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24.09.2017 - 17:23
Gertraud Fribl vom Krankenpflegeverband sagt: "Konflikte gehören zum Arbeitsalltag."
Foto: Christoph Gantner

Rabiate Senioren machen Pflege zum Risiko- Job

20.01.2017, 06:48

Ein dementer 83- Jähriger bedrohte in einem Innviertler Seniorenheim mit einer Gaspistole zwei Altenpflegerinnen - diese alarmierende Meldung ist nur die Spitze eines Eisbergs. Es gibt immer mehr demente und deshalb rabiate Senioren, die den Pflegeberuf zum Risiko- Job machen. Kratzen, Beißen, Anspucken ist Alltag!

"Konflikte und Aggressionen wie Beißen, Kratzen, Zwicken oder Anspucken sind unser Arbeitsalltag in den Altenheimen. Man würde auch nicht glauben, was die Senioren alles an schwerem Gerät horten: Von Messern über Macheten bis hin zu Pistolen muss man mit allem rechnen. Die Situation ist bereits jetzt wirklich schwierig und  angesichts der Demoskopie rollt eine Riesenwelle auf uns zu", umreißt Gertraud Fribl, Vize- Pflegedirektorin im Linzer Neuromed Campus und  Präsidiumsmitglied des Krankenpflegeverbands, die Situation. In Oberösterreich kümmern sich 8000 bis 10.000 Pfleger um die Heiminsassen. Eine genaue Erhebung wird erst 2018 abgeschlossen sein.

Grundlohn von 1200 bis 1400 Euro netto

Der Pflegeberuf ist immer noch weiblich dominiert. Der Grundlohn liegt bei 1200 bis 1400 Euro netto. Umgekehrt kostet ein Heimaufenthalt monatlich zwischen 3500 und 3900 Euro. Das Durchschnittsalter beträgt 82 Jahre. Die zunehmende Demenz dieser Bevölkerungsgruppe ist auf verschiedene Faktoren - wie Konsum von Alkohol und Nikotin - zurückzuführen. Die Aggressivität der Alten hat auch damit zu tun, dass viele noch zur Kriegsgeneration gehören, verdrängte Traumata nun aufbrechen, weil das Langzeitgedächtnis in der Endphase am besten funktioniert. Maria Scharrer vom Krankenpflegeverband weiß aber, wie sich Pflegende wirkungsvoll helfen können - siehe unser Interview.

"Für Pflegende ist  Biografie der Bewohner immens wichtig"

Maria Scharrer (34) ist in der Pflegebereichsleitung des Linzer Neuromed Campus und beim Krankenpflegeverband engagiert. Sie weiß, wie wichtig die Biografie der Heimbewohner für die Pflege ist.

Sie sind ein großer Fan von Fallbesprechungen.
Es ist einfach das Um und Auf, das Leben eines Patienten zu kennen.  Wenn etwa ein Senior sein Leben lang Rahmsuppe gehasst hat und dann, wenn er sich nicht mehr verständlich machen kann, damit gefüttert wird, dann wird er die Suppe der Pflegekraft ins Gesicht spucken. Wir hatten einen Mann, der seine dunkelhaarige Schwiegertochter verabscheut hat.  Er bekam nach Möglichkeit keine dunkelhaarigen Schwestern.

Wie sollen Pflegende reagieren, wenn Patienten aggressiv werden?
Übergriffe, auch verbale Angriffe, müssen sofort thematisiert werden - das Schlechteste wäre, gar nichts zu tun.

Christoph Gantner, Kronen Zeitung


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