Mi, 13. Dezember 2017

Wiener verurteilt

04.08.2016 12:01

Gegen Flüchtlinge gehetzt: Sechs Monate bedingt

Wegen neun rassistischer Facebook-Postings ist ein Wiener Pensionist am Donnerstag im Straflandesgericht zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. "Da ist schon ein gewisser Hass und eine gewisse Energie dahinter, die mir nicht gefällt", stellte der zuständige Richter in der Urteilsbegründung fest. "Bin ich jetzt vorbestraft?", wollte der 63-Jährige wissen. Als der Richter bejahte, reagierte der bisher unbescholtene Rentner mit einem knappen "Super, sehr gut". Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Angeklagte hatte zwischen Februar und Ende April 2016 immer wieder Einträge anderer Facebook-Nutzer kommentiert. Ein Posting, in dem es um einen tätlichen Angriff von Asylwerbern auf Polizeibeamte ging, quittierte er mit "Abschieben kostet nur Geld. Gleich im Zoo zu den Eisbären werfen, dieses Rattenpack." Eine Meldung über eine von drei jugendlichen Flüchtlingen begangene Vergewaltigung am Wiener Praterstern versah er mit dem Kommentar "Nicht einmal umgebracht dürfen diese Ratten werden." Menschen muslimischen Glaubens bezeichnete er zudem mehrfach als "Muselratten".

"Ja sicher, so blöd bin i a net"
"Ich streite überhaupt nichts ab", nahm der Pensionist zur Anklage Stellung. Er wohne unmittelbar neben einem Flüchtlingsheim. Notgedrungen sei er immer wieder mit seinen beiden Enkeltöchtern daran vorbeispaziert. "Da hast nur Schreien und Brüllen gehört und typische Handbewegungen gesehen", führte der Angeklagte ins Treffen, wobei er eine Geste vorzeigte, die offenbar das Durchschneiden der Kehle illustrieren sollte.

Auf die Frage des Richters, ob ihm bewusst sei, dass er zu Gewalt gegen Flüchtlinge aufgestachelt bzw. deren Menschenwürde verletzt habe, antwortete der Mann: "Ja sicher, so blöd bin i a net." Ihm sei mittlerweile klar, "dass das nicht richtig und vollkommen überzogen war".

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