Di, 24. April 2018

29 Fälschungen

07.10.2006 13:45

Kunstkrimi am Landesgericht!

Dieser Prozess am Landesgericht Linz hat alle Zutaten eines Kunstkrimis: Des Betruges angeklagt ist ein bekannter Bildhauer (56). Er soll 29 gefälschte Werke des 1996 verstorbenen Zeichners Othmar Zechyr verkauft haben. Als Zeugen fungieren Kenner aus der heimischen Kunstszene. Einer, ein Historiker und Zechyr-Sammler aus Wien, hat den Fall im Sommer 2004 ins Rollen gebracht.

In der Landesgalerie wird derzeit des 10. Todestages des Zeichners Othmar Zechyr mit einer Ausstellung gedacht. Und auch beim Betrugsprozess auf der anderen Straßenseite steht sein Werk, das technische Objekte und Utopien thematisiert, im Mittelpunkt. 29 gefälschte Arbeiten im Wert von 142.000 Euro soll der Angeklagte an Sammler verkauft haben.

Wirtschaftliche Interessen geortet...
Der gebürtiger Österreicher mit bolivianischem Pass, der Richter Fritz Wimbauer gleich zu Prozessbeginn mit falschen Adels- und Magistertiteln verwirrt, ist eine schillernde Figur. Verteidiger Josef Weixelbaum: „Er ist eine Künstlerpersönlichkeit, die an normalen Menschen nicht zu messen ist.“ Nach eigenen Angaben Ehrenmitglied der Wiener Secession, verbrachte der Künstler – „Ich lebe von Malerei, Bildhauerei und Performancekunst“ - wegen Drogendelikten elf Jahre im Gefängnis. Für Weixelbaum, der hinter der Anzeige „wirtschaftliche Interessen zur Marktbereinigung“ ortet, stellt sich nicht die Frage, ob die Kunstwerke gefälscht waren, sondern ob sein Mandant, als er sie zum Verkauf angeboten hat, von der Fälschung wusste. Ein Schriftgutachten, das ob seines Zustandekommens von Staatsanwalt Martin Daxecker angezweifelt wird, bezeichnet die Signatur Zechyrs als echt.

Die Kunstwerke, die der Angeklagte vom Künstler bekommen haben will, seien, so Daxecker, Totalfälschungen. Experten wie Landesgalerie-Chef Peter Assmann, hätten deshalb rasch Zweifel angemeldet. Ein Wiener Sammler erstattete 2004 Anzeige.

Die Verhandlung um den Kunstkrimi wird am Landesgericht Linz fortgesetzt.

 

Foto: Hannes Markovsky

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