So viel ist schon nach den ersten Spielminuten klar: "Heroes Over Europe" ist keine Flugsimulation vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, wie es 90er-Jahre-Erfolgstitel à la "Aces of the Pacific" oder "Secret Weapons of the Luftwaffe" waren. Vielmehr fokussiert das aktuelle Game ausschließlich auf Action im Luftkampf.
Das fängt bei unglaublich unrealistischen Missionen an und setzt sich auch im Gameplay fort. So ist die Steuerung von jedwedem Realismus entfernt. Das hindert sie aber nicht daran, trotzdem äußerst sperrig auf die Eingaben des Gamers zu reagieren. Auch die Flugphysik und das Schadensmodell halten keinem Vergleich mit der Wirklichkeit stand. Denn sogar in höheren Schwierigkeitsgraden steckt der eigene Jäger unglaublich viele gegnerische Kugeln weg, bevor er rauchend zu Boden geht. Änderungen im Flugverhalten zeigt die eigene Maschine übrigens auch dann nicht, wenn der Motor bereits brennt.
Lahme Wingmen
Aufgrund des ausschließlichen Action-Fokus ist die erhöhte "Belastbarkeit" des Spieler-Flugzeuges aber wohl notwendig. Denn nicht selten kommt es vor, dass der Gamer im Alleingang während einer Mission über 60 feindliche Flugzeuge vom Himmel holen muss. Die Flügelmänner der eigenen Staffel sind dabei zwar vorhanden, mischen sich aber nicht bemerkbar ins Kampfgeschehen ein – in mehreren Spielstunden sorgten die Staffelkollegen zumindest für keinen einzigen (!) Abschuss.
Ein weiteres Arcade-Feature ist der so genannte "Zielschuss". Mit diesem stark an den Zeitlupenkampf aus "The Matrix" erinnernden Spezialmanöver kann der Spieler Gegner mit nur einem Schuss vom Himmel holen. Dazu muss er für eine bestimmte Zeit nahe genug am Feind fliegen, um den Angriff aktivieren zu können. Tut der Spieler das, so wird in eine vergrößerte Darstellung des feindlichen Flugzeuges umgeschaltet, wo er in Zeitlupe kritische Punkte des Gegners aufs Korn nehmen kann.
Epische Darstellung
So weit so gut – das Game ist eben keine Simulation und über mangelnde Action kann sich sicherlich niemand beklagen. Diese ist jedenfalls äußerst fein inszeniert: So fliegt der Spieler zum Beispiel auch über dem brennenden London, um es vor einer Hundertschaft Deutscher Bomber zu verteidigen. Die hervorragende Grafik und das Getöse aus den Lautsprechern katapultieren den Nachwuchspiloten dabei direkt ins Geschehen. Überhaupt sind die Luftschlachten äußerst episch dargestellt. Einziger Kritikpunkt an der Grafik sind vielleicht die etwas zu groben Bodentexturen. Die Vertonung des Games ist hingegen vorzüglich gelungen.
Auch die Story rund um drei alliierte Jagdpiloten trägt zur packenden Atmosphäre bei. In gezeichneten Zwischensequenzen wird dabei die Hintergrundgeschichte erzählt, die auch über Funksprüche während der Missionen vorangetrieben wird. Ansonsten wartet das Game noch mit Zwischensequenzen im Stil der Kino-Wochenschauen der 40er-Jahre auf, die Original-Filmaufnahmen des mörderischen Luftkrieges von damals zeigen.
Fazit: "Heroes Over Europe" ist ein mit Action vollgepacktes Fliegerspiel vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, das mit super Grafik und Sound sowie einer guter Atmosphäre überzeugen kann. Auf die Stimmung drücken leider das lineare Missionsdesign, die teilweise unrealistischen Aufträge sowie die etwas sperrige Steuerung. Kurzum: Flugsimulationsfans sollten die Finger von "Heroes Over Europe" lassen. Gamer, denen heiße Action in der Luft über Realismus geht, können ohne jegliche Bedenken zugreifen.
Plattform: PC (getestet), PS3, Xbox360
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 7/10
von Stefan Taferner









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