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27.09.2026

Vital Leben

„Du hast nicht versagt!“

Wer an Depressionen leidet, sucht die Schuld oft bei sich selbst. Doch: „Man muss lernen, anzunehmen, dass es sich um eine Erkrankung handelt“, sagt Psychologe Erich C. Schenk.

Depressionen müssen behandelt werden. Das nimmt Zeit in Anspruch. Foto: Kittiphan-stock.adobe.com

Depressionen kommen in der düsteren Jahreszeit“ – das ist ein vielverbreiteter Irrglaube! „Sie sind jahreszeitenunabhängig. Bei der Winterdepression handelt es sich eher um leichte Depressionen, hervorgerufen durch Mangel an Vitamin D und Sonnenlicht“, klärt Psychologe Erich C. Schenk auf.

Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit, in schlimmen Fällen Gefühllosigkeit, sind erste Anzeichen einer Depression, viele schaffen es nicht, aus dem Bett zu steigen und haben schwere Glieder. „Bei bereits schweren Störungen kommen ein geringer Selbstwert und Lebensüberdruss hinzu, oft begleitet von selbstabwertenden Gedanken.“

Foto: Schenk
Foto: Schenk

Wieso es überhaupt zu Depressionen kommt, ist noch nicht ausreichend erforscht. Manchmal beginnen sie in Zeiten der Überforderung, Überlastung, beruflicher Probleme und traumatischer Erlebnisse. Oft tauchen sie erst Jahre später auf. Häufig hängen sie auch mit organischen oder chronischen Erkrankungen zusammen. Was aber gesichert ist: „Stets geht ein Serotoninmangel mit ihnen einher. Niemals verwechseln darf man sie allerdings mit Niedergeschlagenheit aufgrund schlimmer Ereignisse wie Todesfälle innerhalb der Familie oder im Freundeskreis. Schenk: „Das gehört zur Lebensbewältigung und ist normal, solange man die Situation nicht verdrängt.“

Wieso es Depressionen gibt, ist nicht ausreichend erforscht. Gesichert ist, dass Depressionen mit Serotoninmangel einhergehen.
Psychologe Erich C. Schenk

Heilung braucht nun einmal Zeit

Nicht immer sind Depressionen heilbar, aber sehr oft. „Jedoch braucht die Heilung Zeit. Im Schnitt muss man mit ein bis zwei Jahren rechnen. Am Anfang steht vor allem im Vordergrund, Belastungen wegzunehmen und ein positiv gestaltetes Lebensumfeld zu schaffen, soziale Kontakte herzustellen. Alles aufzugreifen, was einem gut tut. Und annehmen, dass eine Depression kein persönliches Versagen ist, sondern eine Erkrankung“, empfiehlt Erich C. Schenk.

von Monika König-Krisper