27.05.2018 19:41 |

GP von Monaco

Red Bull wollte aufgeben - aber Ricciardo gewann!

Es war nicht das spannendste Rennen, für Red Bull aber dennoch eines für die Geschichte. Denn wie Daniel Ricciardo am Sonntag trotz eklatanter Antriebs- und Bremsprobleme ausgerechnet beim 250. GP-Start der „Bullen“ erstmals den prestigeträchtigen Monaco-Grand-Prix gewann, war bemerkenswert. Vor allem, weil man das Auto eigentlich schon vom Rennen zurückziehen wollte.

Das gestand Teamchef Christian Horner nach dem Rennen gegenüber dem Fernsehsender „Sky“ ein. „Das Team sagte mir, dass wir das Auto in zwei Runden hereinholen und abstellen müssten. Aber wenn du in Monaco führst, gibst du nicht auf“, meinte Horner.

Ricciardo emotionalisiert
„Emotionaler geht es nicht“, sagte Ricciardo nach seinem Triumph und erklärte: „Ich hatte plötzlich weniger Power und konnte nur noch bis zum sechsten Gang schalten. Dass wir uns den Sieg mit diesem angeschlagenen Auto geholt haben, ist unglaublich. Denn wir hatten wegen der Probleme echt Zweifel, ob wir es schaffen. Aber dann haben wir am Funk viel gesprochen, und es ist sich ausgegangen. Es fühlt sich supergut an.“

Unterschiedlicher konnte sich die aktuelle Red-Bull-Welt jedenfalls nicht entfalten als in Monaco. Ricciardo der überlegene Mann am ganzen Wochenende, „Crash Kid“ Verstappen dafür nach seinem Trainings-Unfall am Start ganz hinten. Der Fokus beim austro-englischen Rennteam von Dietrich Mateschitz lag an deshalb am Renntag fast ganz beim Australier.

Horner verblüfft
„Es war Hochspannung und ein Zittern über 50 Runden“, gestand Motorsport-Berater Helmut Marko ein, nachdem man den „Favoritensieg“ an der Cote d‘Azur doch noch eingefahren hatte. „Wie hast du das nur geschafft?“, lautet die Frage von Horner an Ricciardo, der das Auto trotz des ab der 28. Runde waidwunden Renault-Antriebs siegreich ins Ziel gebracht hatte.

„Das ist jedenfalls die Vergeltung für 2016“, fügte Horner hinzu und erinnerte damit daran, dass man vor zwei Jahren einen Ricciardo-Sieg mit einem schlechten Boxenstopp vermasselt hatte. Rund 25 Prozent Leistung soll Ricciardo am Sonntag durch den Defekt des Energie-Rückgewinnungsteils MGU-K gefehlt haben. Das wären an die 200 PS.

Zudem stiegen am Wagen des Australiers die Bremstemperaturen gefährlich an. Nicht nur das Motor-Mapping, auch Ricciardos Fahrstil mussten deshalb umgestellt werden. Mit so einem Auto noch zu gewinnen, ist wohl nur in den engen Gassen Monacos möglich. „Ich muss Red Bull und Daniel gratulieren. Sie waren unschlagbar heute“, verbeugte sich selbst der drittplatzierte Mercedes-Weltmeister Lewis Hamilton.

Motivation hatte sich Ricciardo auch von einer denkwürdigen Begegnung mit Tom Brady geholt. Der Quarterback der New England Patriots war neben Hugh Grant einer der geladenen Stars am F1-Wochenende gewesen und hatte zu Werbezwecken sogar einen Football zielsicher von einer Luxusjacht aus in die Hände des in einem anderen Boot wartenden Ricciardo geworfen.

Verstappen Neunter
Red Bull brachte jedenfalls am Jubiläums-Wochenende in Monaco drei von vier Autos in die Punkteränge. Verstappen wurde letztlich Neunter, der starke Pierre Gasly im Toro Rosso Honda sogar Siebenter. Auch der Neuseeländer Brendon Hartley hätte ohne unverschuldeten Unfall wohl gepunktet.

Ob Monaco hinsichtlich der anstehenden Motoren-Entscheidung maßgeblich war, ist zu bezweifeln. In zwei Wochen in Kanada bringen sowohl Renault als auch Honda die nächsten Ausbaustufen, dann sollte Red Bull Racing mehr wissen.

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