Mi, 13. Dezember 2017

Geldanlage 2.0

30.09.2013 09:32

"Social Trading" erfreut sich regen Zulaufs im Web

Das Web 2.0 macht auch vor Hobbyanlegern nicht halt - Social Trading heißt das Zauberwort. Erfahrene Händler legen im Internet ihre Strategien offen und jedermann und jederfrau kann ihnen "folgen", also das Portfolio nachkaufen. Wird ein Gewinn erzielt, schneiden die Trader und die Plattformen mit. Eine davon ist das Wiener Start-up Wikifolio, das im April in Österreich an den Start ging.

Knapp 60 Millionen Euro haben Anleger im ersten Jahr in sogenannte Wikifolios investiert. So nennt das Unternehmen Wikifolio Portfolios, die erfahrene Trader erstellen. Sie können dabei aus einem Pool von 3.000 wichtigen Aktien und sogenannten Exchange Traded Funds (ETF) auswählen, bald sollen es 40.000 sein. Rund 3.000 Wikifolios wurden bereits gebastelt, von hoch spekulativ bis konservativ.

Wer sich für ein bestimmtes Portfolio interessiert, braucht zuerst die unverbindlichen Fürstimmen von anderen Nutzern. Für alle investierbar wird ein Wikifolio nämlich erst, "wenn es zehn Leute aus der Community gut finden und sagen, ich würde das kaufen", so Wikifolio-Gründer und Geschäftsführer Andreas Kern.

Ist diese Hürde geschafft, kommt das deutsche Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz ins Spiel: Es baut das Wikifolio als Indexzertifikat mit eigener Wertpapierkennnummer nach. Dieses Papier spiegelt die Performance der Aktien und ETFs wider und ist an der Stuttgarter Börse handelbar.

"Renditen von über 100 Prozent"
Die besten Wikifolio-Profihändler erzielten bisher laut Unternehmensangaben Renditen von mehr als 100 Prozent, insgesamt wurden Umsätze von 800 Millionen Euro generiert. In Österreich arbeitet Wikifolio mit dem Erste-Onlinebroker Brokerjet zusammen. Wer sich ein Wikifolio-Zertifikat kauft, wird zu Brokerjet weitergeleitet, um dort ein Wertpapierdepot zu eröffnen. Weitere Kooperationspartner sollen folgen.

Das Start-up selbst verdient über Gebühren: Einmal im Jahr müssen Anleger eine Zertifikategebühr in Höhe von 0,95 Prozent des eingesetzten Kapitals zahlen. Hinzu kommt eine Performance-Gebühr von fünf bis 30 Prozent, die bei neuen Höchstständen anfällt. Die exakte Höhe kann der Trader selbst vorschlagen, die Hälfte bekommt er, die andere Hälfte fließt an Wikifolio. "Beim Handeln fallen keine weiteren Gebühren an. Bei so gut wie allen anderen Finanzprodukten ist das nicht der Fall", meint Kern.

Betreiber wollen mit Transparenz punkten
Er will nicht nur bei den Gebühren, sondern auch bei den Anlagestrategien mit Transparenz punkten. "Wenn ich eine Lebensversicherung abschließe, habe ich keine Ahnung, was mit dem Geld passiert. Bei uns kann jeder Anleger auch für sich lernen, wie Geld verdient wird."

Die derzeitigen Wikifolio-Nutzer ließen sich in zwei Gruppen einteilen: Die einen, meist 35 Jahre oder älter, hätten sich schon aktiv mit dem Kapitalmarkt beschäftigt und nutzten das Wikifolio nur als Beimischung. "Das sind typischerweise Leute, die von herkömmlichen Finanzberatern enttäuscht sind." Auf der anderen Seite tummelten sich Jungakademiker auf der Plattform ("erster Job, erstes Geld"), die sich erst für Aktien und Co. zu interessieren beginnen.

Mittel- bis langfristig möchte Kern auch Sparbuchsparer ansprechen und vielleicht neue Märkte sondieren. Noch schreibt das Unternehmen dem Vernehmen nach keine schwarzen Zahlen. "Wir produzieren einen positiven Rohertrag", so der Geschäftsführer. Umsätze oder Umsatzziele wollte er keine nennen. "In Summe haben wir ein Projektvolumen von 3,6 Millionen Euro. Das ist noch nicht zur Gänze ausgegeben."

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