Mo, 23. Oktober 2017

Dauerstress

06.10.2017 18:36

Japan: Frau (31) stirbt nach 159 Überstunden

Eine japanische Reporterin ist offenkundig nach massiver Arbeitsüberlastung an Herzversagen gestorben. Die 31-jährige Politikjournalistin hatte in einem Monat 159 Überstunden angesammelt, berichtete der US-Sender CNN am Donnerstag (Ortszeit) unter Berufung auf den öffentlich-rechtlichen japanischen Rundfunk NHK, für den die Frau gearbeitet hatte. Die Frau starb bereits vor vier Jahren, erst jetzt seien die Arbeitsbehörden zu dem Ergebnis gekommen, dass der Tod der Frau auf Überarbeitung zurückgehe, erklärte NHK.

Der Intendant des Senders, Ryoichi Ueda, entschuldigte sich am Freitag bei der Familie der Frau. Man nehme den Fall sehr ernst und werde die Arbeit der eigenen Journalisten reformieren.

Nur zwei freie Tage in einem Monat
Grund für die Überstunden sei gewesen, dass sie für den Sender nacheinander über zwei Wahlen berichtet habe. Im Monat vor ihrem Tod hatte sie deshalb nur zwei freie Tage. Sie starb drei Tage nach dem zweiten Wahltag.

Japan: 2000 Selbstmorde aufgrund von Stress
Tod durch Überarbeitung ist in Japan so verbreitet, dass dafür eigens das Wort "karoshi" geprägt wurde. Dem britischen "Guardian" zufolge geht die japanische Regierung allein für 2016 von etwa 2000 Selbstmorden aus, die durch extremen Stress im Beruf bedingt waren. Dazu würden Dutzende Fälle von Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen Erkrankungen kommen, die mit einem überhöhten Arbeitspensum zu erklären sind. Einer von fünf Arbeitnehmern sei durch Überarbeitung in lebensbedrohlicher Gefahr.

Regierung will Obergrenze von 100 Überstunden pro Monat
In einer Regierungsstudie aus dem Jahr 2016 gaben 23 Prozent der befragten Firmen an, dass manche ihrer Mitarbeiter auf mehr als 80 Überstunden pro Monat kommen. Ein Jahr zuvor wurden 93 Fälle von Selbstmord oder versuchtem Suizid infolge von Überarbeitung offiziell anerkannt. Als Reaktion auf diese Zahlen zieht die Regierung nun eine Obergrenze von 100 Überstunden pro Monat in Erwägung.

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