Mi, 17. Oktober 2018

Mit mächtigen 405 PS

11.03.2018 18:33

Land Rover Defender V8: So fährt sich das Tier!

Land Rover hätte den Defender-Fans (abgesehen von einer weiteren Serienproduktion) keine größere Freude machen können, als eine handgefertigte Serie mit frei atmendem Fünfliter-V8-Motor aufzulegen. Und mir keine größere Freude, als mir ein Exemplar für eine Testfahrt zur Verfügung zu stellen. Und er war herrlich, der wilde Ritt!

Denn das ist es tatsächlich. Es fühlt sich an, als müsste man ein wildes Biest bändigen. Es schreit, es brüllt, es keilt aus, es haut dir eine rein und es fordert dich. Jedenfalls wenn du die 405 PS von der Leine lässt. Mit 515 Nm presst der Landy in 5,6 Sekunden auf 60 Meilen, Tempo 100 sollte also in unter sechs Sekunden drin sein. Das Höchsttempo ist auf 170 km/h begrenzt. Aus gutem Grund.

Der Wendekreis entspricht dem eines Kreuzfahrtschiffes, bei der Kurbelei am riesigen Lenkrad fühle ich mich wie ein Steuermann auf der Brücke - nur mit viel weniger Platz. Ich müsste meine rechte Schulter amputieren lassen (mein Testwagen ist ein Rechtslenker), um gerade vor dem Lenkrad sitzen zu können. Okay, Fenster auf geht auch. Mein linkes Knie drückt vorne in die Konsole, mein rechtes ist beim Lenken im Weg. So bin ich eingezwängt und ringe mehr mit dem Lenkrad, als dass ich daran drehe. Aber das ist mir im Moment lieber als jede Luxus-Sänfte, die mich autonom über die Autobahn trägt.

Aber solch moderne Errungenschaften wären hier völlig fehl am Platz. Sogar die Außenspiegel werden hier per Hand eingestellt. Wo gibt‘s das schon um (in Österreich) mindestens 233.000 Euro (das ist der Preis für den Zweitürer mit kurzem Radstand)? Modern ist allerdings das ZF-Achtgang-Automatikgetriebe aus dem Jaguar F-Type, das Gangwechsel in 200 Millisekunden erlaubt, ebenso die LED-Scheinwerfer. Und Komfort gibt es natürlich auch: Edles Windsor-Leder, SVR-Sportsitze, eine DAB/Navi-Kombi im Radioslot - zugegeben, mit einem Mini-Display - und, äh, ja … manchmal ist es wahrer Komfort, das wegzulassen, was anderswo mittlerweile üblich ist. Und sich dem Wilden, dem Ursprünglichen auszusetzen.

Mit Sicherheit hat sich noch kein Defender so gut fahren lassen wie der „Land Rover Defender Works V8 70th Edition“ (so lautet der volle Name). Angepasstes Fahrwerk, verstärkte Bremsen, aber auch die Untersetzung blieb erhalten, Allrad sowieso. Schnell zu fahren erfordert trotz allen Tunings höchste Aufmerksamkeit; Wechselkurven wecken Assoziationen an Wellengang. Wenn hier fast zwei Tonnen in Bewegung kommen, weiß man am Ende des Tages, was man geleistet hat. Und sieht es im Zweifelsfall an dem einen oder anderen blauen Flecken, den man sich eingefangen hat.

Woher kommen die Autos eigentlich?
Nachdem die Produktion des Land Rover Defender bekanntlich im Jahr 2016 eingestellt worden ist, gibt es keine neuen mehr. Auch die V8-Versionen sind nicht neu - sonst wären sie nicht einmal zulassungsfähig, denn der Motor erfüllt nur die Abgasnorm Euro 5. Tatsächlich sucht Land Rovers Works-Abteilung gut erhaltene Gebraucht-Exemplare, die im Jahr 2012 oder später gebaut wurden und nicht mehr als 20.000 Meilen auf der Uhr haben. Die werden dann komplett zerlegt und in ihren neuen Eigenschaften neu aufgebaut.

150 Stück sollen es werden, sie sind längst vorbestellt. Bleibt zu hoffen, dass die nicht in irgendwelchen Garagen und Sammlungen herumstehen müssen - sondern gefahren werden. In der Wildnis. Und wild.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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