16.10.2009 15:30 |

"Recht auf Respekt"

Lehrer fordern härtere Strafen für Schüler

Den Lehrern an unseren Schulen platzt der Kragen. Immer öfter, so sagen die Christgewerkschafter, überschreiten die Schüler Grenzen. Sie lärmen, fallen durch Respektlosigkeiten auf oder erscheinen gar nicht erst zum Unterricht. Doch nun soll damit Schluss sein. Die Pädagogen fordern "gesetzliche Regelungen für sofortige Konsequenzen", wenn Buben oder Mädchen über die Stränge schlagen.

Sowohl Lehrer als auch Schüler würden immer wieder Opfer von Aggressionen und verbalen Angriffen, betonte der Vorsitzende der Lehrerpersonalvertretung für Pflichtschulen in Oberösterreich, Walter Wernhart. "Das Götzzitat ist nur eine Kleinigkeit davon." Dabei gehe es nicht einmal um eine große Menge der Schüler. Allerdings reiche die Minderheit schon aus, um den Unterricht wesentlich zu stören. Derzeit hätten die Lehrer praktisch keine Handhabe dagegen. "Das ist ungefähr so, als wenn jemand mit Tempo 80 durch den Ort fährt, und alles, was die Polizei dagegen tun kann, ist zu sagen: 'Wollen wir darüber reden?'"

Sollen Lehrer härter durchgreifen dürfen? Umfrage in der Infobox!

Sozialarbeit für auffällige Schüler gefordert
Nur härtere und konsequenter durchgesetzte Strafen könnten nach Meinung der Lehrer noch helfen. "Wir haben ein Recht auf Respekt und pädagogische Interventionsmaßnahmen", so Wernhart. Unter anderem sollen Schüler zu Sozialdiensten verpflichtet werden. Angerichteten Schaden sollen sie in ihrer Freizeit und mit ihrem eigenen Geld wiedergutmachen. Außerdem sollen Schüler von gemeinsamen Aktivitäten ausgeschlossen und zum Nachholen nicht erbrachter Unterrichtsleistungen in der Freizeit verpflichtet werden können. Ausbauen wollen die Christgewerkschafter die "Time-Out-Klassen". In ihnen sollen vor allem verhaltensauffällige Schüler statt des Unterrichts lernen, mit Konflikten umzugehen. Weitere Forderungen: Verhaltensnoten in den Abschlussklassen und Konsequenzen für Eltern bei fehlender Kooperation.

Wie Lehrer ihre Schüler bislang bestrafen dürfen: siehe Infobox!

"Lärm auf den Gängen lauter als ein Presslufthammer"
Verbessert werden müsse nach Ansicht der Personalvertreter auch der Gesundheitsschutz für Lehrer: "Die Schulgebäude sind bereits Jahrzehnte alt und verursachen eine unerträgliche Lärmsituation", so der steirische Gewerkschafts-Vorsitzende Josef Pilko. Messungen in den Klassenzimmern hätten Lärmbelastungen von 80 Dezibel ergeben, in Gängen und Turnsälen seien es 100 Dezibel. Zum Vergleich: Ein Presslufthammer kommt auf 90 Dezibel. Konsequenz in der Privatwirtschaft wäre ein zwingender Gehörschutz, so Pilko. Problem für die Lehrer: "Der Gesetzgeber lässt bei uns keinen Arbeitsinspektor zu." Dies müsse geändert werden.

Außerdem verlangen die Gewerkschafter wieder mehr Zeit für das Wesentliche. Der Trend, die Erziehung in die Schule auszulagern, mache den Lehrer zum "multifunktionalen Individuum, sein Aufgabenbereich ist unendlich", kritisierte die Obfrau des Lehrerbundes Kärnten, Claudia Schöffmann. Die Lehrer hätten "immer weniger Zeit, sich um ihre Kernaufgabe zu kümmern und - salopp gesagt - Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln".

Konferenzzimmer "wie Legebatterien"?
Weitere Kritikpunkte der Lehrer betreffen die Ausstattung der Konferenzzimmer ("wie Legebatterien"), zu wenig Personal etwa für längere Supplierungen und mangelnde Beschäftigungssicherheit. Generell wollten sie sich am "Arbeitsplatz Schule" wieder wohl fühlen, so der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Walter Riegler. Dies sei nicht nur ein Vorteil für die Pädagogen, sondern im Sinne einer Umwegrentabilität auch für die Schüler.

Ende November stehen im Öffentlichen Dienst Personalvertretungswahlen an. Anschließend verhandeln die Lehrervertreter ein neues Dienstrecht.

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