Sa, 18. November 2017

Marke „Eigendruck“

21.12.2011 11:57

Techniktrend 2012: 3D-Drucker für den Hausgebrauch

Das MP3-Format bescherte der Musikindustrie mehr als ein Stirnrunzeln, illegal mitgeschnittene Filme und raubkopierte DVDs taten das im Falle der Filmbranche. Nun könnte physischen Objekten ein ähnliches Schicksal blühen, glaubt man dem Multimediakünstler Virgil Widrich. Seiner Ansicht nach hat der Techniktrend der kommenden Monate einen Namen: "Rapid Prototyping". Mittels immer günstiger werdender 3D-Drucker kann mit diesem Verfahren auch Zuhause das Lieblingskaffeehäferl hergestellt werden - Marke "Eigendruck".

Bereits seit einigen Jahren wird das Erstellen dreidimensionaler Objekte mittels 3D-Drucker von verschiedenen Firmen und Open-Design-Initiativen vorangetrieben. Erst im Sommer dieses Jahres präsentierte die TU Wien einen Prototypen, der die bis dato recht teure Technologie erschwinglich machen soll. Wohin dies führen könnte, stellt sich für Widrich recht deutlich dar: "Baupläne werden dann gehackt werden und auf irgendwelchen Piratenplattformen werden die 3D-Daten von Ikea liegen, die man dann selber ausdrucken kann", malt der gebürtige Salzburger ein mögliches Szenario an die Wand.

Der Drucker-Prototyp der TU Wien (siehe Infobox) kommt bei der Größe einer Milchpackung und einem Gewicht von knapp 1,5 Kilogramm auf einen Preis von rund 1.200 Euro. Die Funktionsweise ist dabei relativ simpel: In einem Becken wird das gewünschte Objekt mit flüssigem Kunstharz erzeugt. Zur Härtung wird dabei Licht verwendet, wobei jeweils Schicht für Schicht das endgültige Werk zusammengefügt wird. Grundsätzlich ist diese Vorgehensweise natürlich nicht für die Massenproduktion praktikabel, da es dafür billigere Varianten gibt. Allerdings kann per 3D-Drucker jeder seine individuell gewünschten Objekte erzeugen.

In wenigen Minuten zum realen Projekt
Mit seinem Preis ist der Prototyp der TU aber keineswegs alleine auf weiter Flur, auch Drucker von MakerBot Industries oder Ultimaker schlagen derzeit mit etwa rund 1.200 bis 1.800 Euro zu Buche. Hergestellt werden können damit unterschiedlichste Gegenstände in der Größe von knapp zehn Kubikzentimetern. Gefüttert wird etwa der "Thing-O-Matic" von MakerBot (Bild) mit Polylactiden, durch Wärmezufuhr verformbare Kunststoffe, die man auf der Website des Herstellers um knapp 50 Dollar per Kilo und in verschiedenen Farben erwerben kann. Angeschlossen an den Heim-PC wird dann per Mausklick aus dem digitalen 3D-Entwurf in wenigen Minuten ein reales Objekt.

Einen Schritt weiter geht das "RepRap Project" in den USA: Die 2005 gestartete Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, einen Drucker herzustellen, der den Großteil seiner Komponenten selbst erzeugen kann. Bis dato wurden drei Generationen des Druckers entwickelt. Gegenstände aus herkömmlichen Papier liefert hingegen das Modell "Matrix 300" des irischen Herstellers Mcor Technologies. Schichtweise fügt der Drucker die einzelnen Papierbögen zusammen und schneidet sie mit einem Messer zurecht. Aufgrund seiner Größe und des höheren Preises ist dieser Drucker aber ähnlich den Angeboten von HP oder Z Corporation wohl eher für die industrielle Anwendung gedacht.

3D-Drucker im Wiener Happylab
Wer sich vor einem Kauf selbst von der Qualität der erzeugten Objekte überzeugen lassen will, hat dazu im Wiener "Happylab" Gelegenheit. Die Ende 2010 eröffnete Hightech-Werkstatt bietet für einen Mitgliedsbeitrag von 20 Euro im Jahr neben Einblicken in neue technische Entwicklungen auch die Möglichkeit, Entwürfe am 3D-Drucker zu realisieren. Die nächste Einschulung in die Geheimnisse des 3D-Drucks steht am 18. Jänner kommenden Jahres am Programm.

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