Di, 21. November 2017

Amt vs. Eltern

11.03.2011 11:25

Lange Verfahren „sind Chance für die Eltern“

Die lange Verfahrensdauer bei Obsorgeentscheidungen, wie im Fall von zwei Kindern (9 und 13) aus Grieskirchen, sind laut Richter Thomas Hacker vom Bezirksgericht Traun "generell eher eine Chance für die Eltern, die Lebensumstände zu verbessern". In einem psychiatrischen Gutachten lässt das kleine Mädchen dem Richter ausrichten, dass es nach Hause wolle: "Da hat man eine Mama – und nicht jeden Tag einen anderen Betreuer!"

Wenn der Bursch (damals 11) aus Grieskirchen drei Wünsche frei hätte, fragt ihn der Psychiater in seinem Gutachten, welche wären das? "Dass ich und meine Schwester heimkommen, dass alle gesund bleiben, und dass wir nie wieder von der Mama wegkommen", antwortet der Bub. Fast identisch sind auch die drei Wünsche der damals siebenjährigen Schwester.

Die Sehnsucht von Kindern nach ihrer Mutter kennt Richter Thomas Hacker aus vielen derartigen Verfahren. Und es werde ja auch auf die Wünsche der Kleinen Rücksicht genommen, aber "leider sind die Umstände oft untragbar". Wenn der Mutter – wie in diesem Fall – die Besuche verweigert werden, so sei es "manchmal auch die Schuld eines Elternteils, dass die Situation eskalierte".

Verbot nur zeitweilig
Dennoch könne das Besuchsverbot nur vorübergehend sein, bekräftigt auch Bezirkshauptmann Rudolf Doleschal. Landesrat Josef Ackerl bestätigt außerdem, dass die Kinder möglichst bald wieder in dasselbe Heim sollen, derzeit seien sie aber nicht stabil genug.

Dass das Obsorgeverfahren überhaupt so lange dauert (die Kinder sind seit zweieinhalb Jahren im Heim, das Urteil in zweiter Instanz wird in etwa einem halben Jahr erwartet), sieht Richter Hacker nicht nur negativ: Eine lange Verfahrensdauer sei für die Eltern eine Chance, sich zu konsolidieren und die Lebensumstände zu verbessern.

von Jasmin Gaderer, "OÖ Krone"

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