Do, 14. Dezember 2017

"Es tut mir leid"

15.01.2009 15:58

"Hellseherin" wegen Betrugs vor Gericht

Wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges ist eine 41-jährige deutsche "Hellseherin" am Donnerstag mitsamt Ehemann (50) am Landesgericht Linz zu 20 Monaten Haft, davon vier Monaten unbedingt, verurteilt worden. Auf Esoterikmessen soll das betrügerische Ehepaar die "hellseherischen Fähigkeiten" der Frau angeboten und die Kunden um insgesamt mehr als 80.000 Euro geschädigt haben. Staatsanwalt und Verteidiger verzichteten beim Prozess auf Rechtsmittel, die Urteile sind somit rechtskräftig.

Als mildernd wurde das Geständnis der Beschuldigten gewertet, als erschwerend die Vielzahl der Taten und der lange Zeitraum, in dem sie ausgeführt wurden. Zwischen Oktober 2004 und September 2008 soll das Ehepaar jährlich bei rund 20 Esoterikmessen die Dienste der Frau angeboten haben.

2.000 Euro pro Behandlung verlangt
Sie hätten behauptet, die Frau könne durch Hand-, Karten- und Kaffeesudlesen sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft blicken. Außerdem könne sie durch Handauflegen Blockaden lösen. Pro Behandlung hätte das Duo bis zu 2.000 Euro verlangt. Aufgeflogen sind die beiden durch verdeckte Ermittler des Innenministeriums.

Druck auf Familien ausgebübt
"Ich habe keine übersinnlichen Fähigkeiten", gestand die Frau gleich zu Beginn der Verhandlung. "Es tut mir leid." Sie gab auch zu, Druck ausgeübt und Drohungen ausgesprochen zu haben. So habe sie Schicksalsschläge oder Unfälle in der Familie abgekündigt, sollten die Betroffenen ihre Dienste nicht in Anspruch nehmen. Dennoch hätten sich manche Leute nachher besser gefühlt. "Niemand hat sein Geld zurückverlangt."

Ehemann attestierte Frau Übersinnlichkeit
Der Ehemann der Frau, ebenfalls ein Deutscher, soll seine Frau bei ihrer Arbeit unterstützt haben. Er attestierte seiner Frau zu Beginn seiner Einvernahme noch übersinnliche Fähigkeiten. Als er mit ihrem Geständnis konfrontiert wurde, gab auch er den Schwindel zu. Er bekannte sich ebenfalls schuldig.

Überraschende Zeugenaussage
Für Überraschung sorgte eine "Belastungszeugin", die 17.000 Euro an das Paar gezahlt haben soll. Die 60-Jährige blieb selbst nach dem Geständnis der "Hellseherin" dabei: Seit der Behandlung seien viele ihrer Probleme gelöst, Schmerzen von Verwandten seien verschwunden. "Der Familienfluch ist beseitigt", sagte die Frau.

Symbolbild

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