Mi, 22. November 2017

Franz Secklehner

13.07.2017 12:51

Erst ausgebrannt, jetzt aufgeblüht

800 Schafe von 40 Bauern von Mai bis Mitte September hüten: Franz Secklehner (63) hatte nach einem Burnout von Job, Leben und Landwirtschaft genug und floh auf die Alm. Im Interview erzählt er vom Neuanfang, dem Verlust seiner Liebe und dem Glücklichsein.

Franz, Sie waren schon als Bub als Hofnachfolger vorgesehen, waren viele Jahre als Landwirt in Laakirchen tätig.
Nicht nur Landwirt, ich war auch berufstätig. Aber dass ich die Landwirtschaft übernehmen würde war klar, weil ich der einzige Sohn in der Familie war.

Wann entdeckten Sie die Liebe zu den Schafen?
Schon als Kind! Wenn ich Sorgen hatte, hab ich unsere Schafe angeweint. Mir ist erst heute bewusst, dass ich schon damals sehr sensibel  gewesen bin.

Wie viele Jahre sind Sie Schafbauer gewesen?
Ich war beruflich in Europa viel unterwegs, habe als Silomonteur und Stallungs-Arbeiter tätig. Und war mit meiner Frau 25 Jahre als Schafbauer tätig.

Bis der Punkt kam, an dem Sie nicht mehr konnten oder nicht mehr wollten.
Ich konnte nicht mehr, ich habe es nicht mehr geschafft. Die Größe des Betriebs, die großen Abnehmer, die auf unsere Schafprodukte warteten, die hohe Erwartungshaltung. Ich war in Oberösterreich der erste Vollerwerbsbetrieb, der nur von Schafen leben konnte. Aber neben der Hof-Fleischerei, den Schafmilch-Produkten, die pünktlich geliefert  werden mussten, war auch die Arbeit im Job noch zu tun. Das erste Burnout erkannte ich gar nicht. Aber eines Tages musste ich mitten in der Verladung sagen, dass es nicht mehr geht. Und es ging nicht mehr. Das Fass ging über für mich.

Was half aus Ihrem schweren Burnout heraus?
Die Tatsache, dass ich nicht entlassen wurde. Das war aber andererseits auch nicht gut für mich, weil es mit der Leistung einfach weiterging. Bis ich auch zuhause am Hof nichts mehr tun konnte.

Und ein zweites Burnout folgte deshalb.
Die Beziehung war bereits in der Krise, meine Frau und ich hatten zu dieser Zeit nicht mehr zueinander gefunden. Da verstehe ich auch heute erst meine Ex-Frau, dass sie mit mir nichts mehr anfangen konnte. Und als man mich 2010 auf einer Alm in Vorarlberg brauchen konnte, folgte ich dem Ruf und ging als Schäfer auf die Alm in Klösterle.

Sind Sie einfach gegangen?
Ja, ich musste gehen.  Das war möglich, weil mein Sohn bereits den Hof übernommen hatte.

Aber Ihre Frau haben Sie zurückgelassen?
Ich habe sie anfangs vielleicht in der Liebe erstickt und dann durch meine Schwäche im Stich gelassen. Ja, meine große Liebe habe ich zurückgelassen.

Wie viele Sommer waren Sie  dann in Vorarlberg?
Insgesamt sechs Sommer.

Und haben Sie auf der Alm gefunden, wonach Sie gesucht haben im Leben?
Irgendwie schon. Aber auf der Suche nach Liebe bin ich noch immer.

Sind Sie ein Aussteiger?
Ein Lebensaussteiger, der immer auf der Suche nach einer besseren Welt ist und mit dem Willen, etwas zum Guten beizutragen.

Vor zwei Jahren folgte der Wechsel von der Alm in Klösterle auf diese Alm, hier am steirischen Hauser Kaibling.
Der Grund und Boden hier gehört den Bauern. In Zusammenarbeit mit der Liftgesellschaft, der Gemeinde und dem Tourismus wird hier die  Schafalm "Schafsinn" betrieben. Hier gehört die heile Welt den Schafen - hier kann ich wieder richtig aufblühen.

Haben Sie hier oben Ihren Frieden gefunden - oder suchen Sie noch weiter?
Ich finde hier Erfüllung. Das macht mich glücklich, dass ich hier oben wirken kann und mein Sohn den Hof zuhause so großartig führt. Er macht’s mit der gleichen Leidenschaft.

Bereuen Sie irgendetwas an Ihrem Leben?
Nichts, außer der verlorenen Liebe und der zerbrochenen Beziehung zu  meiner großartigen Frau. Denn jetzt könnte eigentlich unsere schöne Zeit beginnen.

Wie lange möchten Sie noch Schäfer sein?
Ich möchte schon meinen 70. Geburtstag hier oben auf der Alm feiern und bis dahin einen Nachfolger finden!

Sabine Kronberger, Kronen Zeitung

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