Mo, 20. November 2017

Prozess um Glocken

19.06.2015 18:33

„Entgegenkommen der Kirche wäre sinnvoll gewesen“

Eine friedliche Lösung im Streit um die Linzer Domglocken wäre wohl nicht nur Richterin Amalia Berger-Lehner am liebsten gewesen. Doch dazu kam es nicht, denn die beiden Streitparteien wollten auch bei der Prozessfortsetzung gestern, Freitag, keinen Vergleich schließen. In den nächsten Wochen fällt ein Urteil.

"Ein Entgegenkommen der Kirche wäre mir sinnvoll erschienen. Man hätte vielleicht die Verwendung leiserer Glocken anbieten können", sagte die Richterin, nachdem sie Freitag Mittag den Prozess um die Domglocken geschlossen hatte. Zu Beginn der Verhandlung fragte Berger-Lehner die Streitparteien – den Kläger und Domnachbar Wolfgang Lassy sowie Pfarrer Maximilian Strasser als Vertreter der Dompfarre – nochmals, ob nicht doch noch ein Vergleich möglich wäre.


Während der Anwalt des Klägers, Wolfgang List, meinte: "Wir sind jederzeit gesprächsbereit und führen keinen Prozess gegen die Kirche, sondern einen für die Nachtruhe", erteilte der Anwalt der Pfarre, Wolfgang Graziani-Weiss, einem Vergleich eine Abfuhr: "Nein, Frau Rat, wir wollen, dass Sie das entscheiden!"

Keine "echte Nachtruhe"
Bekanntlich hatte die erste Verhandlung im Februar damit geendet, dass die Pfarre für drei Monate eine Reduktion der Glockenschläge zwischen 23 Uhr und 5 Uhr angeboten hatte. "Damit kamen wir dem Ziel näher, aber eine echte Nachtruhe war es nicht", erklärte Kläger Lassy der Richterin, warum  er auf totale Stille bei Nacht beharrt.

Strasser, der seit 1998 Pfarrer in Linz ist, räumte ein, die Läutordnung in seiner Amtszeit zweimal verändert zu haben. 1999 wurde das Morgenläuten von 6 auf 7 Uhr verlegt, 2009 verstärkt. Über die eigentliche Zuständigkeit fürs Glockenläuten und -schlagen war man sich nicht ganz einig – der Dom gehöre schließlich einer Stiftung, die Pfarre sei nur Mieter. Die Richterin will keine Zeugen mehr. Das Urteil ergeht schriftlich.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden