Im Juni des Jahres 1809 belagerte die Französische Armee die steirische Landeshauptstadt. Obwohl die Grazer zahlenmäßig weit unterlegen waren, blieb der Angriff erfolglos, die Festung Graz uneinnehmbar. Eine Schmach für den erfolgsverwöhnten Napoleon.
Der Legende nach soll der Feldherr, als man ihm 1797 die Festung zeigte (er hatte sich für sechs Tage im Palais Stubenberg einquartiert), diese abschätzig eine Bruchbude genannt und sich großmäulig damit gebrüstet haben, sie würde einem Angriff seiner Truppen keine 24 Stunden standhalten. "Die Praxis hat dann ein bisserl anders ausgeschaut", stellt Stadtführer Heribert Szakmary trocken fest. Nachdem die Franzosen die Schlacht bei Deutsch-Wagram und damit den Krieg für sich entscheiden konnten, wurde Frieden geschlossen. Unter einer Bedingung: Die Festung Graz musste geschleift bzw. bombardiert werden. "Angeblich auf ausdrücklichen Wunsch Napoleons", weiß Szakmary.
Am 11. November 1809, also vor fast genau 200 Jahren, wurde mit der Sprengung begonnen. Das Donnerwetter dauerte fast zwei Monate, auf den Tag genau bis 4. Jänner 1810. Der Schloßberg glich einem Trümmerhaufen: "Es hat schrecklich ausgeschaut. Alles lag in Schutt und Asche." Der ganze Schloßberg? Nein. Eine Gruppe von unbeugsamen Grazern hatte 3.000 Gulden Lösegeld berappt und so zumindest den Uhrturm und die Liesl retten können.
Ein grüner Berg
Erst sollte der Berg parzelliert und verkauft werden. Der Schloß- als zweiter Ruckerlberg? Es kam gottlob nicht dazu. Bald schon reifte die Idee, den kahlen Felsen zu begrünen. Dass der Schloßberg heute so aussieht, wie er eben aussieht, verdanken die Grazer einem Mann namens Ludwig Freiherr von Welden. Er war ab 1838 Militärkommandant von Graz und zudem ein begeisterter Botaniker, der auf dem Schloßberg ein weites Betätigungsfeld vorfand. Oder besser gesagt - seine Soldaten. "Die hat er nämlich fest eingespannt; sie mussten körbeweise Erde auf den Berg hinaufschleppen."
Tausende Bäume wurden gepflanzt, Gärten angelegt, Aussichtsplattformen und Pavillons errichtet. Der Berg mit seiner ehemals so martialisch anmutenden Festung wurde zum Park. "Die Grazer haben das Beste aus der Situation gemacht", meint Szakmary. Flowerpower statt Festungsmauer...
von Ernst Grabenwarter, "Steirerkrone"








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