Do, 23. November 2017

„Gegen Strahlung“

19.11.2009 13:14

Billig-Bettwäsche um 900 Euro verkauft - Prozess

Ein Pärchen hat sich am Donnerstag vor dem Landesgericht Ried verantworten müssen, weil es – bevorzugt älteren – Kunden Bettzeug und Decken zum Schutz gegen Strahlung verkauft haben soll. Schutz wäre allerdings eher gegen die hohen Preise notwendig gewesen, meinte zumindest der Staatsanwalt.

Drei Jahre lang sollen die beiden Angeklagten alte Menschen "heimgesucht" – und satte Gewinne von 2.000 Prozent erzielt haben. Im Haus ihrer Kunden zog die Frau ein Gerät hervor, um Messungen durchzuführen. Das stets gleiche Ergebnis: Hohe Strahlenbelastung.

Teure Hilfe
Schützen konnten sich die Kunden vor der "niederfrequenten Erdstrahlung" mit Schutzmatten um 700 Euro, deren Einkaufspreis aber bei nur 98 Euro lag. Auch Bettzeug im Wert von 29 Euro wurde den Kunden angedreht – der Verkaufspreis lag bei 900 Euro.

Besonders dreist: Einem an Alzheimer leidenden Pensionisten wollte das Paar Waren um 700 Euro verkaufen. Auf der Bank hatte der Rentner den Betrag bereits wieder vergessen – und übergab dem Pärchen gleich 8.500 Euro.

Wucher oder Geschäftstüchtigkeit?
Mehr als 30 Geschädigte sind mittlerweile bekannt. Während der Staatsanwalt den zwei "Strahlungsexperten" Wucher vorwirft, sieht der Verteidiger in den hohen Preisen lediglich eine "moralische Debatte"“ ohne rechtliche Relevanz. Der Prozess wird aufgrund der großen Zahl an Zeugen wohl noch länger dauern. Privat strahlen die beiden Angeklagten schon länger nicht mehr: Die Ehe wurde mittlerweile geschieden.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden