Sa, 19. Jänner 2019

Formel 1

23.05.2018 11:02

Nach 24 Jahren fährt wieder ein „echter“ Monegasse

Nach 24 Jahren ist mit Charles Leclerc diese Woche beim Formel-1-Grand-Prix von Monaco wieder ein „echter“ Monegasse am Start. Viele seiner Renn-Kollegen haben aus steuerlichen Gründen Wohnsitze im Fürstentum an der Cote d‘Azur, der 20-jährige Leclerc ist aber tatsächlich hier geboren und aufgewachsen. Und er gilt als Mega-Talent. Denn der am 16. Oktober 1997 geborene Monegasse hat praktisch jede Serie dominiert, in der er angetreten ist. 

Seit dem 8. Lebensjahr fährt er Kart, mischte dort sofort die Szene auf und musste sich 2013 in der WM nur dem heutigen Red-Bull-Jungstar Max Verstappen geschlagen geben. 2014 wechselte er in die Formel-Szene, wurde 2015 Vierter der Formel 3-EM und gewann danach jeweils auf Anhieb 2016 die GP3 und im Vorjahr die Formel 2. Kein Wunder, dass Leclerc, mittlerweile Ferrari-Junior, blitzartig in der Formel 1 landete und im März 2018 in Melbourne in der Königsklasse debütierte.

Allerdings startet der dritte Monegasse in der Formel 1 nach Louis Chiron (1955) und Olivier Beretta (1994) nicht bei Haas, für das er bereits 2016 getestet hatte, sondern beim ebenfalls mit Ferrari-Motoren fahrenden Team Alfa Romeo Sauber. Nicht zum Nachteil der Schweizer. Mit Platz sechs in Baku sorgte Leclerc für das beste Sauber-Ergebnis seit Jahren und punktete auch zuletzt in Barcelona als Zehnter. Und jetzt kommt der große Heimauftritt in Monaco.

Speziellstes Wochenende des Jahres
Zwar ging im Vorjahr Leclercs F2-Auftritt dort daneben, nun gehört dem Lokalmatador aber in seiner Heimatstadt die ganz große Bühne. Vom „speziellsten Wochenende des Jahres und womöglich meiner ganzen Karriere“, sprach Leclerc. „Ich bin so stolz, dass ich die Farben Monacos nach 24 Jahren zurück auf die Startaufstellung bringen kann. Wir sehen uns ... zu Hause“, twitterte er am Wochenbeginn.

Allerdings dämpfen zwei tragische Vorfälle die Vorfreude. Vor drei Jahren verstarb Leclercs Mentor und Freund Jules Bianchi (unten im Bild). Der Formel-1-Pilot aus Nizza war nach einem schweren Unfall in Suzuka neun Monate im Koma gelegen. Leclercs Vater Herve, früher selbst ein Formel-3-Pilot, war im Vorjahr einer langen, schweren Krankheit erlegen. Vier Tage später gewann Charles dennoch das Formel-2-Rennen in Baku. Die Familien Bianchi und Leclerc sind seit langem eng befreundet.

Riesentalent
„Ich danke euch für alles“, schrieb Leclerc nun. Dass er im Vorjahr - u.a. mit Siegen auch in Spielberg - als Rookie auch das Formel-2-Championat gleich gewann, machte endgültig klar, welch Riesentalent hier hinter dem Lenkrad sitzt. Mit 19 Jahren und 356 Tagen wurde Leclerc zum jüngsten Sieger der wichtigsten Serie nach der Formel 1 und der erste seit dem Deutschen Nico Hülkenberg (2009) als Rookie. Sonst haben das bisher nur noch Nico Rosberg und Lewis Hamilton geschafft.

„Seit meiner Kindheit träume ich davon, eines Tages hier teilzunehmen - es ist ein unglaubliches Gefühl, dieses Ziel nun erreicht zu haben“, sagte Leclerc. Obwohl er die Strecke in- und auswendig kennt und auf einer Monaco-Runde an seinen Lieblings-Restaurants sowie einem Appartement, von dem aus er als Kind die Rennen verfolgt hat, vorbeikommt, erwartet sich Leclerc keine Vorteile. „Ich kenne die Stadt wirklich gut. Aber es wird es eine komplett neue Erfahrung für mich sein, die Straßen von Monte Carlo in einem Formel-1-Cockpit zu erleben“, winkte er ab. Eines ist klar: „Es wird auf jeden Fall ein Wochenende, das ich nie vergessen werde.“

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