land geht davon aus, dass die Lücke größer wird und erhöht die Zahl der Ausbildungsplätze.

"Die Zeit des Schönredens ist vorbei. Selbstverständlich gibt es einen Pflegenotstand, wenn schon derzeit rund 100 Stellen nicht besetzt werden können", meinte Landtagsabgeordnete Andrea Haselwanter-Schneider von der liste fritz unlängst. "Pflegekräfte, die jetzt schon fehlen, fehlen in Zukunft erst recht! Denn die Tiroler werden immer älter. Schon bald wird jeder Vierte älter als 65 Jahre sein." Außerdem sei mit dem Wegfall des Kinderregresses (erwachsene Kinder mussten bisher für  Heimbetreuung ihrer Eltern mitzahlen) mit einem verstärkten Andrang auf die Wohn- und Pflegeheime zu rechnen.

"Verunsicherungspolitik, die nicht durch konkrete Daten und Fakten begründet ist", meinen die VP-Sozialsprecherin Sonja Ledl und SP-Landtagsvizepräsidentin Gabi Schiessling hingegen. Die zuständigen Abteilungen des Landes halten permanent Einschau in die Heime und kennen somit die Situation sehr gut.

Vielleicht baut das Land auch deswegen das Schulungsangebot im kommenden Jahr weiter aus. "So werden im gehobenen Dienst 52 zusätzliche Plätze, in der Pflegehilfe 68 und in der Heimhilfe 228 zusätzliche Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen", erklärte Ledl.

Je nach Sichtweise fehlen 24 bzw. 104 Fachkräfte
Mit einer Personalbedarfsstudie hat das Land selbst das Ausmaß der Lücke erhoben: Demnach sind derzeit in Tirols Spitälern, Heimen und Sprengeln 390 Voll- und Teilzeitstellen zu besetzen: diplomierte Pfleger und Krankenschwestern, aber auch Pflegehelfer werden gesucht. Diese 390 rechnet das Land in 310 Vollzeit-Äquivalente um und stellt sie jenen 286 Schülern gegenüber, die noch heuer ihre Ausbildung beenden. Je nach Sichtweise fehlen also 24 Fachkräfte (Land) bzw. 104 (liste fritz).

"Es gibt zwar in einzelnen Bereichen zusätzlichen Bedarf", räumen die zuständigen Landesräte Bernhard Tilg (VP) und Gerhard Reheis (SP) ein. "Grundsätzlich sind wir aber von einem Pflegenotstand weit entfernt."

Die Gesundheitspolitik habe sich auch zum Ziel gesetzt, die medizinische Hauskrankenpflege zu stärken. Denn immer mehr ältere Menschen wünschen, zu Hause gepflegt zu werden. Andrea Haselwanter-Schneider

von Philipp Neuner, Tiroler Krone
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