Di, 21. November 2017

Microchip-Warnsystem

09.05.2017 06:05

„Völlige Sicherheit für Eltern“

Der Fall um vertauschte Eizellen in Vorarlberg ließ auch bei Paaren mit Kinderwunsch in Oberösterreich Ängste aufkommen, dass künstliche Befruchtung fehleranfällig sei. Im Kinderwunsch-Zentrum der Uniklinik Linz kann man das ausschließen, dort ist seit heuer das weltweit modernste Sicherheitssystem mit Mikrochip-Technologie im Einsatz. "Das Nonplusultra", so Laborchef Thomas Ebner.

Das Patienten-Identifikationssystem "RI Witness" in Linz arbeitet mit Radio-Frequenz-Erkennung und verwendet auf allen für das jeweilige Paar vor, während und nach dem künstlichen Befruchtungsprozess eingesetzten Verbrauchsgütern (ID-Karten, Samenbecher, Kulturschalen mit Eizellen, Zentrifugenröhrchen etc.) haftende Etiketten mit integrierten Mikrochips. Diese senden Signale aus, die sofort von auf allen strategisch wichtigen Arbeitsplätzen positionierten Empfangsantennen identifiziert und einem Paar zugewiesen werden können. Die Signale werden EDV-mäßig dokumentiert, jeder einzelne Schritt kann daher Jahrzehnte später noch exakt nachverfolgt werden. "Auch in 100 Jahren weiß man sofort auf Knopfdruck, wer was genau zu welcher Sekunde gemacht hat", erklärt Laborchef Thomas Ebner.

Akustisches Warnsignal
"RI Witness" schließe Fehler bei der Identifikation von Patienten aus, verhindere "Kreuzfertilisierungen" und stelle sicher, dass der aus der Behandlung hervorgegangene Embryo auch in die biologisch richtige Patientin transferiert werde. "Sollte zu irgendeinem Zeitpunkt eine falsche Probe bearbeitet oder die falsche Patientin behandelt werden, gibt das System sowohl visuell als auch akustisch ein Warnsignal", so Ebner. Das System sei europaweit derzeit nur in einer Klinik in Berlin im Volleinsatz und das beste am Markt. "Eltern wollen 100-prozentige Sicherheit, wir bieten das als einzige Institution Österreichs an."

"1000 künstliche Befruchtungen"
Thomas Ebner, Laborchef des Kinderwunsch Zentrums der Uniklinik, stuft das Patienten-Identifikationssystem als unfehlbar ein.

Wie sind Sie auf das Patienten-Identifikationssystem "RI Witness" gekommen?
Ich sitze im weltweiten Board der klinischen Embryologen. Fälle wie 2013 in Rom, mit 8 falsch zugeordneten aufgetauten Embryonen, oder heuer in Belgien mit 26 Verwechslungsfällen oder zuletzt der Fall in Vorarlberg haben gezeigt, dass es nicht ausreicht, den Namen auf Behälter, Röhrchen und Schälchen zu schreiben. Denn überall, wo gearbeitet wird, passieren Fehler.

Worauf sind diese Fehler meist zurückzuführen?
Häufig auf stark überlastetes Personal und/oder schlechte Einschulung.

Wie sicher ist das System "RI Witness"?
Meiner Einschätzung nach ist es unfehlbar.

Sie haben dieses System kürzlich auch für den Gesundheitspreis der Stadt Linz eingereicht.
Für unser Kinderwunsch Zentrum und das gesamte Kepler Uniklinikum wäre es eine Ehre, sollten wir ihn erhalten.

Wie viele künstliche Befruchtungen werden bei Ihnen in Linz durchgeführt?
Wir machen jedes Jahr rund 560 frische Eizellenentnahmen - mit den aufgetauten kommen wir auf etwa 1000 Fälle.

Erfolg in 90% der Fälle
Weltweit werden jedes Jahr rund eine Million künstliche Befruchtungen durchgeführt. In Österreich finden 8000 In-vitro-Fertilisationen statt, in Oberösterreich rund 2000. Hierzulande werden den Frauen pro Behandlung mehrere Eizellen entnommen, die künstlich befruchtet werden können. Die Schwangerschaftserfolgsquote liegt nach vier Versuchen bei 90%, die Betroffenen sind rund 35 Jahre alt. Pro Behandlung fallen für Patientinnen inklusive Medikamenten etwa 1000 Euro Selbstkosten an.

Jürgen Pachner, Kronen Zeitung

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